Anna Buchholz von Torten kreativ.

»Torten kreativ« verwirklicht süße Träume

Das Geschäft »Torten kreativ« gibt es seit drei Jahren auf der Breiten Herzogstraße 2. Ich treffe die Inhaberin Anna Buchholz, die sich mit ihrer süßen Werkstatt einen echten Lebenstraum verwirklicht hat.

Als ich die Tür des Tortengeschäftes öffne, fühle ich mich ein bisschen wie Charlie, als sich die Tore öffnen und er in die Schokoladenfabrik eintreten darf. Ich bin mir sicher, dass so der Vorraum dieser sagenumwobenen Fabrik aussehen muss, in der süße Köstlichkeiten gezaubert werden.

Im Gegensatz zu Willy Wonkas legendärer Schokoladenfabrik braucht hier niemand einen Losgewinn, um eintreten zu dürfen.
Im Gegensatz zu Willy Wonkas legendärer Schokoladenfabrik braucht hier niemand einen Losgewinn, um eintreten zu dürfen. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Ich entdecke eine Wand mit floralen Tapeten und pinkfarbenen und grauen Blumen; darunter farblich abgestimmt eine Tapete mit Streifenmuster. Überall stehen Torten mit kleinen Figuren und Blumen in allen Farben. Und in der Mitte des Raumes lädt ein leuchtendes Sofa zum Platznehmen ein – selbstverständlich in Pink.

Allerdings begrüßt mich nicht Willy Wonka in dieser süßen Wunderwelt, sondern die Inhaberin Anna Buchholz. Sie kommt aus der Küche ihrer Werkstatt »Torten kreativ«, die hinter einer Tür liegt. »Betreten verboten«. Klar, denn dort werden die Cremes und Zuckermassen angerührt, und dabei muss absolute Sauberkeit herrschen.

Anna Buchholz begrüßt mich freundlich und mit leiser Stimme in ihrem Reich. »Natürlich hat sich die Inneneinrichtung auch entwickelt, aber im Prinzip wollte ich diesen Stil in Pink schon immer genauso haben«, erzählt sie, während wir uns hinsetzen. Besonders wichtig sei ihr das leuchtende Sofa gewesen, freut sie sich. Als sie das Geschäft vor drei Jahren auf der Breiten Herzogstraße eröffnete, hatte sie mit ihrem Mann und ihrer Familie ein gutes Stück Arbeit hinter sich gebracht. »Die Inneneinrichtung haben wir zusammen verwirklicht. Da haben alle mitgeholfen«, erinnert sie sich glücklich.

Mitten im Laden steht ein pinkes Sofa.
Ein Traum: Das »pinke Sofa«. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Kreativ sein

»Torten kreativ« ist ein Lebenstraum für Anna Buchholz. Ihr gelernter Beruf, Zahnarzthelferin, habe ihr schon Spaß gemacht. Aber auf Dauer sei es eben nicht der Beruf gewesen, in dem sie sich selbst verwirklichen konnte. »Ich wollte kreativ tätig sein, und vor allem wollte ich mein eigener Chef sein«, erklärt sie mir ihren Schritt.

Das Zeichnen und Basteln begleitet Anna Buchholz schon ihr ganzes Leben. Bereits als Kind hat die gebürtige Salzgitteranerin gern gebastelt und gemalt. »Ich habe Comicfiguren abgezeichnet«, erinnert sie sich. Mit diesem Thema kann sich die Tortengestalterin heute noch beschäftigen. Bei Kindern, berichtet sie, sei im Moment vor allem Olaf der Schneemann beliebt. Den Schneemann kenne ich immerhin vom Sehen aus dem Werbe-Vorprogramm im Filmpalast. Meine Kinder sind zu groß für den Film über die Eisprinzessin Elsa und ihren kalten Begleiter.

Im Geschäft stehen Torten in allen Formen und Farben.
Torten in allen Formen und Farben. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Als Tortengestalterin darf Anna Buchholz nicht backen, erklärt sie. Damit habe sie eine Konditorei ihres Vertrauens beauftragt. Sie kümmert sich ausschließlich um die künstlerische Ausgestaltung der Tortenwünsche.

Die erste Torte

Als ihre Leidenschaft für Torten vor fünf Jahren begann, kümmerte sie sich natürlich privat um den gesamten Entstehungsprozess. Sie wollte eine ganz besondere Torte zum Geburtstag Ihres Mannes herstellen. Er ist begeistert von der Sportwagenlegende Camaro aus dem Hause Chevrolet, und so sollte die Torte natürlich genau diese elegante und sportliche Form bekommen. »Ich habe mich dann erst mal informiert, was ich dafür überhaupt brauche«, erinnert sie sich.

Denn alles, was auf einer herkömmlichen Torte dekoriert ist, kann gegessen werden. Davon ausgenommen ist der neueste Trend von »nackten Torten« – »Naked Cakes« – wie mir Anna Buchholz erklärt. Hier liegen die Teigschichten frei und werden nur durch die Crememasse verbunden. Als Dekoration werden bei dieser Trendtorte frisches Obst und echte Blumen verwendet.

»Naked Cakes« sind der Trend bei Torten.
»Naked Cakes« sind der Trend bei Torten. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Ihre erste Torte hat Anna Buchholz aber klassisch mit Fondant ausgestaltet. Fondant heißt die modellierbare Zuckermasse, mit der Tortengestalter arbeiten. Das Ergebnis ihres ersten Versuches begeisterte nicht nur den Ehemann, sondern die ganze Familie. »Nach dem gelungenen Einstand gestaltete ich also zuerst Torten im Familienkreis. Nach einer Weile wurde ich sogar im Freundeskreis gefragt«, so Buchholz.

Süße Lehrzeit

Das war der Zeitpunkt, als sie sich entschloss, ihr Hobby als Gewerbe anzumelden. Damit die Produktion allen Hygienevorschriften genügen konnte, wurde bei Familie Buchholz die zweite Etage ihres Hauses entsprechend umgebaut. »Zwei Jahre habe ich dann meine Torten im eigenen Heim produziert«, erzählt mir Anna Buchholz. Schließlich wollte sie aber ihr Privatleben vom Geschäftlichen trennen. Das war der Startschuss für ihre Suche nach passenden Geschäftsräumen, die sie am Ende in die Wolfenbütteler Innenstadt führte.

Eine Torte mit 4 Etagen: Wie viel Stockwerke dürfen es sein?
Wie viel Stockwerke dürfen es sein? © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Eigentlich ginge ihr jeder Kundenwunsch gut von der Hand, berichtet sie. Bei keiner Figur, Form oder Blume habe sie bisher aufgeben müssen. Aber natürlich sei es ein Lernprozess gewesen.

Und dafür musste sie noch einmal die Schulbank drücken. In Berlin und Köln absolvierte sie Weiterbildungen an der Fachschule »Cake School«. »Das ging los mit dem Basiskurs über Fondant, das Modellieren im Level 1 und 2. Dann kamen Zuckerblumen, Weihnachtsdekoration, »Icing« – einer feinen, glänzenden Verzierung aus Zucker oder Eiweiß – und das Malen auf Fondant. Ich hatte tolle Ausbilder, wie den Engländer Paul Bradfort«, berichtet sie. Daran schlossen sich mehrere Praktika bei der bekannten Tortendesignerin Katarina Pfaffenrot an.

Auch kleine Anlässe sind Grund für ein Danke

Inzwischen kann Anna Buchholz selbst auf ein stolzes Repertoire von Tortenkreationen zurückblicken, die sie alle fotografiert und archiviert hat. »Es gibt viele Kunden, die kommen mit genauen Fotos und Wünschen, was auf ihre Torte soll. Aber natürlich können wir uns im Gespräch auch Anregungen von vergangenen Arbeiten holen, wenn wir das Album durchblättern«, erklärt sie.

Es gibt auch kleine Anlässe für einen Tortenwunsch.
Es gibt auch kleine Anlässe für einen Tortenwunsch. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Anlässe für eine ganz individuell gestaltete Torte gibt es viele. Das seien natürlich Hochzeit, Taufe, Kommunion oder Konfirmation sowie Jubiläum oder Geburtstag. »Manchmal kommen aber auch Kunden zu mir, die anderen einfach nur Danke sagen wollen. Dann ist die Torte eine freundliche Geste, die von Herzen kommt«, so Buchholz. Was möglich ist, setzt sie dann um.

Gemütlichkeit ist Trumpf

Manchmal sei das eine Herausforderung. So habe sie etwa kürzlich ein Brautpaar gestalten müssen, bei dem der Bräutigam seine Braut trägt. »Da musste ich ein bisschen probieren, damit das Paar auch stabil ist«, schmunzelt sie. Aber solche Aufgaben nimmt die Tortengestalterin gern an, auch wenn es sie manchmal viel Zeit kostet.

»Die Zeit ist oft das einzige Problem bei der Herstellung. Denn manche Dinge brauchen einfach viele Arbeitsstunden«, so Buchholz. Es scheint mir deshalb ratsam, meine Tortenwünsche früh genug anzumelden.

Anna Buchholz hat sich einen Lebenstraum verwirklicht.
Anna Buchholz hat sich einen Lebenstraum verwirklicht. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

In dem gemütlichen Besprechungsraum werden alle Vorstellungen des Kunden notiert. Gemütlichkeit ist auch eine Eigenschaft, die Anna Buchholz in Wolfenbüttel besonders gut gefällt. »Ich brauche keine moderne Metropole wie Berlin. Hier in Wolfenbüttel mit kleinen Straßen und Gassen fühle ich mich wohl«, bekennt sie sympathisch. Und auch zum Einkaufen bleibe sie gern in ihrer Wahlheimatstadt.

Leichte Torten mit wenig Süße

Qualität ist ihr wichtig – beim Einkaufen und bei ihrer eigenen Arbeit. »Ich achte darauf, dass ich beim Zubereiten meiner Massen und Cremes nur gute Zutaten verwende“, erklärt sie mir. Für alle, die beim Thema Torte eher zurückzucken würden, verrät mir Anna Buchholz noch eine wichtige Information: »Bei mir bekommen meine Kunden nicht die schwere und übersüßte Buttercreme. Ich arbeite mit einer Joghurt-Puddingmasse und süße das Ganze nicht zu stark«, so Buchholz.

Ob edel oder rustikal, Anna Buchholz erfüllt jeden Wunsch.
Ob edel oder rustikal. Anna Buchholz erfüllt jeden Wunsch. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

In den Produkten sei immer noch Zucker, aber ein natürlicher Geschmack sei ihr besonders wichtig. Schließlich sind Torten – wie alle anderen Süßwaren – ja keine Grundnahrungsmittel, sondern zum bewussten Genuss da, denke ich bei der Verabschiedung. Denn wie sagt Charlie so schön: »Süßigkeiten müssen keinen Sinn haben. Deshalb sind sie Süßigkeiten…«

Weitere Informationen zu »Torten kreativ«

 

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