Eine Vorspeise, die auf der Zunge zergeht. © denver-fotografie.de

Das Vinum Italicum – eine italienische Insel in Wolfenbüttel

Das Vinum Italicum auf dem Schiffwall 3 in Wolfenbüttel ist eine kleine italienische Insel – nicht nur der Italiener um die Ecke. Da ist um die Ecke gleich das malerische Klein Venedig als Teil der alten Grachten und das tosende Gurgeln der Schünemannschen Mühle gegenüber.

Das Vinum Italicum ist mehr als nur ein Restaurant. © denvers-fotografie.de
Das Vinum Italicum ist mehr als nur ein Restaurant. © denvers-fotografie.de

Alfio Fichera – Wolfenbütteler und Sizilianer

Alfio Fichera ist ein kulinarische Botschafter. Dass er Italiener ist oder italienische Wurzeln hat, ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn mindestens ist er auch ein echter Wolfenbütteler und Sizilianer.

Wenn jemand sagt, er käme aus Deutschland und er koche deutsch, dann würde man ebenfalls fragen. Ja, ist er denn Schwabe oder Niedersachse oder Bayer? Italien wie Deutschland besteht aus den Regionen. 

Alfio erklärt uns sein kulinarisches Konzept. © denver-fotografie.de
Alfio erklärt uns sein kulinarisches Konzept. © denver-fotografie.de

Regional genießen

Und die sind so unterschiedlich wie die Küchen. Denver und ich können das an diesem Abend genießend erleben. Und zwar in vollen Zügen. Wir sind früh dran. Früher, als wir dies »in echt« und privat täten.

Aber der Stimmung tut das keinen Abbruch. Natürlich wieselt Denver auf der Suche nach einem Motiv durch die Gaststube. Obwohl es draußen zum Verweilen einladen würde. Wir bleiben heute dennoch drinnen.

Das Vinum Italicum. Ein Restaurant auf zwei Etagen. © denvers-fotografie.de
Das Vinum Italicum. Ein Restaurant auf zwei Etagen. © denvers-fotografie.de

Eine italienische Insel

Das Vinum Italicum ist ein Restaurant auf zwei Etagen. Hinter der Theke hört man die Küche. Das ist Alfios Reich, in dem er sich ausleben kann. Hier kreiert und experimentiert er das, was seit vielen Jahren die Genießer in Wolfenbüttel und Umgebung verwöhnt.

Draußen lädt eine Terrasse zum Verweilen ein. In dem gegenüberliegenden Lager finden Weinmessen statt. Denn das Vinum Italicum ist mehr als ein Restaurant und ein Bistro. Es ist eine italienische Insel. Ich sagte es. 

Ein Prosecco zum Warmwerden. © denver-fotografie.de
Ein Prosecco zum Warmwerden. © denver-fotografie.de

Zur Begrüßung einen  Prosecco

Wie es sich »im Land, wo die Zitronen blühn« gehört, begrüßt uns ein perlender Prosecco. Nachdem wir zur Ruhe gekommen sind und die Blicke durch den Raum schweifen lassen, nippen wir an den schlanken Gläsern.

Mimoza erklärt uns geduldig, was im Glas ist. Die Kellnerin begleitet diesen Abend mit kleinen Gesprächen, guten Informationen und kümmert sich sogar um die Musikwünsche, die wir in unserer Italienstimmung haben.

Sogar unsere Musikwünsche wurden erfüllt. © denver-fotografie.de
Sogar unsere Musikwünsche wurden erfüllt. © denver-fotografie.de

Kein gerader Weg in die Küche

Adriano Celentano singt »exklusiv« für uns. Aus der Küche stimmt es gelegentlich mit ein. Schließlich summen auch wir mit, während wir auf die Vorspeise warten. Wir lassen Alfio machen. Das scheint mir eine gute Idee zu sein.

Er ist das, was man einen Koch aus Leidenschaft nennt. 1976 als 15-Jähriger nach Wolfenbüttel gekommen, machte er zuerst eine »ordentliche« Ausbildung bei den Stadtwerken. Egal ob Niedersachsen oder Sizilien. Eltern möchten das nicht selten.

Weine, Lebensmittel und mehr. © denvers-fotografie.de
Weine, Lebensmittel und mehr. © denvers-fotografie.de

Viele Ideen

Im Kopf des jungen Mannes, der sich nicht nur sprachlich bald in der neuen Heimat eingelebt hatte, schwirren ganz andere Ideen. Da wäre etwa der Journalismus, erzählt er heute mit einem feinen Lächeln.

Alfio Fichera ist ein zurückhaltender Mensch und gar nicht der extrovertiert auftretende Typus, den man sich vielleicht vorstellt. Also nimmt er diesen Weg erst einmal. Dann aber passiert etwas, was sein Leben verändern wird.

Ein Kunstwerk mit Geschmack. © denver-fotografie.de
Ein Kunstwerk mit Geschmack. © denver-fotografie.de

Der Start im »Capri«

Freunde wollen in Wolfenbüttel ein italienisches Restaurant – das »Capri« – aufmachen. Alfio soll dabei sein, und er ist dabei. Die Eltern sind zuerst nicht wirklich begeistert. Aber insbesondere seine Mutter, unterstützt die Sache dann doch.

»Von ihr und von meinem Großvater habe ich das Kochen gelernt«, erzählt er, während auf uns schon die erste Vorspeise wartet. Cremige Burrata liegt da auf dem Teller mit einer Sardelle und warmen Tomaten. Schließlich gibt es ein Vitello Tonato.

Frische Kräuter für die Küche. © denver-fotografie.de
Frische Kräuter für die Küche. © denver-fotografie.de

Vom Augenblick inspiriert

»Ich lasse mich beim Kochen eigentlich immer vom Augenblick inspirieren«, so Alfio. Außerdem sind es die Weine mit ihren vielfältigen Aromen, zu denen er in seinen Rezepten geschmackliche Entsprechungen suche.

All das entwickelte sich aus dem ersten Restaurantprojekt, dem Capri. Alfio arbeitete sich dort in die Küche ein, beschäftigte sich dann immer weiter mit Weinen. Infolgedessen ist er heute sogar ein gestandener Sommelier.

Zur Vorspeise gibt's einen Chardonnay © denver-fotografie.de
Zur Vorspeise gibt’s einen Chardonnay © denver-fotografie.de

Das Geheimnis guten Essens: qualitativ hochwertige Grundprodukte

Wichtig ist ihm jedes einzelne Produkt. Demzufolge entfalten sich gleich mit den ersten Bissen alle Aromen Italiens. Da ist die leicht erfrischende Cremigkeit der jungen Burrata mit einer zarten Salzigkeit der Sardelle. 

Kalbfleisch und Thunfischsauce: Das ist eines der wenigen Klassiker, die Alfio serviert. Er probiert lieber. Das Brot ist selbst gebacken. Es ist dunkler als gewohnt. Vor allem aber lecker. So, wie der charaktervolle Chardonnay mit seinen leicht buttrigen Noten.

Ausgesuchte Olivenöle werden von Alfio serviert. © denver-fotografie.de
Ausgesuchte Olivenöle werden von Alfio serviert. © denver-fotografie.de

Wir schwärmen

Denver schwärmt. Ich tue es ihm nach. Es sind nicht die Mengen auf dem Teller, die entzücken, sondern die Menge an Aromen. Die leichte Süße der Tomaten komplettiert den Geschmacksreigen. Mimoza gießt einen kühlen Schluck Wein nach. 

Draußen auf der Terrasse geben sich inzwischen Stammgäste und Neugierige ein Stelldichein. Für viele Gäste ist der Italiener das, was früher die Eckkneipe war. Hier gibt es die Möglichkeit, sich nach dem Feierabend entspannt auf ein Gläschen Wein zu treffen.

Ein Meer der Farben. © denver-fotografie.de
Ein Meer der Farben. © denver-fotografie.de

Beim Italiener macht der Pastagang Lust auf Kommendes

Was Alfio mit seiner Frau und der Mannschaft in Küche und Keller seit 1994 aufgebaut haben, das ist eine kulinarische Institution über die Grenzen des Landkreises hinaus geworden. Die zahlreichen Auszeichnungen belegen das.

Nach den kleinen Vorspeisen erwartet uns ein Pastagang. Denn Nudeln sind beim Italiener, entgegen deutschen Vorstellungen, weniger eine Hauptspeise. Stattdessen sollen sie Lust auf Kommendes machen.

Mimoza versorgt uns mit Wein, gutem Essen und vielen Informationen. © denver-fotografie.de
Mimoza versorgt uns mit Wein, gutem Essen und vielen Informationen. © denver-fotografie.de

Ein Spiel der Farben

Alfio kredenzt uns eine feine Nudelportion mit dem, was das Meer schenkt: Gambas und Muscheln. Dass der Wolfenbütteler mit sizilianischen Wurzeln Farben liebt und auch über Farben seine Gerichte komponiert, können wir auf dem Teller erleben.

Das zarte Rot der Tomaten spielt mit dem Grün der Zucchini und der frischen Kräuter. Das gute Olivenöl, zu dem er uns einiges über Herkunft und Charakteristik sagt, verbindet und harmonisiert alle Aromen von Meer und Pasta.

Ein Malvasia trocken ausgebaut. © denver-fotografie.de
Ein Malvasia trocken ausgebaut. © denver-fotografie.de

Ein Malvasia aus der Toskana zum Hauptgang

Dann kommt, nach gebührender Pause, guten Gesprächen und Genießen des neuen Weines, der Hauptgang. Im Glas schimmert ein fast strohfarbener Malvasia, den ich bis jetzt nur als Dessertwein von den Liparischen Inseln kannte.

Dieser Ausbau, trocken und trotzdem fruchtig und harmonisch, macht Lust auf den Fischgang. Alfio serviert Wolfsbarsch in zwei Variationen. Vom Grill und als Tatar. Dazu gibt es eine feine Gemüsebeilage und eine himmlische Vinaigrette. 

Ein Fischduett von Alfio. © denver-fotografie.de
Ein Fischduett von Alfio. © denver-fotografie.de

Nach dem Fisch das Lamm

Dieser Kontrast von Rohem und Gebratenem ist wirklich eine gute Idee, die er da gezaubert hat. Dass Alfio auf diese Kombination spontan beim Filetieren des Fisches gekommen ist, das macht die Sache noch sympathischer.

Danach gibt es ein Stück Lamm, butterzart und aromatisch mit einem Wein, vor dem ich niederknien möchte. Ein Roter nach Bordeauxart, der so seit knapp 200 Jahren in Sizilien angebaut wird. Es scheint, als wäre das, was auf dem Teller serviert wird und der Inhalt des Glases füreinander geschaffen.

Auf den Punkt gegart. © denver-fotografie.de
Auf den Punkt gegart. © denver-fotografie.de

Schmausen ohne Ende

Was das Schöne an Abenden wie diesen ist: Man schmaust über Stunden, ohne, dass sich ein unangenehmes Völlegefühl einstellt. Wir haben auch heute das Gefühl, das könnte ewig so weitergehen.   

Als uns Alfio zum Abschluss eine Käsevariation mit verschieden gereiften Pecorinos reicht, verrät er uns ein Geheimnis: »Ich bin nicht so der Experte für Süßes.« Manchmal gelänge ihm da trotzdem etwas Außergewöhnliches.

Käse schließt den Magen. © denver-fotografie.de
Käse schließt den Magen. © denver-fotografie.de

Ein echter Sehnsuchtsort der Region

Aber auch was bei Alfio »nur« gut ist nach seinem strengen Urteil, verwöhnt noch immer den Gaumen. Das ist unser klares Fazit. Das Vinum Italicum, philosophieren wir bei Grappa und Espresso, ist ein echter Sehnsuchtsort in der Region.

Bei diesem Italiener sollte man »absteigen« (oder eigentlich besser auf-), wenn man sich wirklich etwas ganz Besonderes gönnen möchte. Das heißt, einen kleinen kulinarischen Urlaub auf dieser italienischen Insel, mitten in Wolfenbüttel.

Weitere Informationen über das Vinum Italicum

Adresse: Schiffwall 3, 38300 Wolfenbüttel

Telefon: 05331 – 902694

Die Internetseite vom Vinum Italicum.

Google Maps

Mit dem Laden der Karte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Google.
Mehr erfahren

Karte laden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.