Ingo Lutz vom Optiker Hanssen by Herr Lutz.

»Hanssen by Herr Lutz« kann sich sehen lassen

Für guten Durchblick bei seinen Kunden sorgt seit einem Jahr Ingo Lutz. In seinem Geschäft »Hanssen by Herr Lutz« unter den Krambuden bietet er schicke Modelle, guten handwerklichen Kundendienst und eine persönliche Beratung rund um die Brille. Ich treffe mich mit dem gut gelaunten Geschäftsmann in der Fußgängerzone von Wolfenbüttel …

Heute verbinde ich Vergnügen und Arbeit miteinander: Bevor ich mein Gespräch über den Optiker und sein Fachgeschäft beginne, begrüße ich den Inhaber mit der Frage nach einer neuen Brille. Dabei freue ich mich besonders auf die Brillenanprobe. Früher war das anders. Ich erinnere mich an den unglücklichen Kauf meiner ersten Brille zurück: Damals bekam ich mein erstes »Nasenfahrrad«, als ich in die Schule kam. Keine Ermunterung nahm mir den Schrecken davor, durch meine Brille gehänselt zu werden. Damals musste ich mir sogar noch ein Glas zukleben lassen. Aber seitdem ist viel Wasser die Oker entlang geflossen. Ein paar meiner alten Brillenmodelle sind noch in meiner Kommode verstaut und zeigen, wie sich die Brillen-Mode in den letzten Jahren verändert hat: Groß und gesichtsausfüllend, mit Metall oder »Horn«, rund oder eckig. Mittlerweile sind Brillen für mich zu Kleidungsstücken geworden.

Ingo Lutz steht vor seinem Geschäft Hanssen, für das er die Verantwortung übernommen hat.
Ingo Lutz hat jetzt die Verantwortung bei Hanssen übernommen. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Blick auf Klein Venedig

Über die Jahre führt mich der Weg zu meiner neuen Brille vom Optiker Hanssen heute nicht mehr auf die Reichsstraße, sondern »Unter die Krambuden«. Und aus Hanssen ist jetzt »Hanssen by Herr Lutz« geworden. Herr Lutz ist ein groß gewachsener, schlanker Optiker, der immer Ruhe ausstrahlt. In meinem Beratungsgespräch ist er freundlich und geduldig. Denn ein Brillenkauf ist ja so eine Sache… Nach der Frage, was ich mir denn vorgestellt habe, muss ich zunächst überlegen: Vielleicht wieder rund? Oder weniger auffällig? Während ich beim Überlegen aus dem Fenster von der anderen Seite auf »Klein Venedig« schaue, zieht Ingo Lutz schon ein paar Schubladen auf. Auf den hohen Stühlen habe ich einen prächtigen Blick auf den Okerarm …

Aus dem Fenster des Geschäftes guckt man auf den Okerarm und "Klein venedig".
Bei »Hanssen by Herr Lutz« wartet man bei dem Ausblick gern. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Schwere Entscheidungen

Ingo Lutz präsentiert mir drei Brillen und lässt mir Zeit zum Abwägen und Betrachten. Er taxiert mein Gesicht und meine Statur mit seinem geübten Auge und wirkt sofort zuversichtlich als er mir die erste Brille reicht: »Setzen Sie die Brille mal auf. Ich glaube, die ist etwas für Sie.« Tatsächlich – dieses und sogar die beiden Alternativmodelle passen und gefallen mir. Es ist so als hätten sie auf mich gewartet. Ich probiere alle aus, wechsele und fotografiere mich, um die Brillen zu Hause meinen Lieben vorführen zu können. »Kein Problem. Nehmen Sie einfach alle drei Modelle mit und probieren Sie zuhause einfach alle mit ihrer Familie an«, nimmt mir der Optiker die schwierige Entscheidung für den Moment ab. Er reicht mir lachend einen kleinen Lederkoffer über den Verkaufstresen.

Ein Hingucker in der Altstadt

Bei seinem Geschäft ist schon die Fassade etwas Besonderes. Die Renovierung eines Fachwerkhauses in der Wolfenbütteler Innenstadt ist nicht immer einfach. Im Fall von »Hanssen by Herr Lutz« ist es für meinen Geschmack gelungen. Die Fassade ist mit modernen Elementen durchbrochen und greift auch farblich die Formensprache des alten Fachwerkes auf, ohne dass ich es als Bruch empfinde. Innen ist die Ladeneinrichtung modern und bietet einen gelungenen Kontrast zum historischen Altstadtgefühl. Für unser anschließendes Gespräch bittet mich Ingo Lutz in den Fahrstuhl. Wir fahren in den oberen Teil des Fachwerkhauses Krambuden 3.

Ingo Lutz repariert eine Brille, denn ihm ist das Handwerk des Optikers wichtig.
»Handwerk bleibt für uns sehr wichtig«, meint Ingo Lutz. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Allerlei Apparaturen

»Ein bisschen ist es hier wie auf einem Schiff«, lacht Ingo Lutz, als er den Fahrstuhlknopf drückt und die Kabine nach oben schwebt. Deshalb spricht seine Belegschaft auch von »Decks« statt Etagen. Wir steigen in einem Raum aus, der für mich wie ein modernes Labor aussieht. Im hinteren Bereich steht ein älteres Gerät, das wie ein riesiges Fernglas aussieht. Der Stuhl davor erinnert mich ein bisschen an einen Zahnarztstuhl. Hier wird meine Sehstärke überprüft: Verschiedene Linsen werden vor die Optik gehalten und mit dem Blick auf die Lesetafel im Hintergrund entscheide ich, mit welcher Linse ich besser oder schlechter gucken kann. Auch moderne Technologie befindet sich vor Ort. »Dieser Apparat misst ganz automatisch die Sehstärke«, erklärt mir Ingo Lutz und deutet auf einen futuristisch wirkenden Kasten.

Viele Interessen

Der Optiker schenkt mir ein Glas Wasser ein und ich bitte ihn, mir etwas über sich zu erzählen. Er lacht und schon nach wenigen Augenblicken wird mir klar, dass ich über diesen Geschäftsmann wahrscheinlich mehrere Porträts schreiben könnte. Ingo Lutz ist ein positiver und leidenschaftlicher Mensch. Vor 32 Jahren hat er sein erstes Praktikum beim Optiker Hanssen gemacht und den Laden vor einem Jahr übernommen. »Ich habe es immer als Glück empfunden, dass ich in diesem Bereich mit so viel Beständigkeit rechnen konnte. Die Beständigkeit hat mir die Sicherheit gegeben, um andere Dinge auszuprobieren«, erklärt er. Denn neben dem Beruf des Optikers ist Ingo Lutz ein begeisterter Snowboarder, ein professioneller Musiker und ein leidenschaftlicher Koch.

Ingo Lutzt spielt E-Gitarre, Aber heute schreibt er lieber selbst Lieder.
Auch, wenn er heute lieber selbst Lieder schreibt. Ab und zu greift Ingo Lutz noch gern in die Seiten. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Den Weg zu Hanssen fand er zufällig, erinnert er sich: »Ich war damals mit meiner Mutter in Wolfenbüttel in der Fußgängerzone einkaufen und wir kamen bei Hanssen vorbei. Ich musste ein Schulpraktikum machen.« In dieser Zeit war Ingo Lutz ein absoluter Indianer Jones Anhänger und wollte unbedingt Archäologe werden. »Na ja, Augenoptiker fing immerhin auch mit „A“ an. Also dachte ich – das könnte was für mich sein«, lacht er.

Gesucht – gefunden

Was folgte, war eine Geschichte aus der Rubrik: gesucht – gefunden. »Von Anfang an wurde ich im Praktikum in die Arbeit eingebunden. Ich war nicht nur zum Zugucken da, sondern konnte richtig mit anpacken. Das hat mir natürlich gefallen«, lobt er. So muss ein Schülerpraktikum sein: Lust auf den Beruf machen, um dann mit Engagement und einem Ziel vor Augen wieder in den Unterricht zu gehen. Bei Ingo Lutz war das so. Sein Beruf ist ihm auch nach vielen Jahren nicht langweilig geworden. »Ich habe hier verschiedene Bereiche, die miteinander verbunden sind. Da ist zum einen der handwerkliche Aspekt, der für uns bei Hanssen nach wie vor sehr wichtig ist. Wir reparieren Brillen und kümmern uns auch um scheinbar aussichtslose Fälle. Zum anderen ist da der modische Aspekt. Wie passt eine Brille zu der Person und unterstreicht seine Persönlichkeit? Dafür muss ein guter Optiker ein Auge haben. Er muss dem Menschen zuhören und mit ihm sprechen können«, beschreibt er. Außerdem hat er sich in den letzten Jahren um das Marketing des Betriebs gekümmert. Jetzt, nach der Übernahme, ist das sowieso eine zentrale Aufgabe. Ingo Lutz organisiert immer wieder tolle Aktionen für seine Kunden. Neulich schenkte er für seine Kunden zum Beispiel seinen Lieblingsgin aus. Das Logo gefiel ihm so gut, dass Ingo Lutz von der Firma für die Erstellung seines eigenen Schriftzugs wissen wollte, wer es gemacht hat. Der Gin-Hersteller war selbst verantwortlich und erstellte daraufhin auch den Namenszug »By Herr Lutz«. Wer die Gin-Probe verpasst hat, den kann Ingo Lutz beruhigen: »Die Aktion habe ich bestimmt nicht das letzte Mal gemacht…!«

Der Hersteller des Lieblings-Gin von Ingo Lutzt erstellte den Namenszug »By Herr Lutz«.
Ingo Lutz hat immer auch tolle Aktionen. Neulich schenkte er für seine Kunden zum Beispiel seinen Lieblingsgin aus.Der Gin-Hersteller erstellte den Namenszug »By Herr Lutz«. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Ein Musiker aus Leidenschaft

Ingo Lutz bespielt die Kanäle der Sozialen Netzwerke wie Instagram und Facebook. Und er mag es, wenn sich Dinge verknüpfen lassen. In Wolfenbüttel, so Lutz, sei das gut möglich: »Die Stadt ist gleichzeitig lebendig und entschleunigt. Die Einzelhändler kennen sich untereinander und arbeiten Hand in Hand.« So hat er zum Beispiel mit dem Gourmetmarkt Röber Rezeptkarten hergestellt. Eine neue Idee sind Karten mit Musiktiteln, die bei dem Musikdienst »Spotify« angehört werden können. Alle Musiktitel haben etwas mit den Themen »Brille« und »Augen« zu tun.

Zur Brille gibt es jetzt auch eine Musikkarte.
Zur Brille gibt es jetzt auch eine Musikkarte. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Musik ist eine alte Leidenschaft vom Ingo Lutz, denn die habe ihn in seinem Leben stets begleitet: Von der ersten Schülerband in der Cranachstraße, über Coverbands, die ihn durch ganz Deutschland reisen ließen, bis hin zum »Singer Songwriter«, als der er vor einigen Jahren eine eigene CD-Produktion herausbrachte. »Deeper into the Waitingroom« heißt sein neues Werk, das musikalisch an die 60er Jahre erinnert.

Ingo Lutz sitzt am Regler des Mischpultes und ist immer hoch konzentriert.
Am Regler des Mischpultes ist Ingo Lutz immer hoch konzentriert. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Die Zukunft des Einzelhandels

Immer, wenn es seine Zeit zulässt, besucht Ingo Lutz den Tonmeister in der Landesmusikakademie und diskutiert mit ihm über Klänge und Sound. Wenn Ingo Lutz an den unzähligen Reglern sitzt und Tonspuren hoch-und runterzieht, arbeitet er genauso konzentriert, als wenn er eine Brille einschleift. Den Einzelhandel in die Zukunft zu führen – dieser Herausforderung stellt er sich lebenslustig. Ein Erfolgsrezept, um Qualität und. Kundenorientierung in diesem Segment zu halten, sei ein gutes Betriebsklima. Nur zufriedene Mitarbeiter gehen offen auf die Kunden zu. Mode, gute Beratung und handwerkliches Können sind schließlich weitere Zutaten für sein Rezept als selbstständiger Optiker. »Ich habe Lust auf meinen Job«, versichert er mir bei unserer Verabschiedung und reicht mir lachend das Lederköfferchen nach. Die Vorarbeit hat Ingo Lutz geleistet. Die Entscheidung, welche Brille es denn nun sein soll, muss ich selbst treffen.