Gläserne Weihnachtssterne als Dekoration im Weihnachtsladen.

Weihnachtsladen macht Weihnachtsstimmung

Ich treffe mich heute mit dem Ehepaar Christiane und Uwe Thomas in der vielleicht schönsten Weihnachtsstube der Stadt: im Weihnachtsladen auf der Breiten Herzogstraße. Seit Oktober hat der Weihnachtsladen wieder geöffnet und ist eine gute Adresse für individuelle und ausgefallene Weihnachtsartikel.

Mit der Weihnachtsstimmung ist das so eine Sache: Jeder verknüpft seine eigenen Erinnerungen daran. Manche haben sie vergessen, andere sind ihrer überdrüssig. Wenn ab September die Regalflächen im Supermarkt mit entsprechendem Gebäck gefüllt werden, mag der eine oder andere sie vielleicht im November schon nicht mehr sehen. Die innere Haltung zur Weihnachtsstimmung wird wahrscheinlich in der Kindheit geprägt.

Die Dekoration erinnert an die eigene Kindheit.
Erinnerungen an die Kindheit. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Ich denke an den Adventskalender vom »Kunsthaus Koch« – am Alten Tore, gegenüber von Steuber. Darin waren keine üppigen Geschenke, sondern eine Geschichte, wie Michel den Weihnachtsstern findet. Jeden Tag gab es beim Umblättern ein Stück Tannengrün und am Ende kam natürlich der Weihnachtsstern. Christiane Thomas kennt solche Erinnerungen. »Jeder hat seine Geschichte – sein Weihnachtserlebnis«, erzählt sie mir.

Wir sitzen mit ihrem Mann auf Hockern vor dem Tresen ihres Weihnachtsladens. Es ist Mittwoch nach 13 Uhr und damit eine der wenigen Zeiten, in denen das Ehepaar sich etwas Ruhe gönnt.

Christiane und Uwe Thomas.
Christiane und Uwe Thomas mit ihrem Schutzpatron. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Alles, was das Weihnachtsherz begehrt

Christiane Thomas macht vor unserem Gespräch noch schnell den Kassenabschluss und schaltet die Beleuchtung wieder ein. »Ich hatte nicht daran gedacht, dass Sie fotografieren wollen«, lächelt sie. Die Musik lief, als ich kam. Kein »Gedudel«. Weihnachtlich, aber nicht klischeehaft.

Mein Blick streift durch den Laden. Rot bemützte Wichtel, Tassen, Engel, Krippenfiguren, Servietten, Schwippbögen … Kurz, alles, was das Herz begehrt, wenn es sich auf Weihnachten einstimmen möchte – ein Ereignis mit etwas Wehmut, Hoffnung, Freude, Licht und ganz viel Gemütlichkeit. »Es gibt Menschen, die kommen hier herein, einfach nur, um aufzutanken und in eine festliche Stimmung zu kommen«, erzählt Christiane Thomas und ihr Mann nickt zustimmend. Der Weihnachtsladen sei etwas Besonderes, meint Uwe Thomas, und in seiner Stimme schwingt ein wenig Stolz mit.

Rote Weihnachtswichtel stehen im Weihnachtsladen.
Sonderbare Wichtel treiben sich im Weihnachtsladen herum. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Wohin mit der Weihnachtsware?

Im Hauptgeschäft nebenan ist die Vitrine. Hier bietet Familie Thomas das an, was es in den Städten immer weniger gibt: Haushaltswaren und Küchenutensilien aller Art. Aber auch Weihnachtsläden haben Seltenheit. Dabei war die Gründung dieses Spezialgeschäftes, das sich im Frühjahr zu einem Ostergeschäft verwandelt, eher dem Zufall geschuldet, wie mir Christiane Thomas berichtet: »Mein Mann war in dieser Zeit gerade im Krankenhaus und ich habe mit unserer Mitarbeiterin, Frau Wiedenroth, das Geschäft allein geschultert.«

Ein kurzer Blick in die Vergangenheit hilft, um die Situation zu verstehen: Nachdem Uwe Thomas das »Rosenthal-Studio« übernommen und daraus die Vitrine gemacht hatte, eröffnete er später nebenan eine Bierkneipe: das Contor. Das war dort, wo heute der Weihnachtsladen ist. Die Kneipe bewirtschaftete er viele Jahre erfolgreich neben der Vitrine und verpachtete es schließlich. 2008 endete eines der Folgemietverhältnisse und Uwe Thomas laborierte an seinem Knie, als die Weihnachtsware für die Vitrine geliefert wurde.

Weihnachtsengel stehen im Weihnachtsladen.
Engel spielen zur Weihnacht auf. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Einen Weihnachtswunsch erfüllen

»Normalerweise haben wir dann immer den vorderen Bereich des Ladens frei geräumt. Das ging natürlich zulasten des übrigen Angebots«, gibt Christiane Thomas zu bedenken. Deswegen kam die Idee auf, die ehemalige Gastwirtschaft nebenan als Weihnachtsstube zu nutzen. »Es war unser Anliegen, eine gemütliche heimelige Atmosphäre zu schaffen, in der sich unsere Kunden wohlfühlen«, erinnern sich die beiden. Die ganze Familie – von der Großmutter bis zu den Töchtern – hätten angepackt, um den Weihnachtstraum zu verwirklichen.

Anfangs hatte Familie Thomas noch mit einem Antiquitätenhändler aus Groß Denkte zusammengearbeitet. »Wir bekamen von der Abbeizzentrale Schränke, die gleich gekauft werden konnten«, so Christiane Thomas. Das Ziel sei es stets gewesen, eine Einrichtung aus einem Guss zu bekommen.

Dass ihre Mitarbeiterin, Frau Wiedenroth, das Schaufenstergestalten gelernt habe, sei dem Projekt immer zu Gute gekommen, freut sich Uwe Thomas. Die Anfangszeit war sehr turbulent. Aber Stück für Stück hätten die Wolfenbütteler das Angebot angenommen.

Von weither zu Besuch…

Und schließlich reisten mit den Jahren sogar immer wieder auch Kunden von weither an. Eine Familie aus Hamburg sei zum Beispiel vor einigen Jahren sonntags durch Wolfenbüttel gegangen. »Die haben bei uns im Schaufenster eine moderne Krippe gesehen und deshalb extra eine Nacht im Parkhotel Altes Kaffeehaus drangehängt, um diese am Montag bei uns zu kaufen«, berichtet Christiane Thomas.

Moderne Krippenfiguren aus Holz.
Maria und Joseph neu interpretiert. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Ein Jahr später sei die Familie mit Freunden noch einmal nach Wolfenbüttel gekommen, um erneut die preisgekrönte »Designer-Krippe« zu erwerben. Während wir sprechen, stehen Leute vor dem Laden. Und obwohl ja eigentlich geschlossen ist, schließt Uwe Thomas geduldig die Tür auf und bedient die Kunden. Eine Frau meint: »Ich komme hier immer so gern her. Das ist für mich Weihnachten.«

Sammler und Kultobjekte

In den vergangenen Jahren hatte Familie Thomas immer ein Gespür dafür, was läuft. Einerseits würden sie sich auf ihr Bauchgefühl verlassen. Aber natürlich informieren sie sich andererseits genauso bei Messen, was angesagt sei. Ich finde im Weihnachtsladen den traditionellen deutschen Weihnachtsschmuck, etwa aus dem Erzgebirge: Die Engel, Schwippbögen, aber auch die berühmten Herrnhuter Sterne, die wegen ihrer Größe in allen möglichen Farben im Hauptgeschäft gelagert sind.

Die Figuren der Manufaktur »Wendt & Kühn« sind Kult und bei Sammlern sehr beliebt. »Ich habe eine Adresskartei von Sammlern, die ich um Juli schon anrufe, um sie über die Neuheiten zu informieren«, berichtet mir Christiane Thomas. Gerade, wenn sich die Familien im Verlauf der Generationen teilen würden – mit Kindern und Enkelkindern und Schwiegerfamilien – habe sie immer noch den Überblick, wer welchen Engel habe. Limitierte Sondereditionen sind besonders begehrt und schnell vergriffen.

Skandinavische Weihnacht

Schließlich bedient das Weihnachtsgeschäft den skandinavischen Geschmack mit Wichteln in allen Formen, Farben und Materialien. Da sind die Tomtes – die schwedische Schutzheiligen – von Nääsgränsgården, die bei den Kunden ein echter Renner sind. In den besten Zeiten habe der Weihnachtsladen so viel verkauft von diesen kleinen Burschen, wie sonst in ganz Norddeutschland nicht. »Nur das KaDeWe in Berlin hatte noch die Nase vorn«, freut sich Uwe Thomas.

Dekoration mit skandinavischen Wichteln und Julböcken.
Skandinavische Weihnacht mit Julböcken und Wichteln. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Natürlich müssen die beiden immer mit dem Trend gehen. Inzwischen sind die Figuren von Harvestime im Kommen, verraten sie mir. Ich spüre auf jeden Fall die Lust und Begeisterung, neue Dinge zu entdecken und die Menschen damit zu erfreuen.

Weihnachtsverrückt und neugierig

»Wie kann ich einen Weihnachtsladen führen, wenn ich nicht weihnachtsverrückt bin?«, fragt Christiane Thomas lachend. Ich mache noch ein paar Fotos, während durch das Licht im Laden schon wieder Kunden angezogen und von Uwe Thomas hereingelassen werden. Sie stöbern durch den Laden und Christiane Thomas flüstert mir zu: »Egal, ob das nun die großen Geschäfte sind oder nur eine Packung schöner Servietten. Die Menschen gehen ein bisschen glücklicher aus dem Laden, als sie gekommen sind. Das motiviert mich immer wieder aufs Neue.«

regale voll mit weihnachtlichen Besonderheiten: Dosen, Servietten, Tassen, Kerzen.
Ob kleine Deko-Sachen oder große Geschenke: Jeder geht ein bisschen glücklicher aus dem Weihnachtsladen. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Und wenn sie in dem bunten und lauten Getümmel dieser eigentlich stillen Zeit »ihren Weihnachtsstern« finden, so wie der Michel aus dem Kalender meiner Kindheit, wäre das doch eine tolle Sache. Ich werde jedenfalls mit meiner Frau in der Vorweihnachtszeit im Weihnachtsladen noch einmal ganz in Ruhe bummeln …

Geheimtipp: exklusiver Adventshof

Hier noch ein Geheimtipp für alle, die sich ein weihnachtliches Rundum-Paket in der Adventszeit wünschen. In diesem Jahr öffnet zum ersten Mal im Innenhof der Vitrine ein besonderer Adventshof für Besucher: An allen Adventswochenenden können hier in exklusivem Ambiente besondere, italienische Spezialitäten genossen werden. Nach dem gemütlichen bummeln durch den Weihnachtsladen lohnt sich ein Ausklang im gemütlich dekorierten Hof. In Zusammenarbeit mit der »CATO Health & Sports Company« und »Salvatore Parisi Events« werden hausgemachte Köstlichkeiten angeboten:

  • Winzerglühwein
  • Trend-Winter-Cocktails (Bombardino und Calimero)
  • vegane Lumumba
  • traditionelle italienische Glückslinensuppe
  • frisch zubereitete Pasta mit gehobeltem Trüffel

Der exklusive Adventshof hat an allen Adventswochenenden freitags bis sonntags von 16 bis 21 Uhr geöffnet.

Weitere Informationen zur Vitrine und dem »Weihnachtsladen«

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