Ein Okerstein geht auf die Reise

Okersteine – Vom Finden des „kleinen Glücks“

Wolfenbüttel und Umgebung hat das „Okersteinfieber“ gepackt! Es begann mit einer kleinen Idee in Meinersen (Kreis Gifhorn). Heute ist das Suchen und Finden von Okersteinen ein Freizeitvergnügen mit zahlreichen Fans rund um die Lessingstadt geworden. Du kannst noch nichts mit dem Bemalen, Suchen und „Auswildern“ von Okersteinen anfangen? Dann hast du nun Gelegenheit, dich mit mir auf die Suche zu machen. Erfahre in diesem Beitrag alles rund um die Okersteine.

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Dazu habe ich gleich noch ein spannendes Interview mit der Initiatorin Sarah Wittkowski geführt, um euch von der spannenden Geschichte hinter den Okersteinen zu erzählen.

Lass uns Okersteine suchen

Ein sonniger Sonntagnachmittag, perfekte Bedingungen, um endlich wieder Okersteine zu suchen. Schnell noch die heutige Route bestimmt: Rosenwall, Innenstadt und dann Ententeich.

Bereits nach den ersten Schritten aus der Tür erwacht die kribblige und freudige Aufmerksamkeit. Die Sinne öffnen sich für die großen und kleinen Dinge der Umgebung. Denn ein Okerstein kann überall liegen. Ob Blumenkasten, in einem Baumstamm oder auf der Bank einer Bushaltestelle – die Orte, an denen die kleinen und manchmal großen Glücksbringer ausgelegt werden, sind mindestens genauso kreativ, wie die Bildnisse auf den Steinen selbst.

Was sind Okersteine?

Vor 9 Monaten begann die Geschichte der Okersteine bei einem Friseurbesuch. „Ich hatte in einer Zeitung davon gelesen, dass Steine bemalt, ausgelegt und anschließend vom Finder in einer Facebook-Gruppe gepostet werden“, berichtet Sarah Wittkowski. Heute betreut die kreative Erfinderin der Okersteine zusammen mit Ihrer Frau und zahlreichen Helfern ihre eigene Facebook-Gruppe „Okersteine“. Über 5.200 Mitgliedern zählt diese bereits.

„Da ich selbst gerne kreativ bin, hat mich die Idee gleich begeistert. So fing an meine ersten Steine zu bemalen und auszulegen. Am Anfang waren das so um die 200 Stück“, so Wittkowski weiter. Schnell wurde daraus ein echtes Lauffeuer und immer mehr Fans schlossen sich der Gruppe an. Heute gehen Okersteine sogar auf Weltreise.

Ein Okeretin mit einer strahlenden Sonne hat es sogar in den Central Park, New York geschafft.
Ein Okerstein im Central Park – New York

„Ich hab einen gefunden!“

Begleitet von einem freudigen Auf- und Abhüpfen hielt ich Anfang des Jahres meinen ersten Okerstein fest umklammert in der Hand. Das war am Neujahrstags und der goldene Stein mit der neuen Jahreszahl wurde zu meinem persönlichen Glücksboten an diesem Tag. Gefunden hatte ich diesen vor dem Wolfenbütteler Fachgeschäft „Fingerhut Stoffe & Nähmaschinen“.

Die Idee hinter dem Trend ist einfach erklärt und zum Mitmachen für jeden geeignet! Wer Lust hat, kann selbst Okersteine bemalen oder einfach nur suchen. Die Steine werden in Stadt und Natur ausgelegt und warten dort auf einen Finder. Hast du einen Okerstein gefunden, kannst du diesen in der Okerstein-Facebook-Gruppe posten, worauf sich der Künstler melden kann. Ob du den Stein behalten oder wieder „auswildern“ möchtest, so wird das Auslegen bezeichnet, bleibt dir überlassen.

Meinen ersten Stein habe ich im Übrigen behalten – als Glücksbringer für das neue Jahr!

Glücksbringer für das neue Jahr: Ein Okerstein in gold mit der Jahreszahl 2020 in gelber Farbe
Mein erster Okerstein und Glücksbringer für das neue Jahr!

Die Magie der kleinen Dinge

Auf die Frage, warum der Trend so viele zahlreiche Anhänger findet, sind Sarah und ich uns im Interview schnell einig: „Es schafft ein Gefühl des Miteinanders und man lernt wieder die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Jeder Stein ist auch immer irgendwie ein Zeichen oder enthält eine Botschaft. Im Prinzip findet man nicht den Okerstein, sondern der Stein findet dich.“ Das kann ich ungelesen unterschreiben! Die Freude, wenn man einen Okerstein findet, lässt einen schnell die manchmal großen und kleinen Herausforderungen des Alltags vergessen. Vor allem für Kinder und Familien ist das Suchen der Glücksbringer eine tolle Freizeitidee!

Zahlreiche Aktionen sind seither in der Community entstanden. Es gibt Tauschbäume, Tauschkästen und immer wieder tolle Aktionen, wie Schnitzeljagden und Spendenaktionen.

Der große, knorrige Baum am Rosenwall ist ein Tauschbaum für Okersteine
Tauschbaum am Rosenwall

Obwohl Sarah immer noch zwischen 6 und 7 Steinen am Tag bemalt und auslegt, haben sie und ihr Team heute viel mit der Betreuung der Community zu tun. Denn obwohl jeder mitmachen kann, gibt es doch einige Regeln zu beachten, welche durchaus Sinn ergeben. „Wir weisen unter anderem darauf hin, dass keine Wackel-Augen, Pailetten, Strasssteine oder weitere Kunststoffe auf die Steine geklebt werden dürfen. Fallen diese ab geht das zulasten der Natur oder Tiere verschlucken sich daran.“

Steinschlangen als starkes Zeichen gegen Corona

Im März 2020 haben sich Sarah und Ihr Team dazu entschlossen vorerst keine weiteren Steine neu auszulegen. Stattdessen wurden am Rosenwall (später verlegt in den Generationenpark) und in der Räubergasse sogenannte »Steinschlangen« gelegt. Die Idee hatte ein begeistertes Community-Mitglied: Jeder, der einen Stein bemalt hat, kann diesen der Schlange angliedern.

In Meinersen, wo eine weitere Schlange entstand, wurde am 19. Juni 2020 eine Spendenaktion für den Kinderhospitz Löwenherz e.V. veranstaltet. Dabei wurden etwa 2.000 Steine gegen eine freiwillige Spende abgegeben. Insgesamt konnte so eine Spende von 674,77 Euro an den Verein gegeben werden.

Nur wenige Tage danach wurden auch in Wolfenbüttel die bunt bemalten Okerstein-Schlangen vom Rosenwall und Generationenpark am 5. Juli 2020 aufgelöst. Von 950 Steine wurden etwa 300 Steine für insgesamt 542,41 Euro verkauft. Über diese Spende konnte sich der Hospizverein Wolfenbüttel e.V. freuen.

Auf einer Rasenkante liegen dicht an dicht aufgereiht ganz viele, verschiedene bunte Okersteine
»Okerstein-Schlange« am Rosenwall

Und schon geht es Weiter mit dem fleißigen Bemalen von Okersteinen, denn die nächste Aktion lässt sicher nicht lange auf sich warten… Ich wünsche uns viel Spaß dabei.

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