SUP-Instructor Andreas

Stand-up Paddling (SUP) nach Feierabend – macht das Spaß?

Stand-up Paddling (heute kommen wir leider nicht ohne englische Begriffe aus), oder auch kurz SUP genannt, beschreibt einen neuen Sporttrend, der auch unsere Oker in Wolfenbüttel schon seit längerem erreicht hat. Geboren, wie scheinbar alles, was mit Surfbrettern zu tun hat, ist das SUP auf Hawaii. Dort werden die SUPs von Surfern an wind- und wellenlosen Tagen mit Hilfe des Paddels genutzt, um nicht gelangweilt am Strand liegen zu müssen.

Ich habe aber auch von einem Weltenbummler und SUP-Verleiher an der Ostsee erfahren, dass die SUPs dort auch zum Wellenreiten eingesetzt werden. Dank eines Paddels kommt man einerseits besser über die Wellen raus aufs Meer und andererseits gibt es dann beim Abreiten der Welle wiederum mehr Stabilität. So, so.

Nach soviel Theorie habe ich mich auf den Weg gemacht und bin gemeinsam mit Andreas Cukrowski von Brettsport.de für euch aufs Wasser gegangen. Andreas ist zugelassener und geprüfter SUP-Instructor, ein sympathischer Typ und die Ruhe selbst. Gute Voraussetzungen also, um mir etwas beizubringen, habe ich doch seit 1989 den Windsurfschein in der Tasche und denke, dass ich mich auskenne. Noch dazu bin ich jahrelang aktiv Kajak gefahren. Was soll da noch passieren?

Hier erfahrt ihr jetzt, ob sich eine Feierabendtour auf der Oker lohnt. Viel Spaß beim Lesen!

Der Camper von Brettsport.de

Erstes Mal Stand-Up Paddling – Wie kam es überhaupt dazu?

Am 19. Juni war es soweit. Wir hatten wieder einen Fotospaziergang organisiert, um mit anderen Fotoenthusiasten diesmal auf den Spuren des „Wassers in der Stadt“ der gemeinsamen Fotoleidenschaft zu frönen und gleichzeitig ein paar schöne Aufnahmen für die sozialen Medien zu bekommen. Dabei haben wir auch angeboten, bei Interesse mit den SUPs von Brettsport.de aufs Wasser zu gehen. Leider war ich dann am Ende der Einzige. Alle andere haben sich für die „Landbegehung“ entschieden, was ich aber beim Blick auf die dicken Kameras der Teilnehmenden durchaus verstehen kann. Meine kleine DXOone kann ich mir hingegen gut mit dem wasserdichten Gehäuse umhängen.

Mit dem Kompressor das SUP aufpumpen
Mit Kompressor geht es leichter

SUP-Start – ein „mörder“ Aufwärmtraining

Zusammen mit Andreas bin ich in seinem feuerroten Camper gegenüber unserer Feuerwehr, wo Brettsport.de ansässig ist, gestartet. Dabei haben wir erstmal alles Material in den Bus verladen und zack, keine 10 Minuten später lag alles bereits sauber ausgepackt am Ufer der Oker. Als Start und Ziel hat Andreas das Juliusstädter Wehr an der Fischtreppe ausgewählt, direkt gegenüber unserer Floßstation „Oker-Pirat“. Und jetzt ging das Aufwärmtraining los. Während ein Kompressor sich brav mühte, eines der Boards auf die benötigen 18 PSI aufzupumpen, mühten Andreas und ich uns abwechseln mit der mechanischen Pumpe am anderen.

Das ging erstaunlich schnell und war durch das Abwechseln auch nicht ganz so anstrengend. Ins Schwitzen kommt man aber schon und die Muskeln sind gleich gut aufgewärmt. Das die Boards aufgepumpt werden ist ein toller Vorteil, den ich als ehemaliger Surfer sehr zu schätzen weiß. Mit 18-20 PSI sind die Bretter sprichwörtlich „bretthart“ und lassen sich dennoch sogar in einem Rucksack per Rad oder mit den Öffis transportieren.

Nachdem die Boards aufgepumpt sind werden hinten unter dem Heck noch die Finnen eingesetzt. Die sorgen dafür, dass die Boards geradeaus fahren. Außerdem bindet man sich das Brett mit einer Fußfessel, auch Leash genannt, an ein Bein. Das sorgt beim Fall ins Wasser dafür, dass man sich nur um das Paddel sorgen muss und das SUP nicht weg kann. Danach haben wir uns sportlich umgezogen und ich habe mir für meine „Generalprobe“ sicherheitshalber Badesachen angezogen. Wer weiß, wie oft ich reinfallen werde?

SUP-Instructor Andreas
SUP-Instructor Andreas

Wann geht es endlich aufs SUP?

Badesachen an, Kamera um und ab aufs Wasser! Pustekuchen! Zuerst wird mal das Paddel auf die richtige Körpergröße eingestellt. Aha, logisch. Aber jetzt! Nö! Jetzt ist erstmal ein Trockenkurs dran. Allgemeine Erklärungen zur Paddeltechnik für Anfänger, dem Verhalten auf dem Board, Natur- und Umweltschutz und Sicherheit. Andreas denkt an alles und es macht Spaß, weil er es gut vermitteln kann. Als „Novize“ wäre mir vieles davon erst auf dem Wasser bewusst geworden und dann kann es auch schon mal zu spät sein.

Endlich, wir gehen aufs Wasser

So vorbereitet können wir nun endlich aufs Wasser gehen. Es kommt mir seit unserem Start bei Brettsport.de wie eine kleine Ewigkeit vor, dabei haben wir nur etwas mehr als 30 Minuten gebraucht.

Als Anfänger bietet es sich an, erstmal kniend zu beginnen. Dadurch ist der Schwerpunkt niedriger und man kann sich in Ruhe an das SUP gewöhnen. Da es im Stehen aber irgendwie schon cooler aussieht, mithin wir etliche Zuschauer haben und ich hier nicht wie Sancho Panza auf seinem Esel hinterher trotteln mag, stehe ich bereits nach gut 20 Metern auf. Ich stehe wackelig aber ich stehe, Heureka. Die ersten Meter begleiten mich Tipps von Andreas zur richtigen Paddeltechnik „… weiter vorn einstechen“, „… geh mal mehr in die Knie“ und „… das Paddel nur bis zu den Füßen durchziehen“ sind mir danach allgegenwärtig, nur mit der Umsetzung hapert es noch. Aber, was soll ich sagen, es klappt gefühlt bereits super. Okay, ich vermesse mit meiner Fahrtechnik die Oker von links nach rechts nach links usw. aber ich fahre. Also wechsele ich regelmäßig die Paddelseiten und so bleibe ich immer besser in der Spur.

Ein SUP auf dem Wasser

Zeit, um mal nach links und rechts zu gucken

Wir paddeln so dahin und mir wird wieder mal bewusst, wie viel anders man seine Umgebung bzw. die Stadt vom Wasser aus wahrnimmt. Wie viel ruhiger das Leben von hier erscheint. Die allgegenwärtigen Geräusche der Stadt werden ausgeblendet oder dringen sehr gedämpft an meine Ohren. Vielmehr ist es das leise Säuseln des Wassers, das Gluckern beim Einstechen und Durchziehen des Paddels. Das leichte Plätschern des Wassers am Board. Da sind plötzlich andere Dinge, die ich wahrnehme. Hier die Vögel in den Bäumen, dort ein Eichhörnchen oder die Hunde, die auf der Wiese toben.

Kajak-Fahrer kreuzen unseren Weg

Der Wohnmobilstellplatz versteckt sich in malerischem Grün

Die Oker mäandert ganz gemächlich gen Süden und nach jeder Kurve gibt sie uns neue Einblicke. Die alte Reithalle, heute Tanzschule am Park erscheint genauso gemächlich wie der Kanuclub oder die Dreilindenbrücke. Nach der nächsten Kurve taucht unser wunderbarer Wohnmobilstellplatz am Stadtbad Okeraue auf. Malerisch, wie schön sich die Anlage in die Natur einbettet. Kein Wunder, dass der Stellplatz im letzten Jahr zu den Top 3 in Niedersachen gehörte.

Hier könnt ihr übrigens auch Kanus ausleihen, wenn ihr Lust darauf habt. Kurz hinter dem Stellplatz wartet dann ein echtes Abenteuer auf uns: ein 80 Meter langer Tunnel mit zwei Röhren. Wegen des „Rechtsfahrtgebotes“ ist klar, welche Röhre wir nehmen. Dunkel wie ein Ofenrohr wirkt der Tunnel und zu den Seiten hin hat er auch nicht genug Kopffreiheit. Also wie gemacht für mich, um mein mittlerweile gutes Gefühl für das Board auf eine erste Probe zu stellen.

Der Tunnel unter der Straße ist 80 Meter lang

Am Ende des Tunnels ist Licht

Auch die Tunnel-Prüfung habe ich gut gemeistert und rufe mir ab und an immer mal wieder selbst ins Gedächtnis, nicht übermütig zu werden. So paddeln wir gemeinsam vorbei am Jugendfreizeitzentrum, der Hauptpost, dem Bahnhof und freuen uns bald über den Seeligerpark. Wie unglaublich grün unsere Lessingstadt ist, wird mir bei dieser Tour entlang der ehemaligen Wallanlagen aufs Neue verdeutlicht. Schön.

SUP-Instructor Andreas

Die Okerauen sind eine grüne Oase

Der Seeligerpark mit seiner markanten Villa

Da wir beide nichts Besseres mehr vorhaben und der Abend Spaß macht, beschließen wir vorbei am Jugendgästehaus bis zum Endpunkt der möglichen Tour am Auguststädter Wehr zu paddeln. Ganz in der Nähe ist übrigens der Laden von Andreas. Dabei erkunden wir auch gleich mal eine mögliche Stelle für einen Bootssteg am Jugendgästehaus, der in Planung ist. Wo wir halt schon mal da sind macht das Sinn und vom Wasser aus sieht die Sache immer anders aus. Wir entdecken eine tollen Ort und freuen uns darüber, check.

Dann zieht sich die Oker auf herrliche Art noch ein wenig bis zum Wehr, vor dem wir mit gebührendem Abstand lieber unsere Wende machen und den Rückweg antreten.

Das Auguststädter Wehr - Wendepunkt der Tour

Ein Schrebergartenparadies, zwei Wolters und beinah doch noch der Fall vom Brett

Entlang der Oker entdecken wir ein paar versteckte Schrebergärten mit Anschluss zum Wasser. Meine freundliche Nachfrage „… ob den der Grill schon an wäre“ wird prompt mit einer Einladung auf ein Bier quittiert. Das nehmen wir gern an uns machen eine Rast, dürfen uns die tolle Laube angucken und die Stille mitten in der Stadt genießen. Unser Gastgeber ist gebürtiger Kroate (Glückwunsch zum Fußball-WM-Sieger der Herzen) und ein sympathischer Typ. So genießen wir dann noch ein zweites Wolters-Bierchen zusammen und niemanden treibt die Eile. Irgendwann müssen wir doch alle weiter und verabschieden uns, irgendwo sieht man sich in Wolfenbüttel ohnehin bald wieder.

Der Schrebergarten an der Oker

„Don‘t drink and paddle“ kommt mir nun ein abgewandeltes Zitat aus dem Straßenverkehr in den Sinn. Das Besteigen meines Boards funktioniert aber prima und mir fällt erstmal der sprichwörtliche Stein vom Herzen. Dann begehen wir aber – wie wir später vom Oker-Piraten Michael Stier erfahren- einen Fehler: wir nehmen die rechte der beiden Tunnelröhren. Links ging auf der Hinfahrt alles gut und so denken wir über das „Rechtsfahrgebot“ gar nicht nach. Das rächt sich am Ende des Tunnels, wo eine recht kleine Verblockung unsere Finnen blockiert. Geübt, wie Andreas ist meistert er das Problem mit seinem SUP ohne Probleme. Mich hingegen haut die abrupte Vollbremsung erstmal auf die Knie aber zum Glück nicht ins Gerümpel im Wasser. Schwein gehabt. Durch meinen Stunt ist allerdings meine Finne frei. Doppelt Schwein gehabt.

Die dunkle, rechte Tunnelröhre

Mein Fazit: Stand Up Paddling ist ein tolles Training für die Beinmuskeln und Entspannung für die Seele

Die letzten Kurven der Oker vergehen viel zu schnell und so endet unsere Tour nach etwas mehr als zwei Stunden (inkl. 30 Minuten Pause) wo sie begonnen hat. Wir reinigen das Material, lassen die Luft aus den SUPs und verstauen alles im Wagen. Das war es, für mich aber nur für heute! In den Folgetagen merke ich nämlich, wie gut das Stehen auf dem SUP meine Muskulatur in den Beinen gefordert und gefördert hat. Aufgrund meiner kaputten Knie tat das richtig gut. Und die Natur und Ruhe waren Balsam für die Seele.

Ich empfehle euch auf jeden Fall einen Kurs oder eine Tour mit Andreas. Termine dazu findet Ihr auf seiner Webseite. Für unsere gemeinsame Tour sage ich von Herzen DANKE und freue mich auf ein nächstes Mal.

Nachtrag: ich habe es wieder getan

Zwei Wochen später ging es für mich mit der Familie an die Ostsee. Dort habe ich 1x alleine eine zweistündige SUP-Tour auf der Wakenitz (bei Lübeck, Nebenfluss der Trave) und 1x am Strand „Gold“ auf Fehmarn mit der Familie ge-SUPt. Das glasklare Wasser der Ostsee war ein Träumchen und hier bin ich sogar gern zur Erfrischung vom Brett gesprungen. Sogar unser Mops ist mal mitgefahren. Das war ein Spaß für uns alle aber unter dem Strich finde ich das Paddeln auf Flüssen spannender als in einer Bucht.

Welche Erfahrungen habt Ihr bereits gemacht und welche Tipps und Streckenempfehlungen könnt ihr geben? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Stand Up Paddling in Wolfenbüttel

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