Wantan im »Viet-Thai« Restaurant Wolfenbüttel.

»Viet-Thai«: Fernöstliches auf dem Teller

Denver und ich waren wieder einmal unterwegs. Unser heutiger Auftrag: Gastlichkeit in Wolfenbüttel im »Viet-Thai« zu genießen und darüber zu sprechen.

Die zweite Station der Wolfenbütteler Gastronomie-Tour führt Denver und mich in den Großen Zimmerhof. Wir sind neugierig auf das, was uns erwartet…

Fernöstliches auf dem Teller in der Lessingstadt.
Fernöstliches auf dem Teller in der Lessingstadt. © Denver Künzer

Thailändische Küche

Essen gehen ist ja ein bisschen wie Urlaub. Als Gast werde ich bedient, statt vor und nach dem Tafeln in der Küche zu stehen. Mein fotografierender kulinarischer Gefährte hat deshalb auch heute einen Auftrag.

Wir sind beim Viet Thai angemeldet. Ich hatte schon vor Wochen bei Narong Duangay einen Tisch bestellt. Als ich einen Tag vorher bei ihr nachfrage, ob alles in Ordnung sei, bekomme ich ohne Zögern ein »Natürlich« zur Antwort.

Direkt neben dem neuen Löwentor liegt seit 17 Jahren das »Viet-Thai«.
Direkt neben dem neuen Löwentor liegt seit 17 Jahren das »Viet-Thai«. © Denver Künzer

Neugierde beim Essen

Narong Duangay, das wird uns später bei der Bestellung auffallen, hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis.

Nachdem wir unsere Vor-und Hauptspeisen nebst Getränken geordert haben und sie anschließend gleich noch drei weitere Tische bedient, sind wir uns einig: Wir hätten spätestens am Küchenpass die Hälfte der Bestellungen vergessen.

Doch der Reihe nach. Essen gehen ist ein bisschen wie verreisen. Auch deshalb natürlich, weil ich ganz andere Eindrücke mitnehmen kann.

Bier mit deutschen Wurzeln aus Fernost.
Bier mit deutschen Wurzeln aus Fernost. © Denver Künzer

Nun soll es ja Menschen geben, die sogar in fernen Ländern am liebsten Schnitzel mit Pommes zu sich nehmen. Wir beide sehen das jedoch so: Die Neugierde überwiegt bei uns vor der Gewohnheit, wenn es um den Gaumen geht. 

Bier aus Asien

Allerdings bin ich, zugegebenermaßen etwas zaghafter. Jedenfalls, was die fernöstliche Küche angeht. Die arabische Küche liebe ich inzwischen – und damit ist nicht der »Döner mit alles« gemeint.

Was Thailand, Vietnam oder China betrifft, überwog die Skepsis. Deshalb waren meine Gefühle zunächst ein wenig zwiespältig. Deswegen hätte ich das »Viet-Thai« wohl eher nicht besucht.

Die Vorspeise ist serviert: Wantan…
Die Vorspeise ist serviert: Wantan… © Denver Künzer

Denver dagegen ist Feuer und Flamme. Er hat sogar einmal Japanisch gelernt, wie er mir erklärt, während wir unser Bier mit den fernen Schriftzügen probieren. Denver hat ein Bier aus dem chinesischen Tsing-Tao – ich eines aus Thailand. 

Was bitteschön ist »Nuoc Man-Sauce«?

Wir probieren voneinander – beide Biere sind mild, süffig und schmecken. Der Gastraum ist hell. An den Tischen sitzen, so scheint es uns, vor allem Stammgäste, die sehr zielsicher zugreifen.

Ich, wenigstens, bin etwas unsicher, was ich nehmen soll. Gut, »Cha Gio Chai« sind offenbar Frühlingsrollen. Aber was bitteschön ist »Nuoc Man-Sauce«?

... oder Frühlingsrolle.
… oder Frühlingsrolle. © Denver Künzer

Während Denver schnell bei den gebackenen Wantan ist, die mit einer süß-sauren Sauce gereicht werden sollen, muss ich mich erst erkundigen, worum es sich bei »Nuoc Man« handelt.

Narong Duangay erklärt mir geduldig, dass es sich um Sauce handelt, die auf einer Fischfondsgrundlage gekocht werde. »Während die Chinesen lieber eine Soja-Sauce bevorzugen, ist bei uns die Fischsauce erste Wahl«, verrät sie mir. 

Die thailändische Küche entdecken

Ganz am Anfang, vor 17 Jahren, als sie das Restaurant übernommen hatte, sei thailändisches oder vietnamesisches Essen noch für viele Wolfenbüttelerinnen und Wolfenbütteler ungewohnt gewesen, schmunzelt sie. »Aber mit der Zeit sind unsere Gäste immer mutiger geworden«, so ihre Erfahrung.

Als sie dann später die Vorspeisen serviert, trägt sie gleich noch eine mildere Sauce auf. Falls mir die Gewählte zu scharf sei.

Es ist angerichtet…
Es ist angerichtet… © Denver Künzer

Bei der Hauptspeise gibt es nur ein kurzes Ringen. Beide würden wir Ente bevorzugen. Aber schließlich hatte ich im »Ratskeller« das letzte Mal nicht das Wiener Schnitzel bekommen. Denver zeigt sich großzügig.

Ich bin mutig und nehme eine knusprige Ente mit grünem Curry Gemüse und Kokosmilch. Das Ganze werde im Feuertopf gereicht, verspricht die Karte und sei scharf.

Leicht und aromenreich

»Wie scharf«, frage ich. Nicht so sehr, beruhigt mich Narong Duangay. Denver nimmt gebackenes Huhn in Erdnusssauce. Und dann speisen wir.

Das Gespräch wird ruhiger, die Gaumenfreuden treten in den Vordergrund. Bei der Vorspeise wird wieder gegenseitig probiert. Die Saucen sind scharf, aber angenehm. Jedenfalls für uns. 

Wir genießen beide unsere Menüeröffnung. Ich stelle fest, die thailändische Küche ist leicht, jedoch sehr aromenreich. Das zeigt sich bei der Hauptspeise umso mehr.

Das grüne Curry entfaltet schon eine gute Schärfe, die aber durch die Kokosmilch abgemildert wird. Auch Denver ist mit seinem Hühnchen gut bedient. Er gönnt mir also die Ente.

Frische Zutaten im »Viet-Thai«

Das Ganze ist für mich, nicht nur weil so etwas wie Bambus verarbeitet ist, absolut ungewohnt. Aber mit jedem Bissen wird der Geschmack vertrauter.

Denver ist geübter, er schwelgt von der ersten Gabel an. Wir haben uns europäisches Besteck geben lassen. Unsere mutigen Tischnachbarn hantieren ziemlich geschickt mit Stäbchen.

Im »Viet-Thai« wird mit frischen Zutaten gekocht.
Im »Viet-Thai« wird mit frischen Zutaten gekocht. © Denver Künzer

Was ich sofort merke: Hier werden frische Zutaten verwendet. Sogar Denver fragte eingangs nicht einmal nach den für ihn unverträglichen Stoffen. »Asiatische Küche vertrage ich eigentlich immer«, meint er zuversichtlich. Und diese Zuversicht wird sich bestätigen. Das Gemüse ist frisch und alles sehr lecker.

Gute Portionen im »Viet-Thai«

Allerdings muss ich auch ein guter Esser sein, um die Portion zu schaffen. So gut wie alles geschmeckt hat: Am Ende passt kein Dessert mehr. Das wird das nächste Mal probiert.

Da würde ich mir dann mit meiner Begleitung eine Vorspeise teilen. Lediglich mit dem Reisschnaps wird sich Denver wohl nicht anfreunden.

Denver macht sich auch gut als Kellner.
Denver macht sich auch gut als Kellner. © Andreas Molau

Er hatte ihn schon nicht so in Erinnerung, dass er zu seinen Lieblingsabsackern gehören würde. Aber neugierig wie er ist, bestellte er nochmal und noch tapferer leerte er das Glas bis zur Neige.

Geschmack ist eben wirklich eine sehr subjektive Sache. Nicht zuletzt deshalb bin ich mit Urteilen vorsichtig.

Gastronomie als Herzenswunsch 

Bei der Verabschiedung reden wir eine ganze Weile mit Narong Duangay, für die Gastronomie ein Herzenswunsch war. In München hatte sie bereits Erfahrungen machen können, bevor sich hier in der Lessingstadt der Traum vom eigenen Restaurant erfüllen sollte.

Die ganze Familie, so erzählt sie, würde am Gelingen des Unternehmens beteiligt sein. Frisch und authentisch solle das Essen sein, meint sie. Den Tofu etwa stellt sie selbst her.

Die Freunde guten Essens in Wolfenbüttel quittieren diese Arbeit mit einer anhaltenden Treue. Auch beim Neubau des Löwentors, das die Familie als direkter Nachbar sehr intensiv mitbekommen hat, seien die Gäste trotz Baustelle kaum ausgeblieben, freut sich Narong Duangay.

Thailändische und vietnamesische Küche kommt in Wolfenbüttel gut an.
Thailändische und vietnamesische Küche kommt in Wolfenbüttel gut an. © Denver Künzer

Umso froher ist sie, dass das große Bauprojekt nun bald abgeschlossen ist.

Kulinarische Empfehlungen

Schließlich haben wir, so denke ich, auf jeden Fall eine neue Leserin in der Rubrik Gastlichkeit genießen gewonnen. Narong Duangay fragt uns bei der Verabschiedung, wo wir gern Deutsch essen würden.

Die beste Antwort darauf gibt es natürlich bei »echt lessig«. Denn den nächsten Restaurantbesuch visieren Denver und ich schon an. 

Und unsere thailändische Gastgeberin wird die neue Empfehlung als erste bekommen. So können wir uns für einen schönen Abend wenigstens ein bisschen revanchieren.

Weitere Informationen zum »Viet-Thai« Restaurant

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