Wolfenbüttel – Verbindung zwischen Tradition und Moderne

Wenn man ins Zentrum von Wolfenbüttel fährt, bleibt einem der Mund offen stehen, weil man überall Fachwerkhäuser sieht. Hinter jeder Kurve verbirgt sich wieder eine Straße voller Fachwerkhäuser. Eins nach dem anderen. Alt und wunderschön.

Und dann das Schloss und die Parks. Alles alt. Und gut erhalten. Man kann Führungen machen mit historischen Figuren, wie dem Tanzmeister, Casanova oder Lessing.

Die Tanzmeisterführung im Museum im Schloss von Wolfenbüttel

Apropos Lessing: Die Bibliothek mit allen alten Bänden ist auch zu besichtigen. Auch alt. Oder das Rathaus am Stadtmarkt. Sieht alles noch so aus wie vor ein paar Hundert Jahren. Und kann bewundert werden und fotografiert und besichtigt.

Die Bibliothek in Wolfenbüttel Die Bibliothek in Wolfenbüttel Die Stadtbibliothek in Wolfenbüttel #echtlessig Die Stadtbibliothek in Wolfenbüttel #echtlessigDie Bibliothek in Wolfenbüttel

Aber… Wolfenbüttel ist kein Museum. Es ist keine staubige Vergangenheit sondern schafft immer wieder die Verbindung von alt und neu. Es wird ein Bogen geschlagen von der Tradition zur Gegenwart. Das Rathaus zum Beispiel ist belebt. Hier wird gearbeitet und geheiratet. Das alte Fachwerk blitzt überall innen hervor und die Büros und Besprechungsräume fügen sich in die alten Wände ein. Die Bibliothek wird auch genutzt. Jedes Buch kann ausgeliehen werden und zumindest im Lesesaal benutzt werden. Hier darf geforscht werden. Das Schloss kann man besichtigen und durch den Herrn Tanzmeister bekommt man das Gefühl, dass es auch noch bewohnt ist.

Das Schloss in Wolfenbüttel Das Schloss in Wolfenbüttel

Die Altstadt ist belebt. Im unteren Teil der Fachwerkhäuser befinden sich Geschäfte. Auch sogar größere Läden oder Supermärkte. Die Straßen sind zum Teil Fußgängerzonen und auf dem Marktplatz findet zwei Mal pro Woche der Wochenmarkt statt. Im Winter gibt es einen Weihnachtsmarkt und zwischendurch verschiedene Festivals. Auch sind die Häuser ansonsten ganz normal bewohnt. Alles ist belebt. Oder wird wieder belebt.

Nachtaufnahme WolfenbüttelNachtaufnahme Wolfenbüttel

Wie die Tradition des Bierbrauens. Früher hat man zum Bierbrauen nur wenige Zutaten gebraucht und diese kamen zum Großteil aus der Region. Getreide, Wasser, Hopfen… Das geht auch heute… wieder. Bei der Stebner-Privatbrauerei. So gibt es nun wieder 12 Sorten Bier. Traditionell gebraut, aber mit neuem frischen Wind. Die Zutaten sind großteils bio und man denkt sogar schon wieder über Hopfenanbau in der Nähe nach. So kommt das alte wieder in die Gegenwart.

Immer wieder findet man hinter den alten Gefachen neue, spritzige Ideen. Streetfood zum Beispiel. Ist ja eigentlich was komplett neues und modernes. Klingt ja auch schon so mit dem englischen Namen. Aber so was kann es auch in einem historischen Haus geben. Bei Tires. Auf der Straße wird der Grill aufgestellt, die Wurst die da drauf liegt, ist aber gutes altes Metzgerhandwerk. Jede Zutat, jeder Lieferant, jedes Teil wird hinterfragt. Die Brötchen zur Wurst haben nicht die gewünschte Qualität oder werden von den Kunden nicht angenommen? Dann nehme ich halt das traditionelle Heidebrot. Schmeckt super zur Wurst und kommt vom Bäcker gegenüber. Und so kommt eins zum andern. Die Senfsorte. Der Tee. Und der Glühwein ist bio und vegan. Total modern, aber gutes altes Handwerk. Mittags gibt es zwei drei handgemachte Speisen – auch zum Mitnehmen.

Zwei Häuser weiter findet man Currys und Tomatensoßen nach Paleo Art. Bei Stebi’s Manufaktur. Schon wieder so was neumodisches, aber Paleo nennt man auch Steinzeitdiät. Also eigentlich stein alt. Wird heute wieder gerne gekauft und verwendet. Dazu Gewürze, Essig und andere handgemachte Sachen. Und sogar ein Gin. Streng nach Jahrgängen. So schmeckt er jedes Jahr anders. Ist halt ein Naturprodukt und da gibt es halt immer wieder Unterschiede in der Ernte und im Geschmack. Keine einheitliche Industrieware.

Oder nehmen wir Jägermeister. Fast jeder kennt wohl die Marke. Aber wer weiß, dass Jägermeister aus Wolfenbüttel kommt? Auch hier wieder ein traditionelles Produkt. Seit Jahrzehnten unverändert und selbst Logo und Schrift wurden nur in kleinen Nuancen über die Jahre verändert. Und trotzdem findet man die typische grüne Flasche heute in über 100 Ländern in den Bars oder Kneipen der Welt.

Noch ein Beispiel gefällig? In Wolfenbüttel wird Kaffee handgeröstet. Bei Treccino. Direkt im Cafe. Ein altes Handwerk. Auch wenn es heute dazu dient, den Kaffee auf x Arten zu trinken. Als Latte, Cappucino, Espresso oder Irish Coffe. Die Kaffeekarte – Speisekarte kann man dazu nicht sagen- umfasst ziemlich viele Seiten und kreative Getränkenamen. Auch hier ist jede Zutat wieder genau durchdacht und ausgewählt. Der Kaffee kommt von Plantagen, die Inhaber vorher auf einer Kaffeereise kennen gelernt haben. Ein persönlicher Lieferant. Fast wie früher. Mit Handschlagqualität. Das spürt man und das schmeckt man. Dazu gibt es ausgewählte handgemachte Kekse und Trüffel. Wunderbar.

Oder das Lessing-Theater. Ein altes Gebäude, liebevoll und umsichtig renoviert. Der Charakter des ehrwürdigen Hauses ist erhalten geblieben, aber innen findet sich die neueste Technik und einige Annehmlichkeiten wie großer Reihenabstand und bequeme Sitze. Natürlich eine tolle Licht- und Tonanlage und moderne Bühnentechnik. Aber auch an die Barrierefreiheit wurde gedacht und so finden sich in den Handläufen im Treppenhaus die Richtungsangaben auch in Blindenschrift.

Das Lessing-Theater in Wolfenbüttel Das Lessing-Theater in Wolfenbüttel Das Lessing-Theater in Wolfenbüttel

Das Parkticket kann man selber im Foyer entwerten und somit gratis parken. Zitate von Lessing finden sich an den Wänden, die übrigens handbemalt sind. Wer genau hinguckt, kann sehen, dass die Muster nicht perfekt sind. Handgemacht eben! Dachboden und Keller sind ebenfalls mit neuester Technik ausgestattet, die auch den jüngsten Brandschutzrichtlinien entspricht. Und das Programm ist so breit und umfassend aufgestellt, dass wohl jeder hier etwas für sich entdecken kann: Theater, Kabarett, Oper, Musical, Tanz, Operette, Lesung, Variete… Alles dabei. Kinder- und Jugendprogramme, Workshops. Hier ist fast jeden Tag etwas los. Keine Spur von Verstaubtheit. Aber eben in altem Gewande.

Oder das gute alte Schuhmacherhandwerk. In Wolfenbüttel lebt es. Bei Meister Janke. Hier werden Schuhe nicht nur repariert sondern auch entworfen und von Hand gefertigt. In der dritten Generation. Das besondere ist, dass man sich jeden Schuh machen lassen kann. Eine Idee oder eine Zeichnung genügt. Etwas Zeit muss man allerdings mitbringen. Die Wartezeiten liegen bei 3 – 6 Monaten, aber dann kann man sein eigenes paar Schuhe in der Hand halten bzw. an den Füßen tragen. Neben dem Meister nehmen hier noch 5 Frauen Ahle und Leisten in die Hand und überlegen sich immer wieder neue Ideen. Ein altes Handwerk, was an anderen Orten auszusterben droht, hat in Wolfenbüttel noch Zukunft.

Und zu guter Letzt noch etwas kulinarisches. Mitten auf dem platten Land gibt es ein in die Jahre gekommenes Ausflugsziel mit einer Einrichtung, die manchem Historienfilm als Kulisse dienen könnte. Die Gaststätte Reitling. Wildgerichte stehen auf der Speisekarte. Jetzt könnte man natürlich annehmen, dass das der übliche Rehbraten mit Knödeln und Rotkohl ist. Falsch gedacht! Hier entwickelt ein junges spritziges Küchenteam regelmäßig neue Ideen für Gerichte, die Brücken schlagen oder Tradition mit moderne verbinden. Wie den „Wild Wrap“. Ein Wrap mit Wildschweingeschnetzeltem, Gemüse und als internationale Note: Tzatziki. Wie der gemacht wird, kann man hier sehen. Und so trifft das traditionelle Wild aus der Jagd nebenan auf moderne Kost wie Wraps oder Burger. Und das alles handgemacht und frisch und lecker.

Wolfenbüttel überrascht an jeder Ecke bzw. hinter jedem Fachwerkhaus. Immer wieder gibt es innovative Ansätze und Konzepte! Wir haben nur einen kleinen Einblick bekommen. Es gibt sicher noch mehr innovative Ideen und Unternehmer. Und bestimmt gibt es dabei noch mehr, die den Spagat zwischen Tradition und Neuzeit schaffen. Vielleicht sogar so viele wie es Fachwerkhäuser gibt …

 

Von: Monika und Achim Meurer

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9 Gedanken zu “Wolfenbüttel – Verbindung zwischen Tradition und Moderne

  1. Eine wahrhaftige Liebeserklärung an meine Geburtsstadt, in der ich allerdings zurzeit nicht lebe. Dankeschön, liebe Meurers. Ich verfolge Ihre Fotosession schon eine ganze Weile über Twitter. Und freue mich immer wieder aufs Neue über Ihre Tweets. Dass echtlessig in seinem Blog – den ich übrigens heiß und innig liebe – darüber berichtet, freut mich besonders. Weiter so! Ihre Janin-Susann Stolten

  2. Sehr schöner Blog, der meine Schulstadt in vielfältiger Weise beschreibt. Ich bin bis zur Mittleren Reife in Wolfenbüttel zur Schule gegangen und denke gern daran zurück.
    Liebe Grüße von der Ostsee (wo ich jetzt lebe) von
    Petra Stern

  3. Hallo… Ein sehr schöner Blog!!! Bin in WF zur Großen Schule gegangen und habe auch meine Ausbildung in WF gemacht! Habe auch heute noch sehr liebe Freunde / Herzensfamilie dort, die ich so oft es geht besuche. Lebe jetzt seit 19 Jahren in Berlin, aber ein Teil meines Herzens ist immer in Wolfenbüttel geblieben!!!

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