Thomas Leupold von Behrens Optik

Mit »Behrens Optik« den Durchblick behalten

Seit knapp 100 Jahren kommen Wolfenbüttelerinnen und Wolfenbütteler zur »Langen Herzogstraße 6«, um sich bei »Behrens Optik« eine Brille anzupassen. Ich besuche den Familienbetrieb.

»So, ich habe Ihnen Ihre Brille neu gerichtet«, erklärt Thomas Leupold, während er einem Kunden vorsichtig die Brille aufsetzt. Dann schaut er prüfend auf das Gesicht und hinter die Ohren. Danach nimmt er die Brille noch einmal ab, justiert erneut etwas, und die Prozedur geht von Neuem los.

Behrens Optik: Seit 1922 eine gute Adresse für gutes Sehen in Wolfenbüttel.
Behrens Optik: Seit 1922 eine gute Adresse für gutes Sehen in Wolfenbüttel. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Der Kunde freut sich. Anschließend sprechen sie über das Wetter und die anstehenden freien Tage. »Was muss ich bezahlen?«, fragt sein Gegenüber. Thomas Leupold nickt ihm freundlich zu: »Das ist ein Service des Hauses.«

Die Leupolds: ein eingespieltes Team

Als wir uns später im Verkaufsraum unterhalten, ist der Servicegedanke ein wichtiges Thema. Während ich mit Thomas Leupold an einem kleinen Tisch sitze, streift seine Frau Monika durch den Laden.

Thomas und Monika Leupold vor dem traditionsreichen Geschäft.
Thomas und Monika Leupold vor dem traditionsreichen Geschäft. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Dabei dekoriert sie ein bisschen hier, und ordnet ein bisschen dort. Immer wieder klinkt sie sich in das Gespräch ein, ergänzt und erläutert. Die Leupolds sind nicht nur ein gestandenes Ehepaar, sondern auch ein eingespieltes Team. Das spüre ich.

Aus Wolfenbüttel in Wolfenbüttel für Wolfenbüttel

Beide kommen aus Wolfenbüttel und haben im Betrieb »Behrens Optik« gelernt. Außerdem haben beide in Karlsruhe ihren Meister in Augenoptik gemacht.

Kennengelernt haben sie sich über die Schule und gemeinsame Freunde, berichtet das Paar. Dass Thomas Leupold Optiker werden würde, habe nie infrage gestanden. »Ich bin ja schließlich im Betrieb meines Vaters aufgewachsen und habe auch schon sehr früh ein Interesse für die Arbeit entwickelt«, meint er.

Bei Behrens Optik gibt es besondere Brillen.
Bei Behrens Optik gibt es besondere Brillen. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Familientradition seit 1922

Als sein Vater, Klaus-Jürgen Leupold, den Betrieb 1995 an den Sohn Thomas übergibt, sollte nun die dritte Generation in Sachen Augenoptik unterwegs sein.

Die Tochter von Thomas und Monika Leupold habe nichts mehr mit dem Handwerk zu tun. Aber sie helfe ihren Eltern in Marketing- und Computerfragen, erzählt mir der stolze Vater. »Das nimmt uns viel Last ab«, freut er sich. Gegründet wurde der Augenoptik-Betrieb 1922 von Wilhelm Behrens.

Turbulente Zeiten

Der Großvater von Thomas Leupold, Erich, stieg bei »Behrens Optik« ein und übernahm das Geschäft nach kurzer Zeit. Der Name Behrens sollte aber bestehen bleiben.

Ein Augenoptiker muss eine ruhige Hand haben.
Ein Augenoptiker muss eine ruhige Hand haben. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Erich Leupold verstarb früh. Deshalb führte zunächst seine Frau Eugenie und Tochter Jutta die Arbeit weiter. Danach übernahm Klaus-Jürgen Leupold das Steuer, nachdem er eine Ausbildung im väterlichen Betrieb absolviert hatte.

Keine Langeweile als Optiker

In dieser Zeit wurde das Geschäft umgebaut und modernisiert. »Im Grunde muss ich mich als Optiker bis heute weiterentwickeln und mit der Entwicklung gehen«, erklärt mir Thomas Leupold. Das sei der Grund, warum ihm auch nach 40 Jahre Beruf noch kein Tag langweilig geworden sei.

Damit er neue Erfahrungen sammeln konnte, arbeitete Thomas Leupold nach der Ausbildung in Wolfenbüttel in Wolfsburg und Karlsruhe. »Das hat mir entscheidende Impulse gegeben«, meint er.

Modefragen und Beratung

Auch Monika Leupold lernte im Hause, machte nach ihrem Mann die Meisterschule und beide teilen sich heute im Geschäft die Aufgaben auf.

Computergestützte Messtechnik sichert eine optimale Anpassung bei der Sehhilfe.
Computergestützte Messtechnik sichert eine optimale Anpassung bei der Sehhilfe. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Daneben gibt es drei feste Mitarbeiter und seit 2018 eine Auszubildende. Anne Benjamins, die heute nicht da ist, kümmert sich um Verkauf und Augenglasbestimmung. Sie ist die dritte Augenoptikermeisterin im Betrieb.

Thomas Leupold fasziniert vor allem die Vielseitigkeit seines Berufes. »Es ist immer noch etwas Handwerk dabei – wir schleifen jedes Brillenglas selbst ein. Dann sind die Modefragen wichtig, die Beratung und das Kaufmännische.

»Wir sorgen für gutes Sehen und Aussehen.«

Wichtig ist den beiden eine individuelle Betreuung der Kunden. »Wir sorgen für gutes Sehen und Aussehen«, wirbt Monika Leupold. Bei »Behrens Optik« würde ich Modelle finden, die es sonst bei den großen Filialisten gar nicht gebe.

Und schließlich würden viele Kunden feststellen, dass sie bei den Ketten am Ende gar nicht preiswerter wegkämen als beim inhabergeführten Einzelhändler. Deshalb würden sich Stammkunden ebenso einfinden wie Neukunden, die nach persönlicher Beratung suchen.

In der Augenoptik hat sich in den letzten 100 Jahren viel verändert.
In der Augenoptik hat sich in den letzten 100 Jahren viel verändert. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Der Trend ist retro

Übrigens finden Stamm- wie Neukunden hier alles, was bei einem Optiker gesucht wird: von Lupen und Lesehilfen, über Brillen, Augentropfen, allerlei Accessoires, bis hin zu Kontaktlinsen.

Die neuesten Trends werden oft auch bei Veranstaltungen im Geschäft gezeigt. Im Moment gehe die Mode ein bisschen in Richtung retro, verrät mir Monika Leupold: »Die siebziger und achtziger kommen in der Mode zurück.«

Was passt zu wem?

Welche Brille zu welchem Menschen passe, das sei Intuition, meint Monika Leupold. Meist sei es so, dass die Kunden kämen und Vorschläge erwarteten. »Ich brauche eine Brille, was haben Sie denn da«, sei die Frage.

»In der Regel brauchen wir zwei, drei Modelle, und dann haben wir das Richtige gefunden«, lächelt die Augenoptikerin. Eine Brille wird schließlich jeden Tag getragen. Deshalb sei die Optik schon sehr wichtig, meint sie.

Sportbrillen bei »Behrens Optik«

Damit die Augen nicht beim Fahrradfahren austrocknen, gibt es die passende Sportbrille.
Damit die Augen nicht beim Fahrradfahren austrocknen, gibt es die passende Sportbrille. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Einen besonderen Service bekommen bei »Behrens Optik« vor allem die Sportler. In einem Windkanal können Sportbrillen getestet werden. »Es ist wichtig, dass die Augen nicht austrocknen. Das können die Sportler hier ausprobieren«, erklärt er mir.

Leupold zeigt mir einen Ventilator, der in die Wand eingelassen wird – ein kleiner Windkanal – und setzt sich zu Demonstrationszwecken eine schnittige Brille auf. Auch hier geht es nicht nur um Funktionalität, sondern genauso um Schick.

In der Werkstatt

Ulrike Hesse ist die Sportbrillen-Spezialistin im Betrieb. Sie führt mich über eine enge Wendeltreppe in den Werkstattbereich.

Dort misst Andreas Pfropper gerade Gläser aus. Der Kontaktlinsenspezialist ist seit 1982 hier, seine Kollegin seit 1975. Das Betriebsklima scheint also gut zu sein.

Ulrike Hesse zeigt mir die Schleifmaschine und erklärt, wie Brillengläser in den Rahmen kommen. Das demonstriert sie mir gleich an meiner eigenen Brille, die sie ganz nebenbei auch noch putzt. Service wird beim Optiker großgeschrieben.

Pflegetipps für Brillen

»Die feuchten Brillenputztücher sind nicht so gut für beschichtete Brillen«, rät sie mir. Am besten sei lauwarmes Wasser und ein Hauch Waschsyndet. Dann ein trockenes und sauberes Geschirrtuch, und ich könne nichts verkehrt machen.

Die Arbeit in der Optikerwerkstatt sei abwechslungsreich. »Zwar werden heute nicht mehr so viele Brillen wie früher repariert, aber es ist immer wieder spannend«, meint sie.

Unser Wolfenbüttel

Bei der Verabschiedung im Geschäft rede ich mit Thomas und Monika Leupold noch über unsere Heimatstadt. »Wir leben gern hier. Ich kaufe hier auch fast alles ein, und wir fühlen uns sehr wohl«, meint Monika Leupold.

Ihr Mann probiert währenddessen mit einer Kundin wieder eine Brille an. Die beiden liebten die Natur und würden viel Zeit für Freunde und Familie verwenden. Wolfenbüttel sei gerade groß genug zum Leben.

Die Fotogalerie im Schaufenster

»Wir haben ausreichend Angebote, um alles zu bekommen. Aber es ist so klein, dass wir viele Leute kennen. Hier fühle ich mich sicher und geborgen«, meint sie.

Bei der Fotoaufnahme machen mich die beiden vor der Tür auf ihre Galerie im Schaufenster aufmerksam. Jede Kundin und jeder Kunde wird mit seiner oder ihrer neuen Brille im Bild verewigt. Die Fotos hängen dann eine Zeit lang in der Auslage.

»Wir sind ein Gesundheitsberuf!«

»Behrens Optik« gibt es nun seit fast 100 Jahren. Und was sich an Technik auch verändert haben mag – Stammvater Erich würde das elektronische Messgerät, das die Sehstärke automatisch ermittelt, wie Zauberei vorkommen: Immer noch, wie seit 1922, geht es darum, dass den Menschen in ihrem Alltag geholfen wird.

Ob es sich ums Lesen handelt, ums Autofahren oder um die Arbeit am Computer. »Wir sind, bei aller Mode, immer noch ein Gesundheitsberuf, das ist mir sehr wichtig«, resümiert Thomas Leupold bei der Verabschiedung.

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