Peter van de Voort vom »Käseleckerland«,

Genuss- und Aromagarantie beim »Käseleckerland Wolfenbüttel«

Am Kälberanger 17 findet seit über zehn Jahren jeden Freitag ab Mittag ein Käsehofverkauf statt. Mittwochs und samstags bieten Peter van de Voort und die Mannschaft von »Käseleckerland Wolfenbüttel« das reichhaltige Käseangebot auch auf dem Markt an.

Deutsch mit holländischer Melodie

Peter van de Voort ist ein energischer Mensch. Er wirkt zielstrebig, nicht verbissen. Er zeigt sich überzeugt von dem, was er tut. Jedoch ist er nicht überheblich.

Wir sitzen auf seiner Terrasse am Kälberanger und blicken in den Garten, der gerade grünt und blüht. Ein großer Lavendelstrauch verströmt mediterranen Duft, während Wolfenbüttels Käsepapst die Sonnenbrille absetzt und gestenreich, lebendig seine Geschichte erzählt.

Peter van de Voort erzählt mir auf der Terrasse seines Hauses seine spannende Lebensgeschichte.
Peter van de Voort erzählt mir auf der Terrasse seines Hauses seine spannende Lebensgeschichte. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Dass er ursprünglich nicht aus Wolfenbüttel stammt, das höre ich sofort. Die Sprache, die Peter van de Voort fließend beherrscht, ist nicht seine Muttersprache.

Die Melodie der Worte verrät, er kommt aus den Niederlanden – genauer gesagt aus der Mitte des kleinen Landes – und dort, wo ihm das Wort einmal fehlt, entlehnt er fantasievoll und kreativ aus der benachbarten und verwandten Sprache.

Alles, was aus Milch und Gewürzen gemacht werden kann

Der Mann, der in Wolfenbüttel die erste Adresse ist, wenn es um Käse geht, ist nicht nur als Geschäftsmann einfallsreich. In seinem »Käseleckerland Wolfenbüttel« können Wolfenbüttelerinnen und Wolfenbütteler Woche für Woche alles entdecken, was aus frischer Milch, Kräutern und Gewürzen gemacht werden kann. Vor seinem Lager am Kälberanger und auf dem Markt bietet er an, was das Käseherz sich wünscht.

Bei Peter van de Voort, hier bei der Schlossplatzeröffnung, dürfen Groß und Klein probieren.
Bei Peter van de Voort, hier bei der Schlossplatzeröffnung, dürfen Groß und Klein probieren. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Und bald soll der Service ausgebaut werden. Die Kreativität muss Peter van de Voort geerbt haben. Bereits sein Vater dürfte ein untypischer Bauer für die Zeit gewesen sein. In den 50er Jahren konnte er weit über seinen Tellerrand des väterlichen Betriebes hinausblicken und absolvierte einen intensiven Studienaufenthalt in Amerika. »Von dort aus brachte er eine Leidenschaft für Jersey-Kühe mit«, berichtet Peter van de Voort.

Die Leidenschaft für Käse

Das war eine Leidenschaft, die das Schicksal der Familie bestimmen sollte. Denn als Peter van de Voorts Vater den Betrieb übernahm, stellte er bald auf Milchwirtschaft um. Peter und seine Geschwister wuchsen mit Kühen auf, Käse bestimmte ihr Leben.

Und während sein Bruder einen eigenen Betrieb, selbstverständlich mit Jersey-Kühen, hat und den Wolfenbüttler Betrieb mit dem Alten Remeker und den Remeker-Ryp beliefert, dreht sich am Kälberanger natürlich auch alles um dieses genussreiche Lebensmittel.

»Mein Bruder hat einen tollen Bio-Betrieb und macht ausgezeichneten Käse. Wir sind froh, dass er bei den Kunden in Wolfenbüttel den Stellenwert bekommt, den er verdient. Das ist ein komplexer Käse, wie man ihn sonst kaum bekommt«, schwärmt er.

Helmut Oppermann ein Markturgestein, der schon manchem Käseliebhaber eine neue, unwiderstehliche Sorte angeboten hat.
Helmut Oppermann ein Markturgestein, der schon manchem Käseliebhaber eine neue, unwiderstehliche Sorte angeboten hat. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Die Landwirtschaft hat Peter van de Voort geprägt und so kam nach dem Abitur auch nur ein Studium als Agrarwirt in Frage. Zuvor engagierte er sich ein Jahr in Indien als Entwicklungshelfer. Eine wichtige Zeit sei das gewesen, so van de Voort rückblickend.

Von Holland nach Deutschland

»Das Studium hat mir viel gebracht. Im Nachhinein hätte ich gern mehr über Milchwirtschaft gelernt«, erzählt er. Die Situation in den Niederlanden war schwierig, als Peter van de Voort mit dem Studium fertig war. »In Holland ist alles immer sehr gegensätzlich. Entweder ist es bei uns ganz oben oder ganz unten«, schmunzelt er.

Und während damals, in den 90er Jahren dort ein Tiefpunkt zu verzeichnen gewesen sei, wäre es heute umgekehrt. »In meinem Land wird gerade wahnsinnig viel investiert«, meint er.

Vor fast 30 Jahren war Deutschland eine Boomregion. Die neuen Bundesländer lockten Investoren und diese Investoren versprachen Arbeit. »Ich hatte das Glück, über eine Freundin nach Ostdeutschland, in die Altmark zu kommen. Dort suchten sie einen Geschäftsführer für einen großen Milchbetrieb.

Ich habe mich in das Abenteuer gestürzt und bin nach Deutschland gegangen«, erinnert er sich. Ein Problem war das für ihn nicht.

In Deutschland richtig angekommen

Es gab eine deutsche Tante. »Und als Helmut Kohl sich in den 90ern endlich für das begangene Unrecht der Deutschen unter anderem in Rotterdam entschuldigte, entspannte sich die Situation«, so van de Voort.

Für Nachschub ist bei »Käseleckerland Wolfenbüttel« gesorgt.
Für Nachschub ist bei »Käseleckerland Wolfenbüttel« gesorgt. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Sieben Jahre arbeitete er im Osten. Er kaufte sich einen alten Hof. Deutsch habe er damals noch nicht so richtig gelernt. »Und im Betrieb bin ich mit meinem Fantasiedeutsch durchgekommen«, lacht er.

Aufs Deutsche habe er sich konzentriert, als er Anfang der 2000er Jahre seine jetzige Frau kennenlernte. »Die kann zwar recht gut niederländisch, aber mit ihr sprach und spreche ich deutsch«, schmunzelt er.

Als Vater von zwei Kindern ist er nun, seit 2007 in der Lessingstadt angekommen. »Es gibt hier viel Kultur, wir leben naturnah. Besser kann es kaum sein«, schwärmt er.

Peter van de Voort wird Käsehändler

Dass er Käsehändler wurde, war dem Schicksal geschuldet. Der Milchbaubetrieb ging, wie so viele Ostbetriebe pleite, und Peter van de Voort stand ganz plötzlich vor dem Nichts. »Das war eine sehr schwere Zeit für mich«, blickt er zurück.

Mithilfe der Familie habe er die Krise aber überwunden und sich mit einem Tisch sowie zehn Käsesorten auf die Straße gestellt. Heute sind es fast 150.

»Käseleckerland Wolfenbüttel« steht für Genuss pur.
»Käseleckerland Wolfenbüttel« steht für Genuss pur. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

»Ich habe damals auf die Karte geschaut und erst so richtig realisiert, wo ich eigentlich bin. In der Altmarkt gab es kaum Interesse an Käse. In der Nähe liegt Niedersachsen. Also ging ich hierher«, erzählt er.

Die erste Station war 1994 Gifhorn. Dann kam Wolfenbüttel, wo er sein privates Glück fand. »Hier haben wir schon 2007 mit dem Hofverkauf freitags angefangen. 2011 kam schließlich der Wochenmarkt dazu.

Außergewöhnliche Käse-Produkte!

Als Peter van der Voort vor wenigen Jahren den renommierten Braunschweiger Käsehändler Rothe übernahm, sei seine Stellung sicherer geworden. »Natürlich ist die Konkurrenz der Supermärkte groß. Aber wir bieten dem Kunden ganz außergewöhnliche Produkte an. Das wird honoriert«, erläutert er die Firmenphilosophie.

Er packt jetzt begeistert einen kleinen Käselaib aus, der mich während des Gespräches schon die ganze Zeit angeschaut hat.

Auf den Ziegenkäse Royal haben Peter van de Voort und seine Mannschaft ein Jahr lang gewartet.
Auf den Ziegenkäse Royal haben Peter van de Voort und seine Mannschaft ein Jahr lang gewartet. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Mit dem Käsemesser hobelt er ein Stück ab und reicht es mir. Auf der Zunge findet eine Geschmacksexplosion statt. »Ich habe auf diesen Käse ein Jahr gewartet. Wir nennen ihn »Ziegenkäse Royal«. So etwas Grandioses bekommst Du kaum in Deutschland«, schwärmt er.

Ich muss ihm recht geben. Einen derartig außergewöhnlichen Käse habe ich selten probiert.

Qualität ist das Wichtigste!

So entspannt wie er während des Gespräches wirkt, so unerbittlich ist Peter van de Voort, wenn es um die Qualität geht. Als ihn einmal eine Lieferung des bekannten Comtés erreichte, die nicht seinen Geschmacksansprüchen genügte, habe er alles wieder zurückgeschickt.

Freundliche Bedienung ist bei »Käseleckerland Wolfenbüttel« Teil der Firmenphilosophie.
Freundliche Bedienung ist bei »Käseleckerland Wolfenbüttel« Teil der Firmenphilosophie. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

»Natürlich hatten die auch bessere Chargen und die haben wir dann bekommen«, schmunzelt er. Besonders stolz ist Peter van der Voort schließlich auf seinen Schweizer Chällerhocker.

»Von diesem außergewöhnlichen Käse ist sogar mein Bruder begeistert. Und das soll schon etwas heißen«, erzählt er.

Für die Zukunft hat Peter van de Voort große Pläne. Er möchte als Marke und Produkt stärker wahrgenommen werden und arbeitet deshalb auch mit einer Wolfenbütteler PR-Firma zusammen.

Schließlich, meint er, müsse er als Einzelhändler, dem Kaufverhalten der Kunden gerecht werden.

Regional und überregional im Einklang

Jetzt schon ist Peter van de Voort vor Ort präsent und schickt seine Käsespezialitäten in ganz Deutschland herum. Denn er hat einen Internet-Shop. Nun möchte er das weltweite Netz und die Regionalität miteinander verbinden.

Das Ziel: Die Leute können über das Handy bestellen und das Produkt rund um die Uhr in Boxen abholen«, verrät er. Dieses Ziel hat Peter van de Voort fest im Auge.

Alles, was sich das Käseherz wünscht – und immer ganz nah beim Kunden.
Alles, was sich das Käseherz wünscht – und immer ganz nah beim Kunden. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Trotz des Ehrgeizes lässt sich der Geschäftsmann nicht mehr treiben. Sein Betrieb möglichst effizient zu organisieren bedeutet für ihn, mehr Zeit für sich und seine Familie zu haben.

Mit seiner Frau genießt er die Angebotsvielfalt »Alter Musik« in Wolfenbüttel. Auch ins Kino geht er oft. Und für den körperlichen Ausgleich fährt er Fahrrad. Einfach nur zum Spaß, oder er verbindet Geschäftliches und das Sportliche.

Sport als Ausgleich

Seit einiger Zeit besitzt Peter van de Voort einen Anhänger, mit dem er in der Woche Käsesendungen zur Post bringt. »Ich bin sogar schneller am Ziel, das Ganze tut mir gut und umweltfreundlich ist das auch«, meint er.

Ein kleines Paket mit dem köstlichen Ziegenkäse gibt es für mich beim Abschied mit auf den Weg. Peter van de Voort ist wirklich ein Genussbotschafter …

Weitere Informationen zum »Käseleckerland Wolfenbüttel«

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