Denver Künzer von Denver's.

Eine Wolfenbütteler Marke: Denver’s

Ich besuche heute den vielseitigen Geschäftsmann Denver Künzer. In seinem »Denver’s Haus« in der Ringstraße im westlichen Wolfenbüttel fotografiert er in seinem Fotostudio, verkauft er Leckereien aus seinem Teeladen und stellt in seiner Brauerei leckeres Bier her. Neben seinem eigentlichen Job als Banker ist er außerdem eine »Ideen-Bank« für die Lessingstadt. Bei unserem Treffen erfahre ich mehr über den vielseitigen Inhaber.

Das Teehaus heißt jetzt Denver’s Haus.
Das Teehaus heißt jetzt Denver’s Haus. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Jedes Mal wenn ich durch die Wolfenbütteler Altstadt gehe überlege ich mir, welche spannenden Geschichten die Häuser um mich herumerzählen würden. Sie verändern sich durch die Menschen und stehen für Beständigkeit in Zeiten des Wandels. Alte Häuser entsprechen zwar nicht immer modernen Wohnvorstellungen, aber dafür haben sie eine Geschichte. Das »Denver’s Haus« in Wolfenbüttel ist weder das älteste in der Stadt noch architektonisch von Belang. Aber die Tatsache, dass es einen Namen hat, zeigt mir: Auf der Ringstraße 56a gibt es Stoff für eine Erzählung. Das Eckhaus mit seinem hohen, schmalen Giebel wirkt im blauen Sommerhimmel wie ein Schiff. Der Inhaber Denver Künzer hat dem Haus seinen Namen gegeben und steht wartend in der Tür. Er trägt eine Mütze, steckt seine Nase in Richtung Nachmittagssonne und begrüßt mich fröhlich. »Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll«, meint er etwas ratlos nach unserer Begrüßung. Und doch sprudelt er mit seinem Bericht los wie ein Wasserfall, als ich ihn frage, was es eigentlich mit seinem »Denver’s Haus« auf sich hat und wie alles begann.

Am Freitagnachmittag steht die Tür für die Kunden auf.
Am Freitagnachmittag steht die Tür für die Kunden auf. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Die Konstante Denver Künzers

Das »Denver’s Haus« ist momentan ein Teeladen in dem Feinkost, Dekosachen und selbst gebrautes Bier verkauft wird. Außerdem ist es ein Brauhaus mit Braukeller und es ist auch ein Fotostudio. »Irgendwann sind meine Frau und ich an diesem leerstehenden Haus vorbeigefahren und haben uns sofort in den Standort verliebt. Früher war hier ein Frisör drin«, erinnert sich Künzer. Wir stehen inzwischen in seinem Teelanden. Kleine Tische und Stühle laden zum Verweilen ein. Hier hat erst kürzlich ein Braukurs stattgefunden. In den Regalen stehen viele Teesorten. »Hier im Laden ist gerade viel im Umbruch«, erklärt er mir und beginnt seine Führung durch das Haus. Mit dem Tee hat seine Selbstständigkeit angefangen. Aber bevor er sich selbstständig gemacht hat besuchte er das Gymnasium im Schloss und begann nach der Schule seine Ausbildung. »An dem Tag, als ich durch das Abitur gefallen bin, hatte ich meine Lehrstelle bei der Bank in der Tasche«, lacht er. Eine Konstante im Leben von Denver Künzer ist der Gegensatz: Während er einerseits flexibel seine vielfältigen Interessen verfolgt, ist er gleichzeitig auch ausdauernd und beharrlich, wie zum Beispiel bei seiner Arbeit in der Bank.

Stier oder Zwilling?

»Ich bin zwar Stier, aber zeitlich eigentlich schon im Sternzeichen des Zwillings geboren«, erklärt er mir. Vielleicht kann er sich deshalb nie nur auf eine Sache konzentrieren. Schule war die eine Sache – Zauberei eine andere. Angefangen hat er mit kleinen Kartentricks. Während und nach der Schulzeit hatte er zeitweise jedes Wochenende eine Zauber-Veranstaltung. Denver Künzer liebt die Bühne und spielte auch Theater, aber irgendwann suchte er nach neuen Hobbys. Derzeit ist »Tee« ein wichtiges Hobby für ihn: Er und seine Frau haben ihn zuerst in ihrer Wohnung gelagert und in der Nachbarschaft angeboten. »Kurze Wege, das war für mich schon immer ein wichtiger Gedanke. Warum nicht einfach nebenan einkaufen?«, so Künzer. Obwohl das Geschäft gut lief, entstand gleichzeitig aus seinem zweiten Hobby ein weiteres berufliches Standbein. Über eine Holztreppe gehen wir in den ersten Stock des Hauses. Hier steht eine Garderobe, wie ich sie von Theatern aus Filmen kenne: Ein großer Spiegel, links und rechts viele Glühlampen, Schminke auf dem Tisch, daneben hängen Fotos. Auf der rechten Seite der Etage hat Denver Künzer sein Fotostudio mit zwei Leuchtschirmen und einer Sitzecke für Fototermine eingerichtet. Auf der anderen Seite lädt eine Sitzgruppe zum Besprechen ein.

Im Fotostudio steht eine Garderobe und ein Schminktisch parat.
Die Garderobe im Fotostudio. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Viel Zeit für die Aufnahmen

»Eigentlich hat sich das Ganze fast von allein entwickelt«, überlegt Denver Künzer mit einem Lachen. Er hat schon immer gern fotografiert und sich deshalb gute Kameras gekauft. »Ich höre oft: Wer eine gute Kamera hat kann auch gut fotografieren«, schmunzelt er. So hat er wahrscheinlich seinen ersten Auftrag bekommen: Aktfotos. Für die Aufnahmen lieh er sich eine Blitzanlage. Die Ergebnisse waren so ermutigend, dass sich Denver Künzer weiter mit der Fotokunst beschäftigte: Bücher, Seminare und vor allem neue Aufträge. »Ich bin da reingerutscht«, gesteht er mir. Er fotografierte Gegenstände und verkaufte die Bilder über das Internet. Besonders gerne fotografiert er aber Menschen. Sie so darzustellen, dass sie nicht nur lachen, sondern auch sie selbst sind, das ist immer wieder eine Herausforderung. »Bei jedem Termin wird gesagt: „Ich kann vor der Kamera nicht lachen.“«, meint er. Durch ein lockeres Gespräch gelingt es ihm aber immer, seine Fotomodelle geschickt abzulenken und gelungene Fotos zu machen. Ob Bewerbungsfoto oder Fotoserie – Denver Künzer nimmt sich immer viel Zeit, damit am Ende das »richtige« Foto dabei ist. »Auch bei Bewerbungsfotos gibt es bei mir nicht nur fünf oder sechs Bilder. Fotografiert wird, bis es passt«, erklärt er mir sein Vorgehen. »Was oft unterschätzt wird ist die Arbeit danach. Das Auswählen oder Bearbeiten der Fotos ist mindestens so zeitintensiv, wie das Fotografieren selbst«, gibt er zu bedenken. Sein Fotostudio teilt er sich inzwischen mit einer Kollegin. Auf dem Weg nach unten bleibt Denver Künzer an fast jedem Bild kurz stehen und erzählt mir jeweils eine interessante Kurzgeschichte dazu.

Denver Künzer denkt nach.
Sinnt Denver Künzer über neue Projekte nach…? © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Verführerischer Duft aus dem Keller

Schließlich kommen wir an der Kellertür an. »Bitte den Kopf einziehen«, warnt er mich, während er mit schnellen Schritten um die Ecke biegt. Schon auf den ersten Stufen rieche ich den bekannten Duft von Bier. »Hier entsteht mein Braukeller«, strahlt Denver Künzer und beschäftigt sich gleich mit ein paar Flaschen, die im Flur stehen. Ein paar Kisten reifen hier in dem kühlen Keller. Denver greift sich eine durchsichtige Probeflasche aus der Kiste und hält sie prüfend gegen das Licht. Das Landbier sieht bereits lecker aus: etwas heller als Waldhonig. Ein Druckmesser zeigt zwei Bar und verrät, dass in den Flaschen alles in Ordnung ist. Ich bedaure, dass die Reifung noch dauert, denn sein Landbier trinke ich besonders gern. Eigentlich wollte er nur ein Bier zum Selbsttrinken haben, von dem er keine Kopfschmerzen bekommt. »Industriebier wird meistens mit Hopfenextrakt gebraut. Damit sich das Aroma auslöst, wird Chemie verwendet, die Kopfschmerzen macht«, fasst er seine Motivation kurz zusammen.

Das fast fertige Landbier wird gegen das Licht gehalten.
Das Landbier: Bald ist es fertig. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Alles von Hand

In seinem kleinen Gärkeller entsteht gerade das Praetorius-Altbier. Die Hefe sorgt für den leckeren Duft. Denver Künzer reguliert die Klimaanlage etwas herunter, damit die Hefe optimal wirken kann. Im Prinzip braut er den Sud von 70 Litern wie beim ersten Mal. Statt auf computergesteuerte Technik vertraut er auf Uhr, Kochlöffel und Thermometer. »Brauen erfordert viel Genauigkeit«, erklärt mir der Banker. Eigentlich wurde der Gerstensaft nur für den Eigenverbrauch hergestellt. Dann kamen die ersten Anfragen von Freunden und Bekannten. Und da setzte sich bei Denver Künzer doch wieder der Zwilling durch. Unerwartet wurde schließlich auch aus seinem dritten Hobby eine weitere Berufung. Meistens ist sein Bier schon nach wenigen Tagen verkauft. Auch über die Tourist-Information der Stadt ist das Praetorius-Alt erhältlich. Weil er der Nachfrage nicht standhalten kann, möchte er zukünftig die Biermenge auf 140 Liter verdoppeln. Neben seiner Arbeit in der Bank sind die Handabfüllung und das Etikettieren der Bierflaschen dann gerade noch zu schaffen. »Aber dann darf nichts Unvorhergesehenes passieren«, lacht er. Deshalb wird (vorläufig) auch kein ein weiteres Hobby mehr dazu kommen. Denn dem kreativen Kopf ist auch sein Privatleben sehr wichtig.

Netzwerker und »echter« Wolfenbütteler

Natürlich hat er durch seine Selbstständigkeit nur wenig Freizeit. Die genieße er dafür aber intensiv. Besonders wichtig ist Denver Künzer die Verbindung zu seiner Stadt Wolfenbüttel. Er ist zwar in Salzgitter Thiede aufgewachsen, aber spätestens durch seine Schulzeit im Schloss ist er zum »echten« Wolfenbütteler geworden. »Die Stadt ist einfach nur schön und inspiriert mich für meine Arbeit neben der Arbeit«, sagt er überzeugt. Er sucht sich immer wieder neue Verbindungen und schließt sich mit anderen kreativen Köpfen aus der Lessingstadt zusammen. Bei seinem Braukurs sorgt der Röber Gourmetmarkt für die leibliche Verpflegung seiner Teilnehmer. Jetzt entwickelt er neue Ideen mit dem Asse-Griller Thorsten Nowak, der inzwischen über die Grenzen der Stadt mit seinem »Jailhouse Cooking« bekannt ist. Deswegen glaube ich nicht, dass im »Denver’s Haus« nicht doch noch Platz für eine weitere Idee ist. Egal was dieses Haus auf der Ringstraße schon erlebt hat, für die Zukunft wird es sicherlich noch viel Spannendes mit Denver Künzer erleben.

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