Erich genießt den Blick in die Landschaft

Motorradtour durch das Nördliche Harzvorland

Sobald die Straßen trocken sind und sich die Sonne mit ihren Strahlen an den ersten wärmeren Tagen zeigt, geht sie wieder los, die Motorradsaison. Da mein Freund kein Saisonkennzeichen hat kann es bei ihm schon mal vorkommen, dass er an einem sonnigen und trockenen Tag im Februar mit seinem Motorrad eine kleine Runde dreht. Bei mir müssen die Temperaturen aber schon im zweistelligen Bereich sein, wenn möglich auch gern über 15 Grad.

Um auch einmal die nähere Umgebung zu erkunden und die Schönheiten des nördlichen Harzvorlandes zu entdecken habe ich mich an die Ausarbeitung einer Route rund um Wolfenbüttel gemacht. Meine Kollegin vom „Nördliches Harzvorland“ Tourismusverband e. V. hat mir noch ein paar Tipps gegeben, was ich auf der Rundfahrt mit einplanen soll. Unterstützt von der Navigations-App von Erichs Handy starten wir an einem der ersten sonnigen Tage unsere Tour. Für uns ist der Weg das Ziel, daher suchen wir nicht unbedingt die kürzeste, schnellste oder direkte Strecke für unsere Route, sondern fahren ab und zu auch einen Umweg.

Ausgangspunkt Wolfenbüttel

Zunächst geht es von Wolfenbüttel in Richtung Westen am Fümmelsee mit den Fümmelsee Terrassen vorbei. Der Fümmelsee ist ein künstlicher Binnensee, der als Badesee genutzt wird. 1924 erwarb der Wolfenbütteler Schwimmverein den See und die Mitglieder gestalteten ihn als Naturbadesee mit weitläufigen Flächen und Liegemöglichkeiten. Ab der Saisoneröffnung des Bades (2018 am 10. Mai) wird es in den Fümmelsee Terrassen freitags und samstags wieder ein Frühstücksbüffet und sonntags Brunchbuffet geben. Mir wurde schon verraten, dass es in der neuen Saison auch ein Mittagsbuffet geben soll.

Museum Schloss Salder

Die erste Station auf unserer Route ist das Museum Schloss Salder. 1608 wurde das Schloss Salder im Renaissance-Stil erbaut und diente mit den Nebengebäuden als Fürstensitz und landwirtschaftliche Domäne. Das Schloss liegt nahe der Fuhse auf sumpfigem Grund. Zur Stabilisierung mussten daher hölzerne Pfähle in den Grund getrieben werden, auf die das Schloss aufgesetzt wurde. Das Gebäude ist aus Kalksandsteinen erbaut, die Wände im Inneren sind größtenteils aus Holzfachwerk erstellt. Das Gebäude ist relativ schmucklos, neben der Haupttreppe und dem Wappen dienten nur noch das Dachgesims und die beiden Eckrisaliten als Zierde.

Schloss Salder
Schloss Salder in Salzgitter ©Kerstin Ehrenberg, Stadt Wolfenbüttel

Seit über 50 Jahren ist hier das Museum der Stadt Salzgitter untergebracht. Der Zutritt zum Museum ist kostenlos. Der Schwerpunkt der Ausstellungen liegt auf der Information über die Geschichte des gesamten Salzgittergebietes von der Erdgeschichte bis heute. Für eine Pause eignet sich das Café-Restaurant „Schlosshof Salder“, dessen Betreiber die Lebenshilfe Salzgitter ist. Wir fahren jedoch weiter zum Salzgittersee. Vorher holen wir uns noch einen Stempel an der Stempelstelle des ILE-Freizeitstempel-Pass.

Salzgittersee: Café del Lago

Direkt am See gelegen mit wunderbarem Blick auf Wasser und Palmen machen wir unsere erste Kaffeepause. Wir fühlen uns fast wie im Urlaub. Im Restaurant genießen die Gäste derweil noch das Frühstücksbuffet. Das Café del Lago ist modern gestaltet und bietet für jeden Geschmack etwas. Leider müssen wir schon wieder weiter, damit wir die Runde auch schaffen.

Café del Lago am Salzgittersee
Café del Lago am Salzgittersee ©Kerstin Ehrenberg, Stadt Wolfenbüttel

Gar nicht so weit entfernt liegt Salzgitter-Lesse. Dort befindet sich das Peerd Hus Hofcafé. Liebevoll eingerichtet in dem ehemaligen Pferdestall kann auch hier ein Frühstück genossen werden. Die Frühstücksangebote sind passenderweise nach Pferderassen benannt. Die Inhaberin Frau Oppermann erzählt mir, dass im Peerd Hus Hofcafé in Kooperation mit der ortsansässigen Bäckerei selbstgebackene Kuchen und Torten angeboten werden. Ganz besonders bezaubernd ist auch der wunderschöne große Garten in dem es viele nette Plätze gibt. Hier draußen ist allerdings Selbstbedienung.

Anschließend fahren wir nach dem kurzen Aufenthalt in Richtung Süden weiter. Nachdem wir die Salzgitter Region verlassen haben geht es durch einige Dörfer, die mit ihrem ursprünglichen bäuerlichen Charakter sehr reizvoll und zum Teil pittoresk erscheinen.

Schloss Oelber

Schloss Oelber am weißen Wege ist unser nächster Halt und liegt an den westlichen Ausläufern der Lichtenberge, die den nordwestlichen Teil des Salzgitter-Höhenzuges bilden. Auf den Grundmauern einer Wasserburg des 12. Jahrhunderts wurde in der Zeit um 1580 durch eine umfassende Bauerneuerung die heutige kreisrunde Anlage. Wegen ihres malerischen Aussehens wurde die Schlossanlage 1960 für Außenaufnahmen des Kinofilms „Das Spukschloß im Spessart“ genutzt. Heute ist Schloss Oelber Privatbesitz, es finden aber immer Mal wieder Veranstaltungen statt, bei denen man auf das Gelände kommt.

Schloss Oelber
Schloss Oelber ©Kerstin Ehrenberg, Stadt Wolfenbüttel

Auf unserer Weiterfahrt kommen wir ein kurzes Stück durch die landschaftlich schon ansprechendere Gegend des Lichtenberger Waldes. Weiter durch Sehlde und Wallmoden fahren wir noch einen kleinen Schlenker über Bodenstein um von hier aus eine schöne Motorradstrecke mit einigen netten Kurven über Lutter am Barrenberge nach Liebenburg zu nutzen. In Liebenburg fahren wir an dem direkt am Weg gelegenen Waldcafé Liebenburg vorbei, dass sicher auch für eine kleine Kaffeepause geeignet wäre, aber wir haben noch einiges vor uns. Die Strecke zwischen Neuenkirchen und Schladen entpuppt sich auch als eine landschaftlich schöne Motorradstrecke. Da wir bisher in dieser Region eher Richtung Harz unser Ziel hatten sind wir positiv überrascht.

Die Strecke zwischen Neuenkirchen und Schladen
Die Strecke zwischen Neuenkirchen und Schladen ©Kerstin Ehrenberg, Stadt Wolfenbüttel

Eis und Schlangenfarm in Schladen

Kurz vor Schladen ist natürlich die Schlangenfarm, eine Station an der wir nicht vorbeifahren können. Die Schlangenfarm in Schladen ist Europas größte Schlangenfarm. Hier besteht die Möglichkeit bei einer der täglich stattfindenden Führungen interessantes über die exotische Welt der Gift- und Riesenschlangen zu erfahren und Krokodil, Piranhas, Spinnen, Skorpione und verschiedene Echsenarten kennen zu lernen. Wer mag kann auch hautnah seine Berührungsängste zu den Kriechtieren abbauen. Das angrenzende Restaurant „Zur Schlangenfarm“ bietet für den großen und kleinen Hunger ein umfassendes Angebot und für Kinder gibt es noch einen Abenteuerspielplatz. Übrigens, hier auf dem Gelände des Restaurants der Schlangenfarm finden regelmäßig größere Veranstaltungen im Musikbereich statt.

In Schladen selbst geht es noch zum Eiscafé Adria, das gleichzeitig auch ein Motorradtreff  ist. Einige Biker sind auch heute vor Ort. Wir suchen uns erst einmal einen Platz im Schatten. Vom Chef Nino werden wir dann per Handschlag persönlich begrüßt. Nachdem wir bestellt haben kommen wir auch mit seiner Frau ins Gespräch, die ursprünglich aus Sizilien stammt. Sie erzählt uns, dass ihr Eiscafé eher zufällig zu einem Bikertreffpunkt wurde. Bei dem leckeren Eis das wir gerade probieren glaube ich das nicht. 🙂 Das Eis wird hier selbst hergestellt und das Eislabor dafür befindet sich in einem Gebäude hinter der benachbarten Fahrschule. Das Eiscafé ist auch in der Nebensaison von Februar bis November geöffnet. Von der familiären Atmosphäre müssen wir uns aber leider schon wieder verabschieden, denn die Fahrt geht weiter.

Hornburg und Schöppenstedt

Wir fahren durch Hornburg, die als Geburtsstadt von Papst Clemens II und als  historische Fachwerkstadt auch touristisch sehr viel zu bieten hat. Durch den Hopfenanbau im 16. Jahrhundert gehörte Hornburg zu den Hopfenzentren in Norddeutschland. Über Hornburg haben auch schon die beiden Blogger Monika und Achim Meurer in mehreren Blogbeiträgen so einiges schönes geschrieben z.B. hier: Eine Woche im Nördlichen Harzvorland.

Durch eine Umleitung der wir folgen kommen wir eher ungeplant auch durch Schöppenstedt. Natürlich schauen wir dann noch kurz bei Till Eulenspiegel vorbei. In vielen Orten war der Schelm zu „Gast“ und hat dort in früheren Zeiten sein Unwesen getrieben, aber hier in der Region ist seine Heimat. Vor dem Till Eulenspiegel Museum ist er als Skulptur zu finden. Ebenso wie eine weitere ILE Stempelstelle und eine Karte des Eulenspiegel Radweges der zu Originalschauplätzen von Tills Leben führt.

Café Zuckerstube in Wittmar

Als nächsten Halt haben wir das Café Zuckerstube in Wittmar auf dem Plan. Im Garten der Zuckerstube sind einige Strandkörbe aufgestellt, die bei Sonnenschein zum Verweilen einladen. Im ehemaligen Gartenhaus befindet sich die  eigentliche Zuckerstube. Bei unserer Bestellung kommen wir mit Frau Kretschmar, der Inhaberin, ins Plaudern. Sie verrät uns, dass es im Café Zuckerstube nur selbstgebackene Torten gibt, unter anderem auch vegane, lactose- und glutenfreie Kuchen. Für besondere Anlässe können sogar Hochzeits- und Motivtorten bei ihr bestellt werden. Viele Radfahrer nutzen die Nähe zu Wolfenbüttel und machen öfter einen kleinen Ausflug nach Wittmar in das Café.

Zum Bikertreff im Elm

Von Wittmar fahren wir eine kurze aber schöne Strecke durch die Asse und weiter in Richtung Elm. Die Landschaft in dieser Gegend gefällt mir besonders gut, da sie ein wenig hügelig ist. Im Elm steuern wir natürlich den Motorradtreff  am Parkplatz der Waldgaststätte Tetzelstein an. Der Eigentümer Herr Heldt erzählt mir, dass es sich hier um den nächst größten Bikertreffpunkt nach dem Torfhaus im Harz handelt. Hier treffen sich häufig Biker zu einer Zwischenrast auf ihren Touren in den Harz. Der Tetzelstein selbst steht eher ein wenig versteckt zwischen einer Hecke und zwei hölzernen Bildern. Der Sage nach soll 1518 unter dem Stein ein Ablassprediger begraben worden sein.

Im Elm gibt es noch eine sehr schöne Strecke: das Reitlingstal. Eigentlich haben wir auch noch vor, dass Abbenroder Mühlencafé zu besuchen. Aber leider sind wir dafür ein wenig zu spät dran, denn als wir ankommen ist es schon geschlossen. In der Saison (März bis Oktober) gibt es von Donnerstag bis Sonntag Frühstück und Kaffee mit selbst gebackenem Kuchen. An speziellen Tagen gibt es ein kulturelles Programm mit Lesungen, Livemusik, Vorträgen und italienischem Buffet (vom Wolfenbütteler Gastronomen „Da Giovanni“).

Erich genießt hier stattdessen einfach mal einen entspannten Blick in die Landschaft.

Erich genießt den Blick in die Landschaft
Erich genießt den Blick in die Landschaft ©Kerstin Ehrenberg, Stadt Wolfenbüttel

Abschluss beim Rittergut Lucklum

Zum Schluss besuchen wir noch die Wegwarte beim Rittergut in Lucklum. Auf der netten Terrasse wollen wir noch den Tag ein wenig ausklingen lassen. Die Speisekarte bietet für jeden etwas und spezielle Tagesgerichte runden das Angebot ab. Wir haben uns für Pizza entschieden die auch sehr lecker schmeckt.

Nach einer schönen Tour durch das nördliche Harzvorland geht es nun an die Heimfahrt in Richtung Wolfenbüttel. Wir fahren Richtung Westen, dem beginnenden Sonnenuntergang entgegen. In einiger Entfernung entdecken wir sogar noch einen Heißluftballon der gerade zur Landung ansetzt. Ein paar Orte werden wir bestimmt auch in Zukunft wieder besuchen.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang ©Kerstin Ehrenberg, Stadt Wolfenbüttel

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