Julia Zehireva von Exquisites by Julia my fashion.

Exklusiv und neu – Mode bei »Exquisites von Julia«

Seit zwei Jahren gibt es auf der Okerstraße 7 ein besonderes Modegeschäft für Frauen. Julia Zehireva ist die Inhaberin und präsentiert in ihrem Geschäft »Exquisite« Modestücke. Von Bulgarien in die Lessingstadt war es ein weiter Weg für sie – und der Richtige, wie sie heute findet.

Das Geschäft mit der "exquisiten" Mode befindet sich in einem Fachwerkhaus auf der Okerstraße.
Auf der Okerstraße gibt es „exquisite“ Mode … © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Julia Zehireva ordnet ihre Sätze sorgfältig. »Wir haben uns in Bulgarien nicht mehr so wohlgefühlt. Deshalb sind wir nach Deutschland gekommen«, erzählt sie mir mit einem sehr sympathischen Akzent.

Ich kann kaum glauben, dass die studierte Ökonomin erst seit fünf Jahren in Deutschland lebt. »Zuerst konnte ich nur ›Guten Tag‹ und ›Auf Wiedersehen‹ sagen«, schmunzelt sie heute. Seit zwei Jahren ist sie in ihrer neuen Heimat angekommen. Als Unternehmerin ist Julia Zehireva selbstständig und hat ihr Schicksal in die Hand genommen.

Die Modepuppen im Geschäft tragen schon T-Shirts in bunten Frühlingsfarben und mit Blumenmuster.
Warten auf den Frühling. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Gerade macht eine Schülerin von der Leibniz-Realschule ein dreiwöchiges Praktikum bei ihr. Wir sitzen uns vor dem Verkaufstresen gegenüber. Julia Zehireva erzählt mir ihre Geschichte und sucht dabei manchmal geduldig nach den passenden Worten.

Verliebt in Deutschland

Dass sie nach Deutschland gekommen ist, sei wohl Schicksal. »Ich hatte in der Schule Englisch und Russisch als Zweitsprache. Aber in ein englischsprachiges Land hat es mich dennoch nicht gezogen«, erinnert sie sich.

Die ganze Familie hat mitgemacht, als das neue Geschäft eingerichtet wurde.
Die ganze Familie hat mitgemacht, als das neue Geschäft eingerichtet wurde. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Schuld daran, sei die Liebe, meint sie. Eine, die ihre Sehnsucht nach dem Land in Europas Mitte bei ihr entfacht habe. »Als Studentin war ich bei einer Konferenz. Da habe ich einen tollen Mann aus Deutschland getroffen«, berichtet sie. »Damals gab es noch kein ›Skype‹ oder ›WhatsApp‹. Das war ein bisschen schwieriger als heute«, schmunzelt sie.

Auch, wenn trotz persönlicher Begegnungen und vieler Briefe der Kontakt irgendwann eingeschlafen war: Ihre Verbindung zu Deutschland blieb. Später reiste Julia Zehireva in die Metropolen Hamburg und München und war sofort begeistert. Das seien großartige Städte, und sie habe dort viel erlebt, meint sie.

Die deutsche Sprache lernen

Dass sie ausgerechnet nach Niedersachsen zog, lag an ihrer Cousine. »Meine Cousine ist hier schon seit einiger Zeit als Augenärztin tätig, und sie hat uns damals nach Wolfenbüttel eingeladen«, blickt sie zurück.

Bunte Farben udn tolle Stoffe machen Lust zum Stöbern.
Lust zum Stöbern. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Obwohl die Sprache ihr noch fremd war, sei ihr von Anfang an klar gewesen, dass sie mit ihrem Mann nach Wolfenbüttel ziehen will. Natürlich sei der Weg vom ersten Integrationskurs und dem Erwerb eines B-1-Sprachzertifikats zuerst schwer gewesen. »Ich habe die B-1-Prüfung geschafft, aber traute mich trotzdem erst mal nicht zu sprechen«, räumt sie ein.

Ihrer Tochter fällt das Sprechen so leicht, schwärmt sie. Bei dem zweiten Kurs hatte sie sogar das Gefühl, sie wird die deutsche Sprache wahrscheinlich nie lernen. Denn unsere Muttersprache hat wirklich ihre Tücken: Von den Artikeln angefangen, bis hin zum komplizierten Satzbau.

Das eigene Modegeschäft

Aber ihre Zweifel waren unbegründet und sie fing in einer Raststätte an zu arbeiten. »Es war für mich total ungewohnt. Ich musste plötzlich deutsch sprechen und richtig körperlich arbeiten. Aber ich habe mich durchgebissen«, meint sie stolz.

Auf dem Eingangsschild zum Laden steht "geöffnet". Julia Zehireva wünscht sich viele neugierige Kundinnen.
Julia Zehireva wünscht sich viele neugierige Kundinnen. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Recht schnell wurden ihr zwei Dinge klar: Zum einen, dass sie ein Talent zum Verkaufen hat und zum anderen, dass sie auf jeden Fall selbstständig arbeiten wollte. Ein Modegeschäft in Wolfenbüttel zu eröffnen sei das Ergebnis langer Überlegungen gewesen.

»Ich kann Bilanzen lesen und mit Zahlen umgehen. Vor allem aber habe ich gesehen, dass es in Deutschland eine Lücke gibt. Oft gibt es in der Mode gute Qualität. Die ist aber sehr teuer. Oder es ist preiswert, und dann ist die Qualität nicht so gut«, erklärt sie mir ihre Gedanken. »Bulgarien ist zwar kein reiches Land, aber Mode hat bei uns eine hohe Bedeutung«, so Julia Zehireva.

Mode aus Bulgarien

Das war auch schon fast die zündende Idee für ihr Geschäftskonzept: Gute Mode aus ihrem Heimatland, die sie nach und nach durch Messebesuche mit deutschen Marken, die etwas Besonderes hatten, komplettierte.

Mit Mode aus Bulgarien hat alles angefangen.
Mit Mode aus Bulgarien hat alles angefangen. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Während wir sprechen, kommt eine ältere Dame in den Laden. Sie trägt einen leuchtend roten Poncho, hat weiße Haare und lacht freundlich. Mit dabei hat sie ein Stück Torte, das sie ihrer Freundin Julia mitgebracht hat. »Sie ist seit Kurzem Stammkundin geworden«, erzählt mir Julia Zehireva gerührt. So sei das schon oft gewesen.

Die Kundinnen, die neugierig das Angebot eleganterer Damenmode in Augenschein nehmen, kämen oft wieder. »Ich würde mir nur wünschen, dass noch mehr Frauen einfach mal reinschauen. Denn es ist für mich eine unglaubliche Motivation, Menschen glücklich zu machen, die mit schöner Kleidung aus dem Laden gehen«, erklärt sie mir lachend.

Hier gibt es auch rote Lederhandtaschen.
Alles, was zur Frauenmode gehört. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Für jede Altersklasse

Sie verdanke ihren Kundinnen viel. Denn in den Gesprächen, in denen es oft auch sehr schnell um persönliche Dinge gehe, habe sie die deutsche Sprache erst so richtig gelernt. Zwar fehle ihr gelegentlich noch die richtige Vokabel, aber Julia Zehireva ist optimistisch. »Wenn ich mit einer Kundin gemeinsam nach einer passenden Bluse suche, entwickelt sich fast immer ein gutes Gespräch, in dem ich selbst auch weiterkomme«, meint sie.

Auf dem Tisch liegen modische Shirts in der Frühlingsfarbe "Blau".
Auf der Suche nach den neuesten Trends. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Dabei sei es ganz egal, ob eine zwanzigjährige Kundin mit ihren Wünschen käme oder eine achtzigjährige. »Wir haben für alle Altersklassen etwas und zu jedem Anlass – ob es für einen Theaterbesuch oder für ein Hochzeitsfest ist«, verspricht sie. Dass sie vor nunmehr zwei Jahren in Wolfenbüttel ihr Geschäft eröffnet hat, bereut Julia Zehireva nicht.

Der Glücksbringer

»Ich fühlte mich hier in der Stadt richtig wohl und von allen herzlich aufgenommen«, meint sie. Vorne im Laden auf einem Regal blüht eine Orchidee. Auf die hatte mich Julia Zehireva bereits am Anfang des Gesprächs aufmerksam gemacht. Die sei ein Geschenk zur Eröffnung gewesen, berichtet sie.

Eine weiße Orchidee dekoriert das Geschäft und ist für die Inhaberin ein Glücksbringer.
Die Orchidee ist ein Glücksbringer. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

»Das hatte für mich eine hohe emotionale Bedeutung und die Pflanze ist für mich ein kleiner Glücksbringer«, meint sie sichtlich gerührt. Ein Glücksbringer für ihr Projekt, besondere Mode für die Wolfenbütteler Frauen anzubieten. Um hier in diesem schönen Laden zu stehen, war es ein weiter Weg: von Bulgarien bis in die Lessingstadt, vom ersten Wort bis zum ersten Verkaufsgespräch, von der Suche nach einem passenden Ladenlokal bis zur gemeinsamen Renovierung mit der ganzen Familie.

»Mein Mann hat hier fast alles gemacht«, berichtet sie. Und auch sie könne ja ein kleines bisschen stolz darüber sein, was sie bisher geschafft habe. Ich kann ihr aus vollem Herzen zustimmen.

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