Filmkunst und Literaturkino in Wolfenbüttel

In unserer Lessingstadt haben wir zwei Kinos. Liebevoll genannt gibt es das „kleine“ Kino in der Langen Straße und das „große“ Kino in der Bahnhofstraße. Beide Kinos haben ihre Liebhaber und ihr Stammpublikum. Ich habe mich mal umgeschaut, was die beiden Kinos neben dem aktuellen Filmangebot noch zu bieten haben.

Filmpalast Wolfenbüttel – das „kleine“ Kino

Filmpalast Wolfenbüttel © Stadt Wolfenbüttel, Dagmar Steffenhagen

Der Filmpalast zeigt neben dem aktuellen Kinoprogramm jeden Montagabend seine beliebte Filmkunstreihe. Dazu habe ich Karsten Mönkemeyer im Kino an der Langen Straße besucht. Gerade herrscht im Foyer noch reges Treiben. Der Film Tabaluga startet bald und viele Kinder laufen herum, holen sich eine Sitzerhöhung oder eine kleine Stärkung an der Kasse. Der Renner im Filmpalast ist Popcorn, welches mehrmals täglich frisch gemacht wird. Einige Mütter kaufen sich noch einen Kaffee, dann startet Karsten Mönkemeyer den Film und hat jetzt ein wenig Ruhe, mit mir zu plaudern. Er hat die Filmkunstreihe von seinem Vorgänger übernommen und leitet den Filmpalast in Wolfenbüttel seit über 20 Jahren. Die Filmkunstreihe hat sich über die Jahre hinweg etabliert und hat zahlreiche Liebhaber. Neben dem treuen Stammpublikum gibt es immer wieder Neulinge, die ganz überrascht über das vielfältige Filmkunstangebot sind.

Karsten Mönkemeyer erklärt mir, dass die Filmkunstreihe in seinem Kino auf einem Zusammenschluss von vielen Kinos in Niedersachsen basiert. Er arbeitet mit der Agentur Kulturprojektor aus Lehrte zusammen, die sich mit der Organisation von Filmreihen beschäftigt. Die Agentur legt einen Schwerpunkt auf Filme aus dem hohen Norden, deshalb könnt ihr im Filmpalast auch mal ganz besondere skandinavische Filme sehen. Karsten Mönkemeyer bringt seine Filmvorschläge mit ein, vor allem gibt er auch die Wünsche seines Publikums weiter. Zu seinen Kunden hat er einen langjährigen persönlichen Kontakt und kennt schon einige Lebensgeschichten. Dieser persönliche Kontakt ist ihm besonders wichtig, daraus zieht er seine Motivation und macht ihm Spaß bei der täglichen Arbeit. Das ist spürbar, als ich ins Kino kam herrscht eine fröhliche und herzliche Stimmung.

Allein im Kino

In der nächsten Staffel freut er sich besonders auf den Film am 25. Februar „Werk ohne Autor“, orientiert an der Biografie von Gerhard Richter. Zu Zeiten der deutschen Teilung gelingt dem jungen Künstler Kurt die Flucht aus der DDR. doch weiter plagen ihn seine Kindheits- und Jugendtraumata, die er während der Herrschaft der Nazis und der SED-Zeit erlitten hat.

Filmpalast Karsten Mönkemeyer 2 © Stadt Wolfenbüttel, Dagmar Steffenhagen

Als Kinobetreiber kommt er leider im normalen Spielbetrieb nicht dazu, sich einen Film anzuschauen. „Wann kann er seinen Wunschfilm ansehen?“, frage ich ihn. Er lächelt ein wenig schelmisch und verrät mir, dass er sich dann vormittags ganz alleine ins Kino setzt und sich seinen Film anschaut, natürlich ausgerüstet mit frischem Popcorn und einer Cola. Leider viel zu selten.

Und sein Wunsch für die Zukunft? Dass der Kinobetrieb so weiterhin bestehen bleibt wie bisher.

Die Filmkunstreihe findet jeden Montag um 20 Uhr statt. Im Kalender habe ich mir schon den Film am 18. Februar vorgemerkt. Es wird eine deutsche Produktion aus dem Jahr 2018 gezeigt, „25 km/h“: Die beiden unterschiedlichen Brüder Georg und Christian treffen sich nach 30 Jahren Funkstille bei der Beerdigung des Vaters wieder und beschließen, einen alten gemeinsamen Traum umzusetzen. Dieser Film ist mit fantastischen Darstellern wie Lars Eidinger, Bjarne Mädel, Sandra Hüller, Franka Potente, Alexandra Maria Lara, Jella Haase, Jördis Triebel und Wotan Wilke Möhring besetzt. Dieses Kinovergnügen werde ich mir nicht entgehen lassen.

Weitere Infos: Filmpalast Wolfenbüttel

CineStar Wolfenbüttel – das “große” Kino

CineStar Wolfenbüttel © Stadt Wolfenbüttel, Dagmar Steffenhagen

Das CineStar gibt es seit 1999 in Wolfenbüttel, in unmittelbarer Nähe des Wolfenbütteler Bahnhofs. Es gehört zum CheckIN, wo ihr neben Kinofilme schauen auch bowlen und übernachten könnt.

Seit etwa 15 Jahren wird im CineStar die Veranstaltungsreihe „Als die Bücher laufen lernten“, auch „CineBook“ genannt, aufgeführt. Wie es dazu gekommen ist, wollte ich doch mal wissen. Dazu habe ich mich mit Frau Petri von Bücher Behr getroffen, die die Veranstaltungsreihe seit 8 Jahren leitet. Ich treffe die sympathische Frau, die sich mir mit einem verschmitzten Lächeln vorstellt, Camilla Petri, wie Camilla Parker Bowles.

Der Bezug zum englischen Königshaus passt, denn heute wird ein Film über Queen Victoria gezeigt. Wir suchen uns im Kino eine gemütliche Ecke und sie erzählt mir, dass sie die Veranstaltungsreihe von ihrem Seniorchef bei Bücher Behr, Hartmut Nitschke, geerbt hat. Er hatte die Idee von Augsburg mitgebracht und wollte Literaturverfilmungen auch in Wolfenbüttel anbieten. Als Kinopartner hatte sich schnell das CineStar gefunden. Eine Filmstaffel läuft von September bis Juni, in dieser Zeit werden 10 Filme jeweils am ersten Dienstag eines Monats gezeigt. Da der Zuspruch über die Jahre hinweg stets gewachsen ist, werden zwei Vorstellungen angeboten, einmal um 17 und einmal um 20 Uhr, mittlerweile im großen Kinosaal.

Publikum bestimmt das Kinoprogramm

Camilla Petri erklärt mir den Ablauf. Eigentlich ist sie das ganze Jahr über mit dem Thema beschäftigt. Sie sucht nach geeigneten Büchern, dann erfolgt die Abstimmung mit dem CineStar: Welche Filmideen gibt es von Seiten des Kinos? Kann das Kino den Film stellen? Auch Wünsche und Ideen der Kunden fließen mit ein, bis eine Liste mit 20 Filmvorschlägen steht. Diese 20 Filmvorschläge schreibt sie auf einen Stimmzettel, und verteilt diese bei der Mai Vorstellung im Publikum. Danach wertet sie die Stimmen zügig aus und präsentiert schon bei der Juni Vorstellung den Kinobesuchern die Ergebnisse, 10 Filme gibt es pro Staffel (im Juli und August finden keine Vorstellungen statt).

Camilla Petri berichtet mir, dass sie bei der Auswahl der Filme besonders auf Qualität achtet, das Angebot soll breit und offen sein, Film und Buch sollten auch zusammen passen, Horror Filme oder harte Krimis wählt sie nicht aus. Als ich nach ihrer Motivation frage, fangen ihre Augen an zu leuchten „Ich liebe Bücher, ich liebe Filme“.

Sie ist eine begeisterte Kinogängerin und erklärt, der Film erzählt anders als das Buch. Sie findet es total spannend wenn Film und Buch unterschiedlich sind, das Buch geht tiefer, der Film weckt mit den Bildern und der Musik mehr Emotionen. Auch der Kontakt zum Kunden ist immer da. Denn einen Tag nach der Vorstellung beginnt der Buch- und Kartenvorverkauf für den nächsten Film. Wenn die Kunden Buch und Kinotickets für die nächste Vorstellung kaufen, herrscht bei Bücher Behr immer ein lebhafter Austausch über den gelaufenen Film, die Nachbesprechung findet also direkt im Laden statt.

Großes Kinoerlebnis

Ich habe mir heute mit meinem Mann den Film „Victoria & Abdul“ angesehen. Buch und Film erzählen die Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen der hochbetagten Queen Victoria und ihrem jungen indischen Diener Abdul Karim. Queen Victoria wird von einer herausragenden Judi Dench gespielt und wir folgen fasziniert der Geschichte über ihre Freundschaft zu dem jungen Inder Abdul. Wie sie von ihm über die ihr fremde Kultur lernt und wie die außergewöhnliche Beziehung der beiden dargestellt wird, ist unwahrscheinlich berührend. Das ist großes Kino.

Als die Bücher laufen lernten © Stadt Wolfenbüttel, Dagmar Steffenhagen

Zwei Filme stehen schon lange auf meiner Wunschliste und ich werde mir diese in der jetzigen Staffel garantiert nicht entgehen lassen: Wunder, Buch: Raquel J. Palcio am 2. April 2019. Ein Filmdrama, wunderbar besetzt mit Julia Roberts und Owen Wilson. Es handelt von einem Jungen namens August, der von allen „Auggie“ genannt wird. Er ist von Geburt an ein Außenseiter, da er aufgrund eines Gendefektes ein stark entstelltes Gesicht hat. Erst mit 10 Jahren nimmt er am regulären Schulunterricht teil.

Der Buchladen der Florence Green, Buch: „Die Buchhandlung“ – Penelope Fitzgerald am 7. Mai 2019. Diese Romanverfilmung ist mit Emily Mortimer, Bill Nighy und Patricia Clarkson hochkarätig besetzt und erhielt auf der Frankfurter Buchmesse den Preis für die beste internationale Literaturverfilmung 2017. Im Zentrum der Geschichte steht das scheinbar „verfluchte“ Vorhaben von Florence Green (Emily Mortimer), die sich nichts sehnlicher wünscht, als die verschlafenen Bewohnern des kleinen Küstenstädtchen Hardborough durch spannende literarische Werke aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken.

Camilla Petris Wunschfilm

Wenn ich Camilla Petri nach ihrem Wunsch für die kommende Veranstaltungsreihe frage, hat sie auf jeden Fall „Der Junge muss an die frische Luft“, Hape Kerkelings Biografie, auf ihrer Wunschliste ganz oben stehen. Das kann ich nachvollziehen, denn das Buch hat mich auch zutiefst berührt. Ich bin ja mal gespannt, wie Julius Weckauf den pummeligen Hans-Peter aus dem Ruhrpott darstellen wird.

Zusammen mit ihrer Kollegin vom CineStar begrüßt Camilla Petri die Kinobesucher bei jeder Vorstellung persönlich mit einem „ganz herzlichen Willkommen“. Camilla Petri stellt das Buch für den nächsten Monat vor und gibt einen kurzen Einblick in die Geschichte, im Januar geht es um die Literaturverfilmung „Das schweigende Klassenzimmer“. Vom CineStar ist Jenny Krüger anwesend und weist auf die besonderen Höhepunkte im CineStar hin: Das CineExtra sowie Ballettaufführungen und Konzerte, die im Kino übertragen werden.

Aktuelle Infos zu der Staffel „Als die Bücher laufen lernten“ findet ihr bei Bücher Behr online. Buch und Kinotickets könnt ihr bei Bücher Behr erwerben.

Weitere Infos und das Kinoprogramm des CineStars.

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