Doreen Mildner vom Blumengeschäft Blütenzauber.

»Blütenzauber – Kreativ & Mehr« – ein Treffpunkt zum Plausch

Mein Weg durch die Wolfenbütteler Altstadt endet heute »unten« auf der Langen. Kurz hinter der Okerstraße stehe ich vor »Blütenzauber« und bewundere schon vor der Tür frische Pflanzen, bunte Gestecke und viele Sachen für den Garten. Ich treffe mich mit der gut gelaunten Inhaberin Doreen Mildner und bin gespannt darauf, wer eigentlich hinter dieser »zauberhaften« Idee steckt.

Von der Breiten Herzogstraße komme ich mindestens einmal in der Woche an diesem Teil der Fußgängerzone vorbei. Am Wochenende stöbere ich gern in dem Zeitschriftenladen an der Ecke zur »Neuen Straße«. Dann gehe ich am türkischen Supermarkt mit seiner frischen Auslage vorbei und bleibe wenige Meter danach auf der anderen Seite stehen. Hier lädt mich der Laden »Blütenzauber« bereits vor der Tür zum Entdecken ein.

Schon vor der Ladentür gibt es für den Kunden viel zu entdecken.
Blütenzauber gibt es vor der Ladentür und dahinter. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Schnell hole ich mir von Richter noch ein trockenes Brötchen auf die Hand, bevor ich rein gehe. Kauend stehe ich zwischen duftenden Kräutern vor der Tür, die in kleinen Schalen angeboten werden. Da begrüßt mich schon die blonde Geschäftsfrau mit einem offenen Lachen: »Ganz in Ruhe aufkauen! « Überrascht habe ich Mühe mich zu bedanken und antworte, dass wir einen Termin haben. Doreen Mildner lacht freundlich weiter: »Oh, stimmt. Entschuldigung. An Sie hatte ich gerade gar nicht gedacht. Ich spreche meine Kunden immer so direkt an. «

Schöne Sachen und viel Kommunikation

Ich folge der fröhlichen Inhaberin in ihr Geschäft. Der kleine Blumenladen ist vollgefüllt mit schönen Dingen, Blumen und Sachen für den Garten. Er wirkt auf mich lebendig – wie ein Kommunikationsraum. Auf der linken Seite steht ein großer Vogelkäfig mit ihren Zwergpagageien. Dahinter fällt mir ein alter Schrank auf, der weiß angestrichen ist. »Mein Mann hat uns den Schrank schön gemacht«, strahlt Doreen Mildner. Die Papageien melden sich lautstark zu Wort. Davon angelockt steckt ein Kind den Kopf zur Tür herein und freut sich über die Tiere.

Neben dem Schrank stehen zwei Stühle und ein kleiner Tisch. »Ich habe frischen Kaffee gekocht«, bietet mir Doreen Mildner eine Tasse an, »Denn bei mir kommt immer jemand auf einen Plausch vorbei. « Und tatsächlich – noch während ich meinen Kaffee umrühre, bekommen wir Besuch von Martin Koj. Mit ihm hatte ich schon über sein Modegeschäft »Unik« gesprochen, das er zusammen mit Susann Hesse ein paar Meter weiter auf der Langen führt. Er holt sich einen Becher mit Kaffee aus der Küche und wir sprechen kurz über die Innenstadt. Nach seiner Kaffeepause erfahre ich dann mehr über Doreen Mildner und ihren Blumenladen »Blütenzauber«. Eine echte Liebesbeziehung ist das Geschäft, wie ich bald erfahre. Und ihr Weg nach Wolfenbüttel ist sogar eine echte »Wendegeschichte«. Denn ohne die Grenzöffnung hätte die gelernte Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) ihren Mann damals bestimmt nicht kennengelernt.

Von Thiede nach Wolfenbüttel

Denn Doreen Mildner kommt aus Osterwieck. Ihre Familie stammt von der Küste aus Mecklenburg-Vorpommern. »Wenn ich Ostseeluft schnuppere, dann stellt sich bei mir sofort Tiefenentspannung ein«, bekennt sie. Ihr Mann ist Elektriker und kommt aus Salzgitter-Thiede. Nach der Geburt ihrer Kinder hat sie nicht mehr in ihrem alten Beruf gearbeitet und verschiedene andere Stationen ausprobiert. Einige Zeit arbeitete sie in einem Blumengeschäft. Dort ist die Liebe zu den Pflanzen entstanden. Ein eigenes Blumengeschäft stand schon lange ganz oben auf ihrer Wunschliste. Da ihre Eltern Gastronomen sind, war für Doreen Mildner die Selbstständigkeit nicht unbekannt. »Als ich mit meinem Mann durch die Wolfenbütteler Innenstadt geschlendert bin, sind wir in der Fußgängerzone zufällig auf ein kleines Geschäft gestoßen, das nicht besetzt war«, erzählt sie mir. Ihr Mann habe sie dazu ermuntert, es mit einem eigenen Betrieb zu versuchen. »Er hat mich in allem unterstützt, was ich gemacht habe«, freut sie sich. Das betrifft den Ladenausbau ebenso wie viele andere kleinen und großen Dinge. Seine Hilfe hat zu dem Erfolg ihres Unternehmens beigetragen.

Ein Herz mit dem Wort Danke wird bei Blütenzauber verkauft.
Bei Blütenzauber gibt es viele große und kleine Dinge. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Wolfenbüttel ist so schön…

Schon bald vergrößerte sie sich und zog in ein benachbartes Geschäft um. »Das Ganze hat sich ganz langsam entwickelt«, erklärt sie mir ihren Erfolg. Von Anfang an ist es ihr wichtig gewesen, Kontakt mit Nachbarn und Kollegen zu halten, sich abzustimmen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen. »Ich finde unser Wolfenbüttel schön und kann mir das ständige Nörgeln nicht mehr anhören. Wir müssen einfach mal sehen, was wir hier alles haben«, vertritt sie ihre Meinung nachdrücklich. Das Argument »geht nicht« zählt für sie nicht. Sie selbst hat ihr Geschäft inzwischen bis über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt gemacht. »Wir sind viel auf Hochzeitsmessen in der Region und haben immer mehr Kunden, die unser Angebot und unsere persönliche Beratung zu schätzen wissen«, erzählt sie mir selbstbewusst. Natürlich machen auch ihrem Betrieb Billiganbieter und das Internet zu schaffen. Die Antwort darauf darf aber nicht Entmutigung sein, warnt sie. »Ich werde auf jeden Fall in der Innenstadt bleiben. Denn ich glaube daran, dass Wolfenbüttel auch als Einkaufsstadt eine Zukunft hat«, sagt sie entschlossen. Schon seit 2013 organisiert sie deshalb aus Überzeugung gemeinsam mit anderen Einzelhändlern jährlich das Rosenfest in Wolfenbüttel. Am 4. August 2018 findet es bereits zum sechsten Mal in der Fußgängerzone zwischen der Okerstraße und der Breiten Herzogstraße statt. Doreen Mildner ist engagiert und überzeugt davon, dass gerade dieser Teil der Einkaufsmeile viel besser ist als sein Ruf. Um selbst konkurrenzfähig zu bleiben, möchte sie sich zukünftig verändern. Ihr Plan: Die Eröffnung eines Blumencafés. Diese Idee hat sie schon seit zwei Jahren und bereits viele Kontakte geknüpft um ihr neues Konzept umzusetzen. Aber es ist nicht einfach in der Innenstadt das passende Geschäft dafür zu finden…

Doreen Mildner und Ihre Mitarbeiterin Tanja Schmidt.
Doreen Mildner und Ihre Mitarbeiterin Tanja Schmidt. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Ein Blumencafé

Trotz ihrer Motivation würde Doreen Mildner der Geschäftswechsel doch schwerfallen. »Ich mag meine Kollegen in diesem Teil der Fußgängerzone und finde, dass wir gut zusammen halten«, lobt sie ihr Umfeld. In diesem Moment kommt ihr Nachbar vom Yavuz Schlüsseldienst mit einem Ball unter dem Arm herein. »Jetzt müsste er wieder halten«, meint er lächelnd. »Meine Tochter hat den Ball in die Rosen gebolzt«, berichtet mir Doreen Mildner. »Yavuz ist echt klasse. Er macht alles was möglich ist«, versichert sie mir. Kurz darauf kommt ihre Mitarbeiterin aus der Mittagspause zurück. Als ich mit ihr ins Gespräch komme, geht es ebenfalls um das Blumencafé: »Wir könnten selbst gemachte Marmeladen anbieten. « Doreen Mildner ergänzt, dass außerdem viel Platz benötigt wird, um die vielen schönen Dinge für den Garten aufzubauen: »Mein Lager ist so groß, dass ich unseren Kunden nur wenig zeigen kann«.

Bei der Verabschiedung stehen wir noch lange zusammen, tauschen Rezepte aus und ich bewundere aufmerksam die Kräuterauslage mit ihr. Doreen Mildner zeigt mir ein Cola-Kraut, das ich verblüfft zwischen den Fingern reibe. »Wegen der Kräuter kommen die Kunden sogar aus Braunschweig zu mir«, verrät sie mir stolz. Der Kontakt zum Kunden ist für Doreen Mildner immer wichtig. Sie gibt Kurse zum Binden von Kränzen und tauscht sich auch auf der Straße mit anderen Blumenfreunden aus. Natürlich hat sie dabei immer einen guten Rat zur Hand. Ich werde das nächste Mal nicht nur wegen der schönen Auslagen kurz bei Blütenzauber verweilen, sondern auch zu einem kleinen Plausch mit der immer gut gelaunten Inhaberin vorbei gucken. Erst recht, wenn aus dem schönen Laden ein blumiges Café geworden ist.