Portraitbild Sabine Umunna

»Kaffeezeit« – ein Begegnungsort – nicht nur für „Alternative“

Das »Kaffeezeit« ist ein besonderes Café auf der Okerstraße. Verwöhnt werden dort nicht nur Freunde des veganen Essens. Die Qualität der Zutaten aus organischem Anbau ist die Grundlage.

Vegan wird normal

»Kaffeezeit« ist ein Café, wie ich es aus meiner Studienzeit in Göttingen kenne. Das erste Mal habe ich dort an einem heißen Sommertag eine Apfelschorle getrunken.

Sitzbereich vor dem Kaffeezeit
Das KAFFEEZEIT auf der Okerstraße lädt zum Verweilen ein. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Draußen sitze ich in Sabine Umunnas Einkehr »ganz normal«. Natürlich habe ich in der Karte Begriffe wie »vegan« gesehen. Aber, was vor ein paar Jahren noch sehr exotisch war, hat inzwischen längst die Mitte der Gesellschaft erreicht.

Ökologisch und nachhaltig

Bei meinem Treffen mit Sabine Umunna nehme ich zum ersten mal bewusst die besondere Atmosphäre des Cafés wahr. »Alternative« heißt ja eigentlich nur »andere Möglichkeit« – also das Gegenteil von normal.

Das bedeutete in den 80er-Jahren vor allem ökologisch und nicht in den ausgetretenen Pfaden der früheren Generationen zu wandeln.

Bei Sabine Umunna ist nicht nur das »Kaffeezeit« alternativ, sondern gleich ihr ganzer Lebensweg. Sie kommt aus Wolfenbüttel und ging zum Theodor-Heuss-Gymnasium.

Für die Statistik ist sie eine Schulabgängerin. Das Leben zeigte ihr jedoch Wege, was alles ohne diese Institution geschafft werden kann.

Flaschenhals einer "Viva con Agua" Flasche
Bei der Auswahl der Produkte zählt für Sabine Umunna vor allem Qualität und Nachhaltigkeit. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Die Suche

Nach der zehnten Klasse hatte sie keine Lust mehr auf die Schulbank und stürzte sich ins Leben. »Das war eine große Suche«, erinnert sich Sabine Umunna.

Die führte sie zuerst in den Erziehungsbereich an den Kindergarten am Kerschensteiner Weg. Dort probierte sie den Erzieherberuf aus.

»Ich merkte jedoch bald, dass das nichts für mich ist«, so Sabine Umunna. Vom beschaulichen und zu der Zeit etwas engem Wolfenbüttel, ging sie deshalb nach Braunschweig.

Inzwischen sagt sie, hätte sich ihre Heimatstadt toll entwickelt. Sie sei nun nicht nur schön, sondern weltoffen, meint sie. Damals fand sie diese Weite in der benachbarten Löwenstadt.

Erste Selbstständigkeit

Sabine Umunna hatte inzwischen einen Partner und Kinder. »Damals lebten wir alternative Lebensmodelle. Ich beschäftige mich mit dem Spinnen und Färben von Schafswolle und machte mich mit dieser Idee selbstständig«, erinnert sie sich. »Das hat mir viel Spaß gemacht.«

Und auch für gesunde Ernährung interessierte ich mich schon immer«, erzählt sie mir. Das sei die Zeit gewesen, als sie im »Guten Morgen Laden« in Braunschweig einkaufte oder bei »Ambrosia«.

Dort lernte sie Michael Beck kennen, dem sie in dessen Kornblume als Kundin noch heute treu ist.

Der zweite Bildungsweg

Nach der Zeit mit Wolle und Familie gab es nach der Trennung von ihrem damaligen Partner eine Zäsur im Leben, die vieles auf den Kopf stellte.

»Ich hatte den Impuls zu studieren und dafür begab ich mich nun freiwillig auf die Schulbank«, erzählt sie. Bei »Arbeit und Leben« in Braunschweig holte sie ihr Abitur nach, um nachträglich ihre Studienberechtigung zu erwerben. Dass sie dabei die richtigen Menschen getroffen hat, war ein Glücksfall.

Erziehungswissenschaften und Psychologie

»Ich kannte aus der ›Freien Schule‹ – dort, wo mein Kind hinging – ein Elternteil, einen Mathelehrer. Der war Dozent bei ›Arbeit und Leben‹ und mit ihm verstand ich endlich Mathe«, erzählt sie.

Das eröffnete ihr den Weg zum »richtigen« Abitur und damit zum Studium an der Technischen Universität. Eigentlich sollte es Psychologie werden. Tatsächlich studierte Sabine Umunna dann aber Erziehungswissenschaften – mit Psychologie im Nebenfach.

Nach dem Studienabschluss war sie in Wolfsburg in der Drogenberatung im Bereich Prävention tätig. Das machte ihr viel Spaß. Aber sie wollte den Weg noch weiter gehen.

»Ich wollte auch therapeutisch arbeiten«, so Sabine Umunna. Also schloss sie eine Ausbildung als Heilpraktikerin für Psychotherapie an.

Der Weg in die Therapie

»Das ist eine richtig gute Ausbildung. Ich habe dabei unter anderem gelernt zu differenzieren, welche Kunden psychochotherapeutisch behandelbar sind und welche ich besser an einen Arzt weiterleite«, resümiert sie.

Um ihr Spektrum an Möglichkeiten zu erweitern, ging sie konsequent auf den alternativen Wegen weiter: Ayurveda Massage, Qui Gong, Trommeln für die Seele. Für all diese Bereiche wurde sie Übungsleiterin und machte sich selbstständig.

»Der Ayurveda-Zeit verdanke ich heute noch gute Erfahrungen, die ich in das Café mit einbringen konnte«, lacht sie. Die Gewürze der fernöstlichen Heilmethode veredeln ihre mittäglichen Suppen, die sie anbietet.

Als ich da bin, gibt es eine Tomatensuppe. »Das Gemüse hole ich mir immer frisch vom Lindenhof auf dem Wolfenbütteler Wochenmarkt«, verrät sie mir.

Ein Teller mit Tomatensuppe
Tomatensuppe von frischen Tomaten vom Lindenhof. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Der Traum von einem eigenen Café

Die Zeit als Therapeutin sei sehr intensiv gewesen, sagt Sabine Umunna rückblickend. Jeden Tag habe sie Kurse gegeben – erst in Braunschweig im Ostviertel, wo sie damals wohnte. Dann, nach dem Tod Ihrer Mutter, im elterlichen Haus in Linden, das sie dafür extra umbaute.

Afrikanische Tischdecke
Sabine Umunna hat afrikanische Stoffe für die Tischdecke ausgesucht. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Eine schöne Zeit – aber schließlich sei wieder etwas Neues dran gewesen – ein Café. Mit einer Freundin habe sie ein Angebot im Frühstücksbereich für Veganer gesucht. Das erwies sich als schwierig. »Wir haben uns gefragt: Was wünschen wir uns selbst?«.

Vom Frühstück bis zur Kaffeezeit

Deshalb eröffnete sie zunächst ein afrikanisches Café in Wolfenbüttel. Nach kurzer Zeit hatte sie so viel Spaß an dieser Arbeit gefunden, dass sie ihr zweites Leben als Therapeutin erstmal beendete und sich auf das Projekt »eigenes Café« stürzte.

Der Tag fängt im »Kaffeezeit« mit einem guten Frühstück an. Hier ist für Veganer alles da, aber genauso für Allesesser. »Wer bei mir Schinken auf das Rührei haben möchte, bekommt das auch so«, verspricht sie.

Zentral – ob vegan oder tierische Produkte: Die Qualität müsse stimmen. »Ich habe mir regionale Zulieferer in allen Bereichen ausgesucht, die vernünftig und dem Tierwohl entsprechend wirtschaften«, erklärt sie.

Das ist ihr wichtig, aber auch ihrem Team. »Das sind lauter nette Frauen von der Fachhochschule hier in Wolfenbüttel und der Technischen Universität Braunschweig, die ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit haben«, schwärmt sie.

Sabine Umunna mit einer Mitarbeiterin.
Sabine Umunna mit einer Mitarbeiterin. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Das Café als Begegnungsraum

Demnächst soll es die erste Mahlzeit des Tages auch als Buffet geben. Von Taufgesellschaften bis zu Geburtstagen und Hochzeiten, habe sie schon fast alle Gruppengrößen gehabt.

Zum Mittag werden, wie gesagt, frisch zubereitete Suppen vorbereitet – mit guten Zutaten aus der Region und exotischen Kräutern. Auch die selbst gemachten Salate und Brotaufstriche würden von den Gästen geschätzt.

Dass das Café ein Begegnungsraum wird, wünscht sich Sabine Umunna. Hier finden Veranstaltungen statt, hier können sich Kunden zum Austausch über alle Themen treffen.

Regelmäßig werden im Café Bilder ausgestellt und Lesehungrige dürfen sich aus einem Bücherregal bedienen. Für Eltern mit Kindern ist in der »Kaffeezeit« ebenfalls gesorgt. Ein Mal-Tisch und ein Sofa sind in der oberen Etage – natürlich plastikfrei.

Der Käsekuchen ist ein Renner

Ob draußen oder drinnen – ab Nachmittag können die Gäste sich am reichhaltigen Kuchenbuffet laben. Ein Renner sei der Käsekuchen, den es mit Obst der Saison gibt. »Den muss ich oft nachbacken«, verrät Sabine Umunna.

Dazu gibt es Kaffeespezialitäten, Bio-Teesorten, Schorlen – kurz alles, was das Kaffeeherz begehrt.

Käsekuchen mit Beeren
Der Käsekuchen im KAFFEEZEIT ist ein Renner. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Um jüngeres Publikum in die Stadt anzulocken, gibt es am Donnerstag 10 Prozent Studenten-Rabatt.

Auch an einkommensschwächere Menschen denkt Sabine Umunna. Mit dem Löwenzahnprojekt kann jeder seine Rechnung aufrunden und einen Geldbetrag in einen Topf geben. So können sich Menschen, die sich sonst einen Cafébesuch nicht leisten können, einmal etwas Besonderes genehmigen.

Ein Projekt für die Lessingstadt

Sabine Umunna hat mit ihrem Café ein Projekt verwirklicht, das die Stadt auf jeden Fall bereichert. Die Hingabe, mit der sie daran arbeitet, sollte auch Menschen zum Probieren einladen, die sich vielleicht einem alternativen Lebensstil sonst nicht so verbunden fühlen.

Um etwas Neues kennenzulernen, gibt es vor Ort viel zu entdecken …

Weitere Informationen zu »Kaffeezeit«

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