Michael Herrmann von Möbel Balzer.

»Möbel Balzer« – 2.000 qm Wohnen für Fortgeschrittene

Was Wartende auf dem Kornmarkt durch die Schaufenster von »Möbel Balzer« sehen, ist nur ein Bruchteil dessen, was Christine Rühmer und Michael Herrmann in Wohnräume zaubern können. Ich treffe mich mit den beiden Inhabern auf ein nettes Gespräch.

»Möbel Balzer« werde ich immer mit meinem »Traumsofa« verbinden. Es war eines meiner ersten richtigen Möbelstücke. »Unsere Kunden sind meist so 40 plus«, erzählt mir Michael Herrmann später. Er ist zusammen mit seiner Cousine Christine Rühmer Geschäftsführer des Möbelhauses. Von ihr wurde ich damals schon beraten.

Eine moderne Fassade in historischer Kulisse.
Eine moderne Fassade in historischer Kulisse. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Ein echter Familienbetrieb

Die Nachmittagssonne scheint auf den historischen Kornmarkt. Die Schaufensterfassade von »Möbel Balzer« nimmt die neue Modernität der Haltestellenüberdachung optisch auf.

Inzwischen schlägt die Turmuhr der Hauptkirche volltönend dreimal. Weil ich ein bisschen früher da bin, kann ich die Inhaber im Innenhof von »Möbel Balzer« reden hören. Durch eine enge Toreinfahrt gelangt die kleine Wagenflotte des Möbelhauses sowie die Zulieferer herein und heraus.

Von hier liefert »Möbel Balzer« seit fast 60 Jahren Einrichtungsgegenstände in die Wohnungen und Häuser der Region. Ich setze mich auf eine gemütliche Bank im Innenhof. Michael Herrmann kommt ein paar Minuten später mit dem Rad. Christine Rühmer setzt sich nach einer kurzen Weile dazu.

Durch dieses Tor passt (fast) alles.
Durch dieses Tor passt (fast) alles. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel


»Wir sind ein echter Familienbetrieb. Entweder ist es wirklich Familie, oder langjährige Mitarbeiter, die praktisch zur Familie gehören«, meint Michael Herrmann. Da sind zwei Monteure und Tischler in der Mannschaft, Bürokräfte und die beiden Enkel von Franz Balzer.

Er hat den Betrieb gegründet und aus dem Nichts aufgebaut. Ursprünglich kam der Firmengründer aus dem Sudetenland und übte dort das Handwerk des Sattlermeisters aus.

Von der Sattlerei zum Möbelhaus

Später, erzählt Michael Herrmann, sei die Polsterei dazu gekommen. Das war noch vor dem Zweiten Weltkrieg. »Unser Großvater kam hier mit nichts an und musste sehr hart schaffen, um alles aufzubauen«, erzählt Christine Rühmer.

Für ihn habe es nur Arbeit gegeben. »Der ist sogar sonntags zu den Kunden zum Aufmessen gekommen. Ich weiß gar nicht, ob die das so gut fanden«, schmunzelt sie.

Vielleicht, so meint sie, sei das einfach eine andere Zeit gewesen. Heute sei so etwas vermutlich gar nicht mehr möglich. Die dominante Persönlichkeit baute jedenfalls den Betrieb mit viel Beharrlichkeit und Energie auf, bestätigen mir beide.

Anfangs in einer Werkstatt in der Fischerstraße, hätten er und seine Mitarbeiter Matratzen ausgebessert oder Sessel und Sofas aufgearbeitet. »Später haben wir Polster selbst hergestellt und Möbel verkauft«, ergänzt Michael Herrmann.

Welcher Bezug darf es sein?
Welcher Bezug darf es sein? © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Von der Fischerstraße zog der Betrieb und die Werkstatt zunächst auf den Holzmarkt um. Und von dort aus wechselte er um 1960 schließlich an den Kornmarkt, dem heutigen Firmensitz.

Berufswunsch: Möbelverkäuferin

Hier ist auf rund 2.000 Quadratmetern alles ausgestellt, was zum Wohnen gehört – Küchen ausgenommen. Während Onkel und Vater in den 80er Jahren im Familienbetrieb mitarbeiteten, wuchsen Christine Rühmer und Michael Herrmann in den Betrieb hinein.

»Für mich hat es nie einen anderen Wunsch gegeben, als diesen Beruf auszuüben. Ich war schon als Kind immer gerne im Betrieb«, erinnert sich Christine Rühmer.

Nach dem Erwerb der mittleren Reife wurde sie in der Wolfenbütteler Zeitung zitiert und habe bereits den Beruf Möbelverkäufer angegeben. Für die Tochter des hiesigen Möbelhändlers sei die Suche nach einer Lehrstelle trotz eines guten Schulabschlusses jedoch nicht einfach gewesen, berichtet sie: »Die dachten wahrscheinlich, dass ich für meine Familie spionieren würde.«

Michael Herrmann und Christine Rühmer.
Michael Herrmann und Christine Rühmer. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Das Karstadt Einrichtungshaus war entspannter, und deshalb konnte Christine Rühmer sich ihren Berufswunsch dort erfüllen. »Ich mag den Kundenkontakt und die Ware. Ich kann mich noch immer daran erfreuen, wenn wir Möbel auspacken und aufbauen«, erklärt sie.

Dass sich der Wunsch, die Möbelfachschule in Köln zu besuchen, nicht erfüllte, habe sie verschmerzt. »Ich bin froh, dass ich Familie und Beruf im eigenen Betrieb unter einen Hut bringen konnte«, resümiert sie.

Eine »anständige« Tischlerlehre

Diese Schule besuchte Michael Herrmann – allerdings erst als reiferes Semester. Das war einige Jahre, nachdem ihn der Onkel in den Betrieb geholt hatte, der 1985 in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet. »Als mich mein Onkel fragte, ob ich kommen möchte, habe ich nicht gezögert. Das war irgendwie selbstverständlich«, erinnert sich Michael Herrmann.

Nach der Schule machte er zunächst eine Tischlerlehre. »Mein Großvater meinte damals: Du machst erstmal eine anständige Lehre, dann sehen wir weiter.« Mit der Aussicht habe er sich arrangieren können, erinnert er sich.

Besonders die Möbeltischlerei habe ihm gut gefallen, sagt Michael Herrmann. »Wir haben zum Beispiel Gaststätten ausgebaut. Das hat mir immer viel Spaß gemacht«, erzählt er.

Die Wohnung zur Wohlfühloase machen.
Die Wohnung zur Wohlfühloase machen. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Dort sammelte er Erfahrungen, die er heute in seinem Arbeitsalltag braucht, wenn es um die Anpassung von Schrankwänden oder anderen Möbeln geht. Dass er mit seinem kleinen Möbelhaus im harten Wettbewerb nicht untergehen würde, davon war und ist er fest überzeugt. Die Familie krempelte nach dem wirtschaftlichen Einbruch die Ärmel hoch und führte den Betrieb bald wieder in ruhigere Fahrwasser.

Individuelle Wunschmöbel

»Wir füllen nur eine Nische aus. Aber das können wir wirklich gut«, meint Michael Herrmann selbstbewusst. Christine Rühmer und er beschreiben die Stärken des Betriebes kurz und klar: Es sei die Möglichkeit, auf individuelle Wünsche einzugehen, die sie auszeichnet, erklären sie.

Mit der Ausbildung zum Einrichtungsfachberater an der Möbelfachschule in Köln habe er sich die nötige Qualifizierung erworben, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. »Die Ausbildung, das ist eine Mischung aus Betriebswirt und Innenarchitekt«, erklärt er.

Da ginge es um Möbelkunde, Heimtextilien, um das Zeichnen, aber genauso um Verkaufstaktik. »Wenn jemand zu uns kommt, bestellt er nicht nur einfach aus dem Katalog«, erklärt mir Michael Hermann.

Tradition und Zukunft.
Tradition und Zukunft. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

In der Regel müssten individuelle Lösungen gefunden werden. Da sei dann zum Beispiel eine Wand von 3,64 Metern und die sollte optimal genutzt werden. Dazu werden die Komponenten jedoch kreativ zusammengestellt und angepasst.

Gerade die Altstadt von Wolfenbüttel, habe sie dabei vor so manches Problem gestellt. »Da gibt es schiefe Böden, niedrige Decken, kleine Treppenhäuser. Das alles ist eine Herausforderung, der wir uns immer wieder gerne stellen«, schmunzelt er.

Qualität und Nachhaltigkeit

»Manchmal habe ich schon gedacht: Jetzt müsstest Du alles erlebt haben. Aber schließlich kommt wieder etwas Neues, mit dem ich nicht gerechnet habe«, erzählt Michael Herrmann.

Ihre Kunden wünschen sich nicht nur eine kompetente Beratung. Es ginge vor allem um Qualität und eine nachhaltige Herstellung der Möbel. »Sie können ein Ledersofa auch preiswert kaufen. Das ist aber meistens mit dünnem Spaltleder überzogen, das nicht atmungsaktiv ist und schnell kaputtgeht«, erklärt der Möbelfachberater. Oft ist von außen nicht zu sehen, was ein Möbelstück teurer macht als andere.

Viel Licht und viele Wohnideen.
Viel Licht und viele Wohnideen. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Die Qualität stecke zum Beispiel in Gestell und Federn eines Sitzmöbels. Das sei eine Frage von Bequemlichkeit, Komfort, aber genauso der Umweltverträglichkeit. Seit einigen Jahren beteiligt sich »Möbel Balzer« deshalb an einem Einkaufsverbund namens »Zukunft aus Tradition«.

Hier geht es um ökologisch verantwortliche, regionale Herstellungsmethoden, die den Anspruch der Nachhaltigkeit verfolgen. In diesen Fragen spüren die beiden Möbelexperten ein Umdenken: »Immer mehr Menschen achten auf solche Dinge und sind bereit, einen fairen Preis für ihre Produkte zu zahlen.«, meint Michael Herrmann.

Kundenwünsche erfüllen

Mit den großen Massenanbietern könne und wolle »Möbel Balzer« nicht konkurrieren. Inzwischen sind auf den kleinen Innenhof alle Wagen heimgekehrt und wir gehen für ein Foto noch durch die Möbelausstellung.

Durch die Dachfenster strahlt die Nachmittagssonne auf Tische, Schränke, Vitrinen, Sofas und Sessel. Michael Herrmann, der für ein Kundengespräch kurz weg war, schließt sich dabei wieder an.

Schmucke Einzelstücke ...
Schmucke Einzelstücke … © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

»Ich bin begeistert«, freut er sich. Eine Kundin habe sich gerade nach Matratzen erkundigt. »Sie war ganz angetan, dass wir welche mit Schurwollauflage verkaufen. Dass es das in Wolfenbüttel gibt, habe sie erstaunt«, erzählt Herrmann.

Es mache ihn immer wieder glücklich, wenn er solche Kundenwünsche erfüllen könne. Wir probieren noch ein paar Sitzgruppen für das Foto aus. Schöne Sachen sind dabei – aber keine wie mein Traumsofa, das bis jetzt zwei Kinder mit allen dazu gehörenden Strapazen ausgehalten hat und uns noch immer erfreut. Aber bei Balzer soll jeder sein Traumsofa bekommen. Und ich habe meines ja bereits…

Weitere Informationen zu »Möbel Balzer«

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