Sommerfrische in Wolfenbüttel

Früher fuhr man in die Sommerfrische – heute genießt man die Frische des Sommers. Nein. Damit meine ich jetzt nicht die frischen Temperaturen. Sondern ich meine diese herrlich frischen Sachen, denen man überall begegnet.

Frisches Gemüse, frische Kräuter, frische Getränke, saftiges Obst…

Wolfenbüttel war ja früher eine Gärnterstadt

Weit über 100 Gärtnereien bauten Gemüse an und versorgten alle mit Knollen und Salatköpfen. Heute ist davon leider nicht mehr viel übrig, aber wir haben uns mal auf die Suche gemacht und erforscht, wo man noch Spuren aus der Gärtnerzeit findet.

Als wir durch die Innenstadt streiften fielen uns nicht nur wieder die unzähligen Fachwerkhäuser mit ihren tollen Details auf. Sondern es sprang uns auch ein besonderes Blumenbeet ins Auge. Vor der Trinitatiskirche. Das sah ganz anders aus als andere Blumenbeete. Und wenn man genau hinguckt sind das auch keine Blumen. Da wächst Gemüse (bitte nicht selberernten, es handelt sich um ein Zierbeet). Mitten in der Stadt. Kein Wunder, denn dieses Beet befindet sich gleich neben dem Gärtnerdenkmal. Und da wird tatsächlich Gemüse angebaut.

Darunter auch sehr seltene Sorten. Zumindest mussten wir an verschiedenen Stellen nachfragen, was da denn genau wächst. Einiges kannten wir; wie Mangold oder Liebstöckel. Aber anderes war uns gänzlich unbekannt. Und – wie immer – waren wir natürlich neugierig, was das denn ist und haben herumgefragt. Die Antworten waren vage: „Vielleicht Grünkohl. Oder eine Wirsingart?“ „Nein, das ist doch Mangold. Ein spezieller Mangold.“ Hmm… so richtig wusste es keiner.

Deshalb waren wir im Gärtnermuseum

Da arbeiten 200 Leute ehrenamtlich und darunter sind auch einige Gärtner. Die müssen das doch wissen. Wussten sie! Es ist eine spezielle Art von Grünkohl. Lerchenzunge. Wunderbar. Haben wir das auch geklärt.

Und wenn wir schon mal da sind, gucken wir uns doch das Gärtnermuseum mal an. Ein Museum ganz nach meinem Geschmack. Ha, ha. Geschmack ist hier sogar doppeldeutig! Denn hier geht es nicht nur theoretisch zu. Hier wird auch richtig gegärtnert. Beet reiht sich an Beet und hier wächst eigentlich alles. Und deswegen auch Geschmack. Man darf hier auch ernten. Unter fachkundiger Anleitung wird alles erklärt und bei Führungen darf man auch mal mit Hand anlegen. Besonders beliebt soll die Kartoffelernte sein. Mit anschließender Verkostung versteht sich. Ich sag ja: Ganz nach meinem Geschmack.

Ich hab auch mal gestöbert und bin fündig geworden. Ich sag nur: Mega lecker! Aber ich schweife ab…

Im Museum erfährt man alles über die Geschichte der Gärtnereien, lernt die verschiedenen Arbeitsgeräte kennen, kann in den Beeten stöbern und – wie gesagt – bei Führungen auch mitmachen. Ein Arbeitsgerät wurde sogar in Wolfenbüttel erfunden. Das Schüffeleisen. Schon wieder was gelernt.

Und im Haus ist alles noch so wie in früheren Zeiten. Vom Waschtisch über den Ofen in der guten Stube, der Herd und das Küchenbuffet. Und es gibt sogar noch einen Kesselraum. In diesem Kessel wurde alles gekocht: Wurst beim Schlachten, Wäsche von der ganzen Familie und Äpfel, um daraus Apfelkraut zu machen. Das geht übrigens auch heute noch. Zu speziellen Anlässen wird der Kessel wieder angefeuert. Ein Besuch im Gärtnermuseum lohnt sich also wirklich. Da es nicht täglich geöffnet hat, noch ein Tipp von uns: Wenn die bunten Bänder am Fahnenmast flattern, ist offen. Ach ja! Frisch gebackenen Kuchen gibt es da auch.

Wenn wir jetzt schon so viel über frisch und gärtnern und ernten gesprochen haben, wollten wir es auch ausprobieren und etwas kochen. Gesagt getan.

Zur Zeit ist sehr sehr viel erntereif. Überall blitzen Früchte hervor. Salat leuchtet grün. Kräuterbeete quellen über. Die Kornfelder leuchten gelb oder werden gerade gemäht. Am Markt ist das Angebot groß und alles lockt mit Gerüchen und Aromen.  Und es gibt ja noch eine handvoll Gärtner in Wolfenbüttel. Und so haben wir uns aufgemacht zur Gemüsescheune. Hier wird noch selber angebaut. Und so haben wir Salat geerntet und ein paar frische Kräuter.

Die ersten Zutaten hatten wir schon mal. Dann haben wir im Gärtnerdenkmalbeet Mangold geerntet (wichtiger Hinweis: Im Beet befinden sich auch nicht essbare Sorten, weswegen es ein „Blumenbeet“ ist und bitte nicht selbstständig geernetet werden sollte – wir durften das hier ausnahmsweise tun). Den gibt es da gleich in mehreren leuchtenden Farben. Wunderschön. Die weiteren Zutaten mussten wir im Supermarkt besorgen. Da müssen wir uns dann beim nächsten Besuch in Wolfenbüttel mal drum kümmern, wo man hier Eier und Butter und Milch bekommt. Aber das ist auch schon wieder ein anderes Thema.

Nun gut. Mit den ganzen Sachen sind wir zum Küchenchef vom Jugendgästehaus und haben da die frisch geernteten tollen Sachen zu einem Mangoldstrudel verarbeitet. Wie das genau geht, könnt Ihr in einem anderen Artikel lesen:

Wie macht man einen Mangoldstrudel (erscheint am 20. August hier auf dem Blog)

Auf jeden Fall hat es richtig Spaß gemacht, so schöne frische Sachen zu haben und damit zu kochen. Und nach getaner Arbeit haben wir die frische Luft genossen. Mit dem Fahrrad kommt man in Wolfenbüttel schnell überallhin. Wir haben uns E-Bikes bei der Touristeninformation ausgeliehen und sind durch grüne Parks und am Wasser entlang geradelt. Wusstet Ihr schon, dass es am Wasser immer etwas frischer ist? So ein bis zwei Grad kälter soll es da sein.

Aber auch in der Innenstadt kann man die Sommerfrische zelebrieren. Wir sitzen gerne draußen und genießen einen Kaffee. Auch hier könnten wir wieder über ‚frisch‘ geröstet und ‚frisch‘ zubereitet reden. Oder wie wäre es mit einem frisch gebackenen Kuchen? Einer frisch gegrillten Bratwurst? Alles da!

Haben wir schon über frisch gebrautes Bier geredet? Auch hier sind wir fündig geworden. Es gibt eine neue Brauerei – die Mad Dukes Brewery. Die habe sogar eine Party veranstaltet, um ihr frisch gebrautes Craft-Bier zu feiern. Da gab es wirklich sehr leckere Sorten zu trinken. Ein Espresso-Stout, ein Pale Ale und sogar das neue ‚Weizenbütteler‘. Und für den ganz besonderen Frische-Kick gab es sogar aus allen drei Sorten Eis. Muss man probiert haben. Eine Geschmacksexplosion!

Nach all der Arbeit und der Party hat es uns dann zum Strand gezogen. Flugs sind wir zum Strandwolf geradelt und haben einen frisch zubereiteten Cocktail genossen und dabei mit den Zehen im Sand gespielt. Herrlich! Wer es noch frischer mag, steckt die Füße ins Wasser.

Da ist es wieder. Das Frischegefühl. Das Wohlfühlbüttel. Mit Sommerfrische.

Und? Wo findet Ihr überall die Sommerfrische in Wolfenbüttel?

Fotos: DieMeurers

Zugabe: Fachwerkhäuser in Wolfenbüttel

Und weil Wolfenbüttel so viele schöne Fachwerkhäuser hat, hier noch ein paar Impressionen:

 

Monika und Achim Meurer

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2 Gedanken zu “Sommerfrische in Wolfenbüttel

  1. Toller Beitrag, sagt einer aus Erkerode!
    Aber: es heißt Braunkohl und nicht Grünkohl bei uns. Darauf müssen wir bestehen, genau wie auf Bolchen statt Bonbon und ein paar andere Dinge.

    1. Lieben Dank und als „Ur“-Einwohner der Region stimme ich zu und werde es gern übernehmen, Monika und Achim bei nächster Gelegenheit mit den sprachlichen Besonderheiten vertraut zu machen. Unser Aantracht und so ;-).

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