Mina Alievska von Red Door. © Denver Künzer, Stadt Wolfenbüttel

»Red Door« – Lieblingsstücke statt Wegwerfmode

Mina Alievska ist die Inhaberin des Geschäftes »Red Door« auf der Okerstraße. Hinter der imposanten roten Tür ihres Ladens finden sich jede Menge Einzelstücke und ausgefallene Modestücke.

Beim Bummeln durch die Okerstraße fällt mir die dreiteilige Kassettentür mit verspielten Ornamenten sofort auf. Passend zur roten Eingangstür hat das Modegeschäft den Namen »Red Door« und präsentiert dahinter ein Modeangebot für ausgefallene Damenbekleidung – aus erster und zweiter Hand.

Die markante Eingangstür zeigt den Kunden, wo sie das Geschäft betreten können: durch die rote Holztür.
Viel Mode und eine lange Geschichte hinter der „roten Tür“. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Ich treffe mich mit der sympathischen Geschäftsfrau Mina Alievska, um mehr über die Braunschweigerin aus Mazedonien zu erfahren. Ihr Weg nach Wolfenbüttel beginnt Ende der 60er Jahre, als sich ihre Familie auf den Weg ins fremde Deutschland gemacht hat, dessen Wirtschaft gerade boomte.

Eine spannende Geschichte

Ich werde fröhlich von Mina Alievska zu unserm Gesprächstermin empfangen. Beim Betreten des Geschäftes stehe ich vor einem kleinen Flügel, auf dem Deko-Sachen, Accessoires und Schals stehen oder liegen. In den Regalen entdecke ich ungewöhnliche Schuhmode – ein bisschen flippig und extravagant, aber auch schöne Kleider, Blusen und Röcke. Ich merke schnell: Die Sachen hier sind nicht alltäglich.

Mitten im Geschäft steht ein Klavier.
Ein neues Hobby für Mina Alievska: Das Klavierspielen. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Es ist heute ein wenig Luft im Betrieb und wir setzen uns in bequeme Sessel – ebenfalls wunderbare Einzelstücke. Mina Alievska zeigt mir kurz eine Notiz aus einem Stadtmagazin in dem eigentlich alles drin stünde, was wichtig sei. Lachend merkt sie an, dass wir uns aber trotzdem gerne unterhalten können.

Am Anfang stand die Lehre

Natürlich sei Braunschweig ihr Zuhause. Dort ist Mina Alievska aufgewachsen und zur Schule gegangen. Hier machte sie ihre Schneiderlehre. Also »so richtig« mit Maßkonfektion für Damen. Die Inhaberin von »Red Door« kennt sich also von der Pike auf mit Mode aus. Schon ihre Mutter war Schneiderin.

Aber Heimat, das seien für sie viele Orte. Sie kam mit ihren Eltern damals als Gäste aus Jugoslawien, wurde in Deutschland heimisch, aber trug natürlich die alte Heimat noch im Herzen. »Meine Eltern haben es uns vorgemacht, wie es ist, die Heimat zu verlassen und eine neue Sprache zu lernen. Vielleicht hat uns das besonders geprägt«, sinniert sie.

Bei Red Door gibt es auch Accessoires wie Ohrringe, Anhänger oder Handschuhe.
Große und kleine Sachen gibt’s bei Red Door. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Und als Südländerin nähme sie das Leben sowieso leichter, lacht sie. Es gebe weniger Bürokratie und mehr Lust auf das Neue.

Mode und Cocktails

Gleich nach der Ausbildung schlug die junge Frau gemeinsam mit ihrer Schwester ganz neue Wege ein. Zusammen gingen die Schwestern durch »dick und dünn«. »Meine Schwester hat in Braunschweig die besten Cocktails gemacht, also haben wir zusammen in einem Café und Cocktailbar angefangen zu arbeiten«, erinnert sie sich.

Nach wenigen Jahren übernahmen sie das Geschäft mit einem dritten Partner. Das Café bauten sie komplett um. In der ersten Etage konnte man gemütlich sitzen, in der zweiten luden Billardtische und Spielautomaten zum Verweilen ein. Wenn Mina Alievska über diese Zeit spricht, scheint es, als habe es gar nichts anderes geben können, als sich nach einer Schneiderlehre in der Gastronomie selbstständig zu machen.

Bei red Door gibt es ausgefallene Schuhe, die auch als Weinflaschenhalter benutzt werden können.
Das ist übrigens ein Schuh. Neben solchen ausgefallenen Sachen gibt es bei Red Door aber auch „ganz normale“ Modelle… © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Und wenn sie über das Ende der Etappe erzählt, fällt kein böser Ton. Der dritte Partner habe einfach andere Vorstellungen gehabt. Die Schwestern hätten ihm deshalb ihre Anteile verkauft und etwas Neues aufgemacht. »Ich war mit Mode natürlich durch meinen Beruf immer verbunden und so kauften wir uns mit dem Geld eine Boutique«, meint sie fast lapidar. Schicke Mode, Party und Kleider sei das Konzept gewesen. Das Geschäft lief einige Jahre gut, bis dann 1997 Spanien lockte.

Reif für die Insel

»Damals etablierten sich große Modemarken wie H&M und wir dachten, das ist eine gute Zeit, um den Laden wieder zu verkaufen«, erzählt sie mir. Spanien habe die beiden vielleicht ein bisschen an ihre mazedonische Heimat erinnert. Jedenfalls hatten die Schwestern den Schritt nach ein paar Besuchen auf Mallorca gewagt.

»Wir waren da ganz offen. Mit dem Geld hatten wir eine gewisse Reserve. Meine Schwester konnte die Sprache schon richtig gut und ich war auch nicht schlecht in Spanisch«, erinnert sie sich. Als sie auf die Insel kamen, war längst nicht klar was sie machen würden. Mallorca habe die beiden von Anfang an fasziniert.

Taschen und Schmuck sind auch im Angebot.
Taschen und Schmuck sind auch im Angebot. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Die Schwester arbeitete in der Modebranche. Mina Alievska jobbte zunächst ebenfalls. Zur Jahrtausendwende machte sie sich dann in der Immobilienbranche selbstständig. Zu dieser Zeit hatte sie auf Mallorca in dieser Branche gute Chancen, weil sie Deutsch gesprochen hat, erzählt sie mir bescheiden.

Die südländische Lebensweise und Schicksalsschläge

Außerdem sei ihr die Lebensweise auf Mallorca entgegengekommen: »Dort ist nicht alles so kompliziert wie in Deutschland. Es fragt niemand nach einer Ausbildung oder Zeugnissen. Es zählt nur, was Du kannst.«

Vielleicht wäre alles so weitergegangen, aber in kurzer Zeit musste Mina Alievska gleich mehrere Schicksalsschläge verkraften. Zuerst verstarb 2011 ihre Schwester und ihre Mutter wurde krank. »Familie ist wichtiger als der Beruf und die Karriere, also bin ich wieder nach Braunschweig zurückgegangen, um mich um meine Mutter zu kümmern«, erklärt sie.

Eine christliche Figur steht ebenfalls in dem Geschäft von Mina Alievska.
Im Glauben fand Mina Alievska Halt. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

In dieser Zeit ruhte die Arbeit – jedenfalls die, für die es Geld gibt. Dann verstarben ihre Mutter und schließlich ihr Vater, der in New York lebte. »Auch in dieser Metropole kann ich mir vorstellen zu leben, weil ich dort inzwischen durch meine Aufenthalte viele Menschen kenne«, so Alievska.

New York, Mallorca oder Braunschweig? Und wie sollte ihr Leben jetzt überhaupt weitergehen?

Der Weg zurück

Es sei der Glaube gewesen, der sie aus der Krise gerettet habe. »Es ist nicht eine einzige Religion. Viele Religionen haben mir jeweils etwas mitgegeben und zusammen habe ich meine eigenen Vorstellungen entwickelt«, sagt sie. Die Gewissheit, dass es einen höheren Sinn gebe, stärke sie bis heute.

Mina Alievska überschlug finanziell das, was aus ihrer langjährigen Selbstständigkeit übrig war und kam zu dem Schluss, dass es für ein klassisches Modegeschäft nicht reichen würde. Deshalb suchte sie nach neuen Möglichkeiten und kam auf die Idee, Second-Hand-Sachen zu verkaufen. Nicht 0-8-15-Klamotten. Es sollte etwas Besonderes sein, was sie anbieten würde.

Mina Alievska fühlt sich in ihrem Geschäft richtig wohl.
Mina Alievska fühlt sich in ihrem Geschäft richtig wohl. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Also besuchte sie ihre Freunde in Spanien, sammelte für den Neustart ausgesuchte Kleidungsstücke und fand schließlich entsprechende Räume in Wolfenbüttel. In Braunschweig habe sich nichts Passendes ergeben und da sei der Tipp einer Freundin, die in der Lessingstadt lebt, gerade recht gekommen. »Meine Freundin sagte mir, dass es in Wolfenbüttel Ladenlokale für einen akzeptablen Mietpreis gibt. Also habe ich den Schritt gewagt«, erinnert sie sich.

Keine Langeweile

Seit drei Jahren nun finden die Kundinnen hinter der »Roten Tür«, ausgesuchte Einzelstücke, aus erster Hand von interessanten Designern und kommissionierte Ware aus zweiter Hand. Dazu gibt es Schmuck, Taschen, Schuhe und alles, was zum Thema Mode gehört.

Es gibt einen Geschenkgutschein von Red Door.
Red Door zum Verschenken. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Inzwischen habe sich herumgesprochen, welches Angebot es bei »Red Door« gibt, freut sich Mina Alievska, während sie mich zum Ausgang begleitet. An dem Flügel, auf dem ein Flyer für eine Musikschule liegt, bleiben wir stehen. »Klavierspielen habe ich jetzt auch noch angefangen«, schmunzelt sie. Das mache ihr richtig viel Spaß.

Langweilig scheint es ihr jedenfalls nicht zu werden. Und neben Mode hat Mina Alievska so viele Interessen, dass ihr die Ideen nicht ausgehen werden. Als ich durch die historische Holztür das Geschäft verlasse, freue ich mich, dass »Red Door« eine dieser Ideen ist, von denen Wolfenbüttel hoffentlich noch lange profitiert.

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2 Gedanken zu “»Red Door« – Lieblingsstücke statt Wegwerfmode

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