Die frische Küche im »Pantopoleio«.

»Pantopoleio« – eine Reise nach Griechenland

Auf der Okerstraße gibt es seit Kurzem einen neuen Griechen, und was für einen. Mit dem »Pantopoleio« hat sich Christos Andrelos einen Traum verwirklicht und lässt damit die seiner Gäste wahr werden…

Eine griechische Oase in Wolfenbüttel. © Denver Künzer
Eine griechische Oase in Wolfenbüttel. © Denver Künzer

»Drei Stühle, um glücklich zu sein«

Es geht mir ständig so. Jede, fast jede Situation erinnert mich an ein Lied oder ein Zitat. Die Kinder verdrehten früher schon immer die Augen, wenn statt der Antwort eine Liedzeile kam. So geht es mir auch heute, als ich durch die Rosengasse über die neue Straße zur Okerstraße schlendere.

»Mio imera tha chriasto, tris karekles ke ego ja oli mu tin eftichia.« Natürlich klingen die Worte in meinem Kopf so, wie wenn Kinder englische Lieder imitieren. Aber ich weiß, es geht um »Drei Stühle«. Denn der Rest des Textes von Reinhard Mey ist auf Deutsch.

Griechisches Bier… © Denver Künzer
Griechisches Bier… © Denver Künzer

Das »Pantopoleio« steht auf dem Programm

Heute steht Griechenland auf dem Programm. Das Land, das ich seit den Vorlesungen über die Antike in meinem Studium unbedingt besuchen wollte. Leider hat es bisher nur zum Restaurant um die Ecke gereicht. Jetzt ist das »Pantopoleio« dran.

»Pantopoleio« bedeutet »Tante-Emma-Laden«, wie ich vorher schon auf der Netzseite des Restaurants gesehen habe. Wir sind neugierig. Das heißt, ich bin neugieriger, denn Denver war mit seiner Familie bereits einmal dort.

Eine beeindruckende Bar im Pantopoleio. © Denver Künzer
Eine beeindruckende Bar im Pantopoleio. © Denver Künzer

Gerichte mit »echten« Namen

Der Gastraum wirkt frisch und einladend. Freundliche Gelbtöne, Dekoration ohne Schnickschnack. Eine beeindruckende Bar, auf die wir von einer Balustrade aus hinabschauen. Dort wurden wir vorausschauend hingesetzt – des guten Blickes wegen.

Denver hat wieder ordentlich gefastet und ich bin vorher eine Runde durch die Asse gelaufen. Wir dürfen uns also etwas vornehmen. Der Blick in die Karte begeistert. Hier gibt es keine namenlosen Nummern und die üblichen Gyrosvariationen. Stattdessen können wir neue Gerichten mit »echten« Namen entdecken.

Das ist ein Grillteller… © Denver Künzer
Das ist ein Grillteller… © Denver Künzer
Griechische Pasta verwöhnt. © Denver Künzer
Griechische Pasta verwöhnt. © Denver Künzer

»Grillteller reicht«, sagt Christos Andrelos

Bei den Hauptspeisen bleibe ich sofort hängen: Pastizada. Da lockt geschmortes Rindfleisch auf Spaghetti mit fruchtiger Tomatensauce, die mit Zimt und Lorbeer, Knoblauch, Olivenöl und Preiselbeeren abgeschmeckt ist. Das Ganze ist mit Kefalograviera-Käse – den Namen hatte ich noch nie gehört – garniert.

Hier hätte auch Denver zugeschlagen. Aber: Diesmal bin ich dran. Trotzdem darf er probieren. Er freut sich auf einen gemischten Grillteller. »Der muss bei mir nicht Apollo-Teller heißen«, wird uns Christos Andrelos später erzählen, nachdem er geduldig sein voll besetztes Restaurant bekocht hat. 

Im Pantopoleio gibt es großartige griechische Weine. © Denver Künzer
Im Pantopoleio gibt es großartige griechische Weine. © Denver Künzer

Griechischer Wein – und Bier

Vorher gibt es die Getränke. Denver nimmt ein griechisches Bier, das auf den Namen Mythos hört und ich ein Gläschen weißen Wein, Skouras. Weißwein und Bier sind gleichermaßen frisch und lecker. Später, zur Hauptspeise trinke ich noch einen Roten. Die Karte ist klein aber fein.

Da werden als Vorspeise etwa eine Linsencreme, Fava, ein Gemüsepfännchen, Briam oder »Gigantes Boujourdi« angeboten – weiße Bohnen in Tomatensauce. Die Griechen haben das Pech, dass die erste Einwanderergeneration vor allem auf Gyros und Souflaki gesetzt hat und nicht, wie ihre italienische Kollegen, auf Bruschetta und Ossobuco.

Ntakos statt Bruschetta… © Denver Künzer
Ntakos statt Bruschetta… © Denver Künzer

Ntakos statt Bruschetta

Die Bruschetta ist mit Ntakos – wir sollen das »N« nicht sprechen – zu vergleichen. Die Tomatenwürfel warten allerdings auf einem kretanischem Zwieback auf den Verzehr, und sie sind mit Olivenöl, Zwiebeln Knoblauch und Oregano mindestens genauso lecker.

Auch bei den Hauptspeisen fällt die Auswahl schwer. Da gibt es Spanakoriso, ein Spinatrisotto oder einen griechischen Nudelauflauf mit Namen Pastizio oder das klassische Mousaká. Bei Denvers »Mixed Grill« werden erfreulicherweise Rosmarinkartoffeln statt Pommes gereicht.

Genießen und verweilen. © Denver Künzer

»Hier wird Wert auf Gastlichkeit gelegt«, sagt Denver

Wir lassen es uns gut gehen und verweilen ausgiebig bei den Vorspeisen: in Teig gebackener Feta mit Honig, die Ntakos und ein Schlag Zaziki. Alles ist lecker, die Bedienung ist freundlich und umsichtig. An den voll besetzten Tischen im Gastraum sitzen lauter zufriedene Gäste, wie wir von oben beobachten können. 

»Hier wird Wert auf Gastlichkeit gelegt«, meint Denver, nachdem er ein zweites Bier bestellt hat. Die Zeit hat keine Schwere. Wir verweilen gern. Die Vorfreude auf die Hauptspeise ist groß. Und sie wird erfüllt. Denvers Grillteller ist klasse. Ich darf probieren. Das Fleisch schmeckt nach Fleisch und ist nicht überwürzt.

Ein Blick in die Küche. © Denver Künzer
Ein Blick in die Küche. © Denver Künzer

Orientalische Noten im »Pantopoleio«

Besonders angetan ist er vom Kebab. Bei meiner Tomatensauce fällt mir auf, wie eng die griechische Küche offenbar mit der arabischen verwandt ist, die ich in der letzten Zeit bei persönlichen Einladungen dankbar testen konnte. Die Zimtnote in der Pastizada hat Suchtfaktor.

Und was wunderbar ist: Im »Pantopoleio« werden gute Weine serviert, die sich vor den Italienern nicht verstecken müssen. Vor dem Dessert stromere ich mit Denver herum und schaue ihm beim Fotografieren über die Schulter. Inzwischen ist es in der Küche ruhiger geworden und der Inhaber Christos Andrelos nimmt sich einen Moment Zeit für uns.

Ein Traum hat sich erfüllt. © Denver Künzer
Ein Traum hat sich erfüllt. © Denver Künzer

Christos Andrelos hat sich seinen Traum erfüllt

Der Betreiber des »Pantopoleios« ist ein temperamentvoller Endvierziger. Mit diesem Restaurant habe er sich einen Traum erfüllt, erzählt er. Andrelos ist in Deutschland aufgewachsen. Seine Eltern hatten bereits einen Gastronomiebetrieb. Er lernte Koch im Landhaus-Seela und absolvierte später alle möglichen Stationen.

»Ich möchte meine Heimat hier kulinarisch nach Wolfenbüttel bringen«, erklärt er. Deshalb gebe es bei ihm auch keine »Metaxa-Sauce« und keine fleischlastige Küche. »Wir Griechen essen mediterran. Es gibt viel Gemüse«, so Andrelos, dessen Augen verraten, dass hinter der energischen Fassade ein humorvoller Typ steckt.

Griechischer Joghurt mit kandierten Möhren. © Denver Künzer

Original griechisch ohne Klischee

Es soll original griechisch sein, was er macht. Aber der Koch liebt keine Klischees. »Natürlich habe ich vor allem deutsche Küche gelernt, die es ja kaum noch in den Restaurants gibt«, meint er. Deshalb serviert er auch gern mal einen Braunkohl, und im Frühjahr soll Spargel auf den Tisch kommen.

Die Gäste sollten also einmal nachfragen, was es tagesaktuell gebe. Zum Dessert gesellt er sich an unseren Tisch und trinkt einen Kaffee mit uns. Während Denver mit ihm über Bier fachsimpelt, genieße ich still. Hier geht, statt des üblichen Ouzos, gern ein Nachtisch aufs Haus. 

Süße Träume. © Denver Künzer

Süße Träume

Wir bekommen griechischen Joghurt mit karamellisierten Möhren – ebenso ungewöhnlich wie klasse. Christos – wir sind schon gefühlte Stammgäste – hatte diese Kreation in einem Athener Restaurant entdeckt. Danach gibt es Baklava, Galaktoboureko und einen herrlich öligen Samos. Wir sind selig.

Wir finden: Dieses Restaurant ist eine Herzenssache. Christos hat nicht nur ein Restaurant – er führt und lebt es. Das Verwöhnen und Genießen ist seine Herzensangelegenheit. Das schmecken wir und spüren es im Umgang des Servicepersonals mit den Kunden. 

Christos und Denver im Gespräch. © Andreas Molau

Ein kulinarischer Kultort für Wolfenbüttel und die Region

Für Wolfenbüttel kann sich das »Pantopoleio«, da sind Denver und ich uns einig, zu einem kulinarischen Kultplatz entwickeln, der eine Ausstrahlungskraft über die Lessingstadt hinaus sein wird. Denn so ein Restaurant gibt es in der weiteren Region kaum.

Während ich den Abend auf den Bildschirm tippe, laufen die »Drei Stühle« im Hintergrund. Er schrieb das Lied, als er nach seiner Hochzeit von einem griechischen Wirt eingeladen wurde. Wenn das ein Stück Griechenland ist, so muss ich doch wirklich in diesem Leben unbedingt einmal dorthin kommen: 

»Da ist kein Misstrauen, da ist kein Neid.

Und da ist Frieden, da ist Zeit.

Der Wirt, der mit den dicken Kaffeetassen klirrt.

Nichts ist Berechnung, nichts bedacht.

Alles aus Freundlichkeit gemacht

Das ist ein Ort, an dem Dein Herz gesunden wird.«

Hier noch ein paar Bilder von unserem Abend

  • Frisches Essen auf dem Teller.
  • Gute Portionen zu fairen Preisen.
  • Griechischer Wein.
  • Die Bar lädt zum Verweilen ein.
  • Bilder aus Griechenland schaffen Aufenthaltsqualität.
  • Sogar einen kleinen Gewölbekeller gibt es im Restaurant zu entdecken.
  • Wer kann so einem Nachtisch widerstehen?
  • Ein kleiner Wachmacher nach dem Essen.

Weitere Informationen über das Restaurant »Pantopoleio«

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