Glenn Klemm von der Goldschmiede Glenn Klemm.

Unikate bei der »Goldschmiede Glenn Klemm«

Heute spreche ich mit dem Goldschmied Glenn Klemm in der Wolfenbütteler Innenstadt über seine faszinierende Arbeit. Ich besuchte ihn in seiner Werkstatt auf der Okerstraße 21a. In unserem Gespräch erfahre ich mehr über Granulierungstechniken, Ösen und Werkstoffe. Ich bin neugierig darauf zu erfahren, was für ein Mensch dieser Goldschmied ist, den ich als ruhig, geduldig und verständnisvoll lächelnd erlebt habe. Denn obwohl meine erste Begegnung mit Glenn Klemm schon einige Jahre her ist, erinnere ich mich trotzdem noch gut daran. Damals wollte ich von meinem ersten Honorar einen Ring für meine Frau machen lassen. Der Ring ist noch heute etwas Besonderes – nichts von der Stange. Und inzwischen ist das eine oder andere Schmuckstück hinzugekommen. Wir gehen nach der Begrüßung von der Werkstatt mit Atelier durch einen engen Flur nach hinten ins Büro. Dann erzählt mir Glenn Klemm konzentriert von seiner Geschichte, seinen Vorstellungen und seinen Ideen.

In den Vitrinen stellt Glenn Klemm seine Probestücke aus. Hier findet sich immer etwas Schönes.
Bei Glenn Klemm findet sich immer etwas Schönes. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

»Vor allem Geduld«

Glenn Klemm ist in Braunschweig geboren und wohnt seit seinem dritten Lebensjahr in der Lessingstadt. Bereits seit 1985 ist er als Goldschmied auf der Okerstraße selbstständig. Dort hat er sich mit seiner Goldschmiede vor mehr als 30 Jahren in einem kleinen Atelier mit Werkstatt niedergelassen. Die kleinteiligen Glasfronten, in denen er seine Schmuckstücke präsentiert, sind dem Fachwerk der Innenstadt nachempfunden und ergänzen den alten Charme der Architektur. Die Arbeitsfläche ist in warmen Ziegeltönen gefliest. Drei Arbeitsplätze, ein Amboss und ein Vitrinenschrank aus dunklem Holz schaffen eine heimelige Atmosphäre. Glenn Klemm ist ein besonnener Vertreter der Goldschmiedezunft. Ich frage nach, welche Voraussetzungen ein Goldschmied vor allem mitbringen muss, um seinen Beruf mit Spaß auszuüben. Er selbst hat als Meister bereits zwei Lehrlinge in seinem Betrieb ausgebildet und weiß deswegen genau, worauf es ankommt. »Vor allem Geduld!«, beantwortet er mir lächelnd meine Frage. » Aber auch der Sinn für Formen und die Gestaltung neuer Ideen in Gold, Silber oder anderen Werkstoffen«, ergänzt er noch. Alles andere, wie beispielsweise Werkstoffkunde oder handwerkliches Geschick, kann mit viel Fleiß erlernt werden. Dass er selbst den Beruf des Goldschmieds erlernen würde, das war allerdings Zufall.

Wechselfälle des Lebens

Schmunzelnd erinnert er sich an die letzten Jahre seiner Schulzeit zurück, in denen er sich selbst häufig die Frage nach seinem Berufswunsch stellte. Da Wolfenbüttel nicht weit entfernt zu der damaligen innerdeutschen Grenze liegt, hatte er zuerst die Idee, beim Bundesgrenzschutz zu arbeiten. Dass er schließlich aber nach einem Probetag seine Lehre als Goldschmied begann, hat er eigentlich seinem besten Freund zu verdanken. Dieser wurde vom Arbeitsamt nämlich zu einem Goldschmied geschickt, und merkte schon nach einem Tag, dass er für die Ausbildung in diesem Beruf nicht geeignet war. Davon erzählte er dann seinem Freund Glenn. Nach dem Motto: »Einer trägt des anderen Last«, arbeitete daraufhin Glenn Klemm am nächsten Tag zur Probe in der Wolfenbütteler Goldschmiede. »Die Hände taten mir danach so weh, dass ich zuerst eigentlich nicht wiederkommen wollte«, lacht er. Aber schon am nächsten Tag stand für den jungen Mann fest: Er lernt den Beruf des Goldschmiedes und keinen anderen. Zum einen hat ihn das Handwerk gereizt, aber auch die Arbeit mit den wertvollen Werkstoffen. So muss Liebe auf den ersten Blick aussehen. Der Wolfenbütteler Goldschmied erinnert sich noch gut an seine Lehrzeit: »Ich habe viel gelernt. Einige Techniken und Tricks musste ich mir aber heimlich abschauen, weil sie eigentlich ein Firmengeheimnis bleiben sollten. Insgesamt hat mich meine Ausbildungszeit wirklich positiv geprägt.«

Der geschmiedete Ring wird am Ende geschliffen.
Der letzte Schliff. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Immer wieder neue Herausforderungen

Ohnehin ist es so, dass dieser Beruf immer wieder neue Herausforderungen an den Goldschmied stellt. Obwohl Glenn Klemm bereits auf viele Berufsjahre zurückblicken kann, bekennt er mir gegenüber freimütig: »Natürlich wiederholten sich einige Vorgänge, und in vielen Dingen habe ich eine Gewohnheit entwickelt. Aber ich lerne heute immer noch dazu.« In seiner Ausbildung lernte er zuerst, eine Feile vernünftig zu halten. Dann war er schon froh darüber, eine gerade Kante zu feilen oder später beim Biegen von Ösen nicht die Geduld zu verlieren. Wenn Glenn Klemm über Materialien und Schmelzpunkte, über das weiche und harte Löten, über Granulierungstechniken oder über verschiedene Steine spricht, wird mir schnell klar, wie viel Fachwissen und Erfahrung dieser Beruf erfordert. Für seine Arbeit muss der Goldschmied nicht nur ein guter Handwerker und geschickter Künstler sein, sondern auch ein halber Chemiker. Glenn Klemm erklärt mir begeistert, wie das Verlöten von Elementen gleichen Stoffes gemacht wird – also Gold und Gold oder Silber und Silber. Die Beschädigung des Ausgangsmaterials wird verhindert, indem ein angereichertes Lot verwendet wird, das den Schmelzpunkt heruntersetzt. »Und doch muss ich immer auf der Hut sein. Wenn ich nur einen Moment zu lange die Flamme an den Werkstoff halte, kann alles verklumpen«, erklärt er mir mit Begeisterung. Deshalb kommt es als Goldschmied nicht nur auf gute Ideen an: »Es gibt Designer mit ganz tollen Ideen. Aber ich muss meinen Kunden oft auch klarmachen, welche Ideen ich umsetzen kann und welche nicht.« Goldschmiede müssen sich – bei aller Kunstfertigkeit – eben auch an die Naturgesetze halten.

Glenn Klemm arbeitet auch alte Schmuckstücke wieder auf.
Glenn Klemm arbeitet auch alte Stücke wieder auf. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Alles soll möglich sein

Dabei versucht Glenn Klemm für seine Kunden immer alle Wünsche möglich zu machen. Er erinnert sich an einen Armreif, der ihm von einer Kundin gebracht wurde. Es handelte sich um ein altes Stück, zu dem identische Teile gearbeitet werden sollten. »Ich habe schnell gesehen, dass da alte Techniken angewendet wurden, mit denen ich vorher noch nicht gearbeitet hatte. Da mussten kleine Kugeln ohne ein Lot aufgebracht werden«, erklärt er mir die Herausforderung. Wie in seiner Lehrzeit probierte der Goldschmied diese Technik aber erst an anderen, preiswerteren Materialien aus und wendete sie erst danach an den Reifen an. »Ich saß einen ganzen Urlaub daran und habe herumgetüftelt, aber am Ende hat alles geklappt und die Kundin war glücklich«, so Klemm. An seinem Beruf schätzt er besonders den Augenblick, wenn sein Kunde das gewünschte Schmuckstück glücklich in der Hand hält. »Gott sei Dank wusste ich nicht, vor welche Herausforderungen mich die Selbstständigkeit stellt«, lacht Glenn Klemm.

Aus dem Rohmaterial fertigt der Goldschmied tolle Einzelstücke.
Was daraus wohl werden mag? © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Der Weg in die Selbstständigkeit

Seine Lehrzeit absolvierte er in Wolfenbüttel. Hier besuchte die Berufsschule und war mir seinem Abschluss glücklich. Zur damaligen Zeit gab es die Wehrpflicht noch. Deswegen ging Glenn Klemm nach seiner Lehre zur Bundeswehr. Gleich für zwei Jahre. »Bei dem Uhrengeschäft Kaune in Wolfenbüttel wurde ein Goldschmied gesucht. Der erneute Berufseinstieg nach dieser Pause war aber gar nicht so leicht«, sagt er rückblickend. Er fühlte sich wie ins kalte Wasser geworfen, denn plötzlich stand er ohne Ausbilder allein in der Werkstatt, aber trotzdem entwickelte sich alles zu seiner Zufriedenheit. Neben der Arbeit besuchte Glenn Klemm noch die Meisterschule und legte schließlich seine Prüfung ab. So hätte es für ihn weitergehen können. Aber viele Betriebe wechselten vom klassischen Handwerk zum reinen Verkauf als Juweliere und sparten den sicher geglaubten Arbeitsplatz des Goldschmiedes ein. So passierte es auch Glenn Klemm. Deswegen wechselte er kurzerhand in die Selbstständigkeit und richtete sich zunächst eine Werkstatt in seiner ehemaligen Wohnung im ersten Stock auf der Langen Herzogstraße ein. Schließlich wagte er dann aber den großen Schritt und eröffnete seine »Goldschmiede Glenn Klemm« in den Räumen auf der Okerstraße. Die enge Verbindung zu seinem Beruf, gab ihm dabei die nötige Energie für die Umsetzung dieses Projektes.

Auch eine Möglichkeit: Ich verschenke einfach die Komponenten und der oder die Beschenkte darf sich dann die Gestaltung aussuchen.
Auch eine Möglichkeit: Ich verschenke einfach die Komponenten und der oder die Beschenkte darf sich dann die Gestaltung aussuchen. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

So, aber doch ganz anders

Die Leidenschaft für seinen Beruf motiviert ihn auch heute noch in seinem beruflichen Alltag. Er geht immer gern auf die Wünsche seiner Kunden ein. »Meine selbst entworfenen und produzierten Einzelstücke, stelle ich oft nur als Prototyp in den Vitrinen aus«, gibt er mir einen Einblick in die Arbeitsweise seiner Werkstatt. Oft wollen seine Kunden erst das, was sie in der Auslage sehen. Aber im gemeinsamen Gespräch werden häufig Vorstellungen und Ideen rund um das Schmuckstück ergänzt, sodass am Ende doch wieder ein ganz anderes Schmuckstück hergestellt wird. Die Geduld, die Glenn Klemm beim Feilen, Biegen, Löten und Hämmern hat, stellt er auch oft im Kundengespräch unter Beweis. Mit seinen Kunden stimmt er sich geduldig über diverse Aspekte rund um das gewünschte Schmuckstück ab: Welche Form? Welches Material? Welcher Stein? … Goldschmiede sind gleichzeitig Künstler, Handwerker und Händler. Sie brauchen ein gutes Auge, ein offenes Ohr und eine geschickte ruhige Hand. Zum Ende unseres Gespräches verabschiede ich mich mit einem Auftrag bei dem kreativen Goldschmied und überlasse ihm zwei Bernsteine, die er zu Ohrringen umarbeiten soll. Ein Geschenk soll es werden. Die Steine sind wunderbar und ich bin davon überzeugt, dass er etwas Schönes daraus machen wird. Ich lasse ihm freie Hand und freue mich auf ein einzigartiges Ergebnis …