Kanu auf der Oker

Natur entdecken im Nördlichen Harzvorland – Eine Kanutour nach Wolfenbüttel

An einem Samstagmorgen im August startet mein Paddelabenteuer. Von Schladen nach Wolfenbüttel soll es gehen, mit dem Kanu auf der Oker. 18 km ist diese Strecke lang, ein ganz schönes Stück. Als Unterstützung nehme ich meinen Freund mit, mal sehen, wie wir uns schlagen. Das Wetter ist als sonnig und sehr warm angekündigt, perfekt für den Trip. Für den Weg nach Schladen nehmen wir den Zug. Besser gesagt, den Schienenersatzverkehr, auf der Strecke finden Gleisarbeiten statt. Aber auch das klappt prima, 20 Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt kommen wir in Schladen an und laufen vom Bahnhof nur ein paar Meter zum Startpunkt unserer Tour.

Olaf Schäfer von Canadier-Touren & TeamTandem ist bereits da und lädt mit einer anderen Gruppe schon Kanus vom Anhänger. Als alle da sind, beginnt er mit der Einweisung. Er erklärt uns die richtige Paddeltechnik, den Streckenverlauf und was passiert, sollten wir doch mal kentern. „Das ist mit diesen Booten aber sehr unwahrscheinlich”, beruhigt er. 

Olaf Schäfer erklärt den richtigen Umgang mit dem Boot.
Olaf Schäfer erklärt den richtigen Umgang mit dem Boot © Luisa Drews, Stadt Wolfenbüttel

Ahoi!

Außer uns zwei starten noch zwei andere Gruppen, eine davon hat sich sogar vorgenommen bis nach Braunschweig zu fahren und eine Nacht im Jugendgästehaus in Wolfenbüttel zu verbringen. Dort ist seit diesem Jahr auch ein Steg. Dieser ist unser Ziel für heute. Ausgestattet mit Schwimmwesten, Paddeln und einem wasserdichten Packsack tragen wir unseren Canadier hinunter zum Wasser und steigen am Steg ein. Ich nehme auf der hinteren Bank Platz, damit ist das Lenken meine Aufgabe.

In Schladen fahren wir zuerst an der Zuckerfabrik vorbei, sind aber schnell aus dem Ort raus und werden vom Nördlichen Harzvorland empfangen. Auf dem ersten Teil der Strecke geht es durch Wiesen- und Weideland. Kurz hinter Schladen können wir schon die erste Sehenswürdigkeit auf der Route entdecken: Auf einem Hügel thront die Kaiserpfalz Werla. Auch hier ist eine Anlegestelle und wir machen einen kurzen Stopp, damit ich ein Foto schießen kann. Noch sind wir aber gar nicht weit gekommen, deshalb geht es gleich weiter.

Kaiserpfalz Werla thront über dem Nördlichen Harzvorland
Die Kaiserpfalz Werla thront über dem Nördlichen Harzvorland © Luisa Drews, Stadt Wolfenbüttel

Kurze Zeit später halten wir erneut, aber diesmal unfreiwillig. Die Oker ist diesem Abschnitt sehr flach, und obwohl das Boot nicht viel Tiefgang hat, sind wir auf Grund gelaufen. Also heißt es wohl aussteigen und das Boot an der flachen Stelle vorbeiführen. Zum Glück ist es warm, und Wasserkontakt habe ich bei der Schuhwahl schon mit eingeplant. Die Oker geht mir hier nur bis zum Knöchel. Bei der Gelegenheit tauschen wir auch die Plätze. Mein Begleiter ist etwas genervt davon, dass wir immer vom Kurs abkommen, wenn ich Fotos mache. Na gut, vorn hat man eh einen besseren Blick. An einer Brücke treffen wir auf zwei Angler, die wir vorsichtig umschiffen. 

Kühe an der Oker
Wir werden kritisch beäugt. © Luisa Drews, Stadt Wolfenbüttel

Kurz danach sehen wir schon von weitem eine weitere Brücke. Die wird allerdings seit einigen Jahren nicht mehr befahren, und auch das Betreten ist nicht erlaubt. Fotografieren ist aber nicht verboten, und durch die symmetrischen Formen ergeben sich hier spannende Blickwinkel. Hier war ich vor ein paar Wochen schon einmal mit dem Rad, kann euch also auch die Landperspektive zeigen.

Wie auf Safari

Schon von Beginn an, bin ich begeistert von der Tierwelt, die wir am Wasser entdecken. Mein Freund schmunzelt schon, wenn ich ihm aufgeregt eine besonders schöne Libelle zeige, die gerade vorbeifliegt, den vorbei schwimmenden Enten “Hallo” sage oder verzweifelt versuche, die Eisvögel zu fotografieren. Meine Begeisterung für alles mit Fell, Federn oder Flügeln kennt er ja schon. 

Eine Libelle auf meinem Knie
Eine Libelle landete sogar auf meinem Knie © Luisa Drews, Stadt Wolfenbüttel

Erster Teil geschafft

Nach einer Weile taucht Börßum auf der rechten Uferseite auf (oder Steuerbord, wie es unter den Seeleuten heißt 😉 ). Wer sich die ganze Strecke ab Schladen nicht zutraut, kann hier einsetzen, dann sind es nur noch 13,5 km bis nach Wolfenbüttel. Kurz danach wird es allerdings direkt etwas aufregend. Ein unverkennbares Rauschen kündigt die erste der drei Stromschnellen an. Drei Stück mit nur wenig Abstand sind es. Aber auch hier hat uns Olaf Schäfer wertvolle Tipps mit auf den Weg gegeben. Vorher sollte man auf die Knie gehen, damit der Schwerpunkt möglichst tief im Boot ist und in der Mitte des Flusses bleiben. Im Video aus dem letzten Jahr könnt ihr euch einen kleinen Eindruck der Stromschnelle machen. 

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Danach wird es wieder ruhiger und bei uns macht sich der Mittagshunger bemerkbar. Von früheren Radtouren weiß ich, dass es bei Dorstadt einen Steg gibt. Damit motiviere ich meinen Mit-Paddeler noch ein paar Meter durchzuhalten. Hier steht auch eine Bank, ideal für eine Stärkung und ein kurzes Durchatmen. 

Mittagspause in Dorstadt
Mittagspause in Dorstadt © Luisa Drews, Stadt Wolfenbüttel

Kanu Umsetzen in Hedwigsburg

Jetzt ist es nur noch ein kleines Stück bis nach Hedwigsburg. Dort müssen wir das Kanu umsetzen, ein Wehr versperrt die Weiterfahrt. Diese Wiese eignet sich ebenfalls gut für eine Pause, aber wir hatten unser Mittag ja schon und wollen weiter. Wir ziehen das Kanu aus dem Wasser und tragen es ein Stück über die Wiese. Olaf Schäfer hat uns den Tipp gegeben, nicht gleich den ersten steilen Weg ans Wasser zu nehmen, sondern noch ein paar Meter weiter zu gehen. Da geht es besser, wir bekommen aber wieder nasse Füße. Von hier aus kontaktiere ich auch telefonisch den Kanuverleiher, damit er weiß, wann er in Wolfenbüttel mit uns rechnen kann. 

Wehr in Hedwigsburg
Das Wehr in Hedwigsburg versperrt uns den Weg, darum steigen wir hier wieder ins Wasser © Luisa Drews, Stadt Wolfenbüttel

Ab hier sitze ich wieder am Steuer auf der hinteren Bank. Kurvenreich mäandert die Oker in Richtung Wolfenbüttel. Am Ufer wachsen hohe Pappeln. Hier müssen wir auch an der Windmühle Bungenstedter Turm vorbeikommen, aber sehen tun wir sie nicht. Das Ufer ist einfach zu hoch. Leider ziehen auch Wolken auf und wir bekommen bei Halchter ein paar Tropfen Regen ab. Aber auch das geht vorbei und ist bei der Wärme eine willkommene Abkühlung.

In Halchter kommen wir an einem weiteren Steg vorbei. Diesen erreicht man auch bei einem kurzen Paddelausflug, wenn ihr euch zum Beispiel ein Kanu beim Stadtbad Okeraue leiht. Auch hier findet ihr eine Bank für eine gemütliche Pause. 

Wir erreichen Wolfenbüttel

Auf der anderen Flussseite taucht schon der Wolfenbütteler Ortsteil Linden auf. Stadteinwärts passieren wir den Gutspark Linden. Auf der Strecke in den Okerauen treffen wir sogar auf einen Biber, der in den Seerosen sitzt und an etwas knabbert. So schnell kann ich leider kein Foto machen, aber vielleicht habt ihr ja bei eurer Paddelrunde auch Glück und entdeckt einen. Kurz darauf bin ich schon wieder damit beschäftigt eine Entenfamilie zu fotografieren und vernachlässige das Lenken. Ein verzweifelter Ruf von meinem Freund macht mich darauf aufmerksam, dass wir geradewegs auf eine Stand-Up-Paddelerin zusteuern. Upps. Gemeinsam schaffen wir es, Schlimmeres zu verhindern. Zum Glück bleibt sie stehen und nimmt es mit Humor. Den neuen Steg an der Lindenhalle nutzen gleich mehrere SUP-er als  Startpunkt, sodass ein kleines bisschen mehr los ist, nachdem wir in den letzten Stunden fast allein waren. 

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Kurz darauf teilt sich die Oker. Rechts ginge der Weg weiter, wenn man zum Okerpiraten oder sogar bis nach Braunschweig möchte. Wir biegen dagegen links ab, in Richtung des Jugendgästehauses. Weiter geht es auf diesem Weg allerdings nicht mehr, das Auguststädter Wehr macht diese Route zu einer Sackgasse. Wir passieren den Wohnmobilstellplatz und den Kanuverleih des Stadtbads.

Fluss Oker mit Kanus an Land und Wohnmobilen im Hintergrund
Absolute Idylle ©Donata Sengpiel-Schröder, Stadt Wolfenbüttel

Danach fließt die Oker durch einen dunklen Tunnel. Wegen der Spiegelung sieht es aus, als würde man durch eine komplett runde Röhre fahren. Irgendwie faszinierend. 

Jetzt geht es mit dem Kanu in den Tunnel
Jetzt geht es in den Tunnel © Luisa Drews, Stadt Wolfenbüttel

Jetzt kommen wir noch am Bahnhof vorbei, und danach wird es noch mal richtig grün um uns herum. Die Bäume des Seeliger Parks am Ufer, und die Seerosen auf dem Wasser lassen uns wie in einen Dschungel eintauchen. Im Park können wir die Seeliger Villa durch die Bäume erspähen und wir sehen einen der Disc Golf Körbe, der gefährlich nah am Wasser steht.

Die Villa Seeliger von der Oker aus
Die Villa Seeliger von der Oker aus © Luisa Drews, Stadt Wolfenbüttel

Ankunft am Jugendgästehaus

Dann sehen wir die rote Fassade des Jugendgästehaus durch die Bäume schimmern. Geschafft! Auf der linken Flussseite hinter der Brücke in Richtung der Sporthalle befindet sich der neue Steg, den wir jetzt ansteuern. Kaum haben wir angelegt kommt auch schon Olaf Schäfer auf uns zu und hilft uns, das Kanu aus dem Wasser zu ziehen. Mit einem Schwamm wischen wir das Kanu aus und mit vereinten Kräften heben wir es auf den Kanuanhänger. Wir haben die Strecke in fünfeinhalb Stunden bewältigt, laut Olaf Schäfer ist das etwa die übliche Zeit, man könne es aber problemlos auch ruhiger angehen. 

Anlegesteg am Jugendgästehaus Wolfenbüttel
Wir haben es geschafft! Hier legen wir an und ziehen das Kanu aus dem Wasser! © Stephanie Angel

Wir sind jetzt schon etwas kaputt, aber die Tour war eindeutig machbar, auch wenn man nicht so viel Muckis in den Armen hat 😉 .

Wir sammeln am Bahnhof unsere Räder wieder ein und gönnen uns beim Eiscafé Martini noch eine Kugel dunkles Schokoladeneis. Das haben wir uns jetzt verdient!

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