Robin Hood für einen Tag: Ein Besuch im Bogenschießcenter

Früher war ich* der absolute Robin Hood Fan. Ich hab immer mitgefiebert, wenn mein Kindheitsheld mit Pfeil und Bogen durch den Wald von Nottingham zog, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Und genau dieses Abenteuer darf ich nun, zwar ohne Wald aber dafür im einzigen Bogenschießcenter Europas in Wolfenbüttel, erleben. Also kommt mit mir und meinen zwei Kolleginnen und erlebt einen abenteuerlichen Nachmittag mit Pfeil und Bogen!

Gespannt wie ein Flitzebogen

Es ist Dienstagnachmittag. Eigentlich wollen Stephanie, Christin und ich zusammen mit dem Fahrrad zum Bogenschießcenter fahren – das Wetter macht uns jedoch einen Strich durch die Rechnung. Somit beschließen wir, das Auto zu nehmen (Juhu!). Aus der Innenstadt Wolfenbüttels fahren wir circa 13 Minuten, also quasi ein Katzensprung. Ich sitze mit gemischten Gefühlen im Auto – einerseits weil ich nun bald zum ersten Mal in meinem Leben einen Blogartikel schreiben werde – wovor ich etwas Respekt habe – und andererseits weil ich total aufgeregt bin, da ich zum ersten Mal in meinem Leben Bogen schießen werde. Das Gebäude des Centers wirkt zunächst unscheinbar und lässt nicht auf das kleine Abenteuer schließen, das uns gleich erwartet. Die Dame im Center empfängt uns sehr freundlich. Wir haben Glück, denn wir können die 36 Schießbahnen mit je 10 m Länge komplett ausnutzen, denn wir sind alleine dort. Wir gehen zusammen in eine der zwei Schießhallen, damit uns die wichtigsten Verhaltensweisen und Abläufe beim Bogenschießen erklärt werden.

Zielscheiben
Die Zielscheiben werden extra für das Bogenschießcenter gebaut. © Christin Laubender, Stadt Wolfenbüttel

„Hoch, spannen, kuscheln, Schuss“

Ich denke immer „Ja dann nimmst du den Pfeil und Bogen und dann schießt du einfach los“ – doch falsch gedacht. Es gibt einiges zu beachten, woran ich niemals denken würde. Wichtig ist vor allem der Stand, denn dieser muss parallel und seitlich zum Ziel sein. Ich dachte immer, dass ich mich einfach nach vorne gerichtet zum Ziel stelle und loslege. Da sieht man mal, wie gut ich mich auskenne. Die nette Dame erklärt die Vorgehensweise für den perfekten Schuss dann noch einmal recht kurz: „Hoch, spannen, kuscheln, Schuss“. Wenn diese Anweisung befolgt und schön „gekuschelt“ wird, dann fliegt der Pfeil immer gleich. Ihr fragt Euch sicher, genauso wie ich auch, „Was meint sie mit kuscheln?“. Also, wenn Ihr den Bogen nach oben platziert, den Pfeil spannt und den Bogen etwas zur Seite dreht, dann müsst Ihr mit Eurer Hand, mit der ihr gerade tatkräftig den Bogen spannt, kuscheln (so wie mit Euren Liebsten 😉 ).

Christin kuschelt mit ihrer Hand
Christin kuschelt mit ihrer Hand, um den Bogen richtig zu spannen. Den Armschutz hat sie hier noch falsch angelegt. Damit sie sich nicht verletzt, schauen die Mitarbeiter immer wieder vorbei und korrigieren unsere Technik und den Armschutz 😉 © Stephanie Angel, Stadt Wolfenbüttel

Wichtige Informationen

Außerdem sollen beide Augen zum Ziel gerichtet sein. Es verleitet sehr dazu, ein Auge zuzukneifen – was ich gerne tue. Ein kleiner Nachteil beim Bogenschießen ist mir jedoch schon am Anfang aufgefallen. Jeder Pfeil, den Ihr abschießt, müsst Ihr auch selber zurückholen. 😉 Total einleuchtend ist auch die Information, dass erst alle Bögen zurückgehängt werden, bevor man seine Pfeile wieder einsammelt. Klar, wer käme denn auch auf die Idee, im Schussfeld umherzulaufen und zu riskieren von einem Pfeil der anderen getroffen zu werden?! Nun ja, unbedachterweise hatte ich genau dies vor, hätte man mich nicht aufgehalten … wieder was gelernt!

Köcher
Der selbstgebaute Köcher dient gleichzeitig als Bogenhalter. © Stephanie Angel, Stadt Wolfenbüttel

Es geht ans Schießen

Die Theorie kenne ich jetzt, also auf ans Schießen. Ich möchte jetzt endlich mein „Können“, oder auch „Nichtkönnen“, unter Beweis stellen. Insgeheim befürchte ich eher Letzteres, aber mal abwarten. Wir müssen dennoch einen letzten Test vorher machen, damit wir herausfinden, welches Auge von uns dominant ist. Diesen Test machen wir, indem wir durch ein Stück Leder mit einem runden Loch unsere Lehrerin anschauen, die daraus erkennen kann, ob wir eine „Links- oder Rechtsguckerin“ sind. Mein dominantes Auge ist das Rechte (ich bin sowieso der Mensch, der einfach alles mit rechts macht), bei Stephanie und Christin ist es das Linke. Damit wir uns nicht mit dem Bogenspanner am Arm verletzen, legen wir noch einen Armschutz an. Ich entscheide mich für den Langbogen, da er mir besser in der Hand liegt. Zudem ist er leichter und ist gut für Anfänger geeignet, also passt er perfekt zu mir. Auch die anderen zwei entscheiden sich für den Langbogen. Die Stärke des Bogenspanners wird uns jedoch zugeordnet, da dies von der körperlichen Statur und der Kraft eines jeden abhängig ist.

Recurvebögen und Langbögen
Im Vordergrund die Recurvebögen, im Hintergrund die Langbögen. © Christin Laubender, Stadt Wolfenbüttel

Den Bogen haben wir nun – jetzt fehlen nur noch die Pfeile. Da Christin und ich sehr lange Arme haben, und somit auch den Pfeil weit spannen können, nehmen wir die langen Pfeile.

Pfeile in unterschiedlichen Längen
Verschiedene Pfeile. © Stephanie Angel, Stadt Wolfenbüttel

Soll ich jetzt wirklich loslassen?

Die nötige Ausrüstung haben wir jetzt – also kann es losgehen. Ich darf anfangen und bin mindestens so gespannt wie mein Bogen. Ich hoffe, dass ich mich zumindest halbwegs geschickt anstelle. Dann hebe ich also den Bogen, spanne meinen Pfeil, kuschel ausgiebig mit meiner Hand und fokussiere mein Ziel. Die Überwindung loszulassen ist jedoch sehr groß, also frage ich „Soll ich wirklich jetzt loslassen?“ Und nicht nur ich tue das, auch Christin fragt nochmal nach. Ich glaube das ist eine Kopfsache und kostet Überwindung, auf etwas zu schießen. Na gut – gesagt, getan. Ich lasse also los und ich treffe… natürlich nicht. Auch meine nächsten zwei Schüsse fliegen ins Leere, doch ich lasse mich nicht entmutigen, auch wenn es bei Christin und Stephanie schon deutlich besser klappt. Aber wie sagt man noch so schön? Übung macht den Meister und die fallen nicht vom Himmel. Der Feinschliff fehlt halt noch bei mir. Viele weitere Schüsse treffen alles andere – aber nicht die Zielscheibe, bis mir die Dame erklärt, dass ich die Höhe des Schusses mit meinem Kopf beim kuscheln koordinieren muss.

Bogenschützin
Ich gebe mein Bestes! © Stephanie Angel, Stadt Wolfenbüttel

Wo ein Wille ist, da gibt es auch einen Weg

Also weiter geht es. Ich senke meinen Kopf etwas und es klappt dadurch schon etwas besser! Ich merke, dass es sehr auf die Körperhaltung ankommt. Wir üben noch einige Male, doch dann wollen wir mehr gefordert werden. Um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen und um die Treffgenauigkeit zu steigern, hängen wir an jeder Zielscheibe einen Luftballon auf, den wir zum Platzen bringen sollen. Und siehe da – endlich war ich mal die Erste, die das geschafft hat! Das Glücksgefühl ist einfach super, wenn man dann nach mehreren Fehlschüssen trifft, jippieh! Es gibt auch noch verschieden große Ringe, die aufgehängt werden können, um mit den Pfeilen das Innere zu treffen. Nach mehreren Schüssen ziehen wir in eine andere, etwas kleinere Schießhalle um, da eine große Gruppe Männer den größeren Raum gebucht hat. Zu uns gesellt sich noch ein älterer Herr, der konsequent einen Pfeil nach dem anderen abschießt. Total fokussiert. Er wirkt so, als wolle er sich nur auspowern und seinen Kopf freibekommen. Ich finde das wirklich gut, wenn es etwas gibt, womit jeder wieder auf den Boden kommt und genau diese Eigenschaft bringt Bogenschießen mit sich.

Zielscheibe mit Luftballon
Knapp vorbei ist auch daneben. Den Luftballon zu treffen ist gar nicht so einfach. © Christin Laubender, Stadt Wolfenbüttel

Ob ich das erneut machen möchte?

Das Bogenschießen hat mir echt viel Spaß gemacht. Vorher befürchtete ich, dass ich mich langweile aber das ist überhaupt nicht der Fall. Ich kann mir gut vorstellen, öfter einmal Bogen zu schießen, vor allem in einer größeren Gruppe, um dann z.B. Spaßturniere zu veranstalten. Feiern oder Gruppenausflügen könnte durch diese Freizeitaktivität durchaus Würze verliehen werden. Sehr interessant finde ich auch, dass sich das Bogenschießen positiv auf orthopädische Beschwerden, wie zum Beispiel Rückenbeschwerden und seelische Probleme, auswirkt. Total spannend finde ich auch, dass die Zielscheiben vom Eigentümer selbst entwickelt werden und so gesehen ein „Unikat“ sind. Die Frau erzählt uns zudem, dass oft Einzelpersonen vorbeikommen, um den Alltagsstress zu verarbeiten. Sogar eine über 80-jährige Frau kommt jede Woche, um ein paar Pfeile zu schießen – total witzig! Auf die Frage hin, wie alt man mindestens für das Bogenschießen sein muss, antwortet mir die Frau „Das kann man nicht sagen, denn die Motorik muss einfach stimmen.“ Ich denke, der nächste Ausflug beim Besuch meiner Familie wird in das Bogenschießcenter gehen – inklusive Omi! 😉

Bogenschützin mit Scheiben
Ringe und Luftballons erhöhen den Schwierigkeitsgrad. © Stephanie Angel, Stadt Wolfenbüttel

Die Öffnungszeiten, Preise und alles Weitere findet ihr unter: www.bsc-wf.de

*Wer ist eigentlich „ich“?
Ich bin Wiebke und komme ursprünglich aus dem schönen Ostfriesland. Ich wohne mittlerweile in Braunschweig und studiere Stadt- und Regionalmanagement an der Ostfalia Hochschule in Salzgitter. Ich blogge hier im Rahmen meines dreimonatigen Praktikums in der Tourismusabteilung der Stadt Wolfenbüttel.

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