Erhard Mücke vom Café Tortenkultur.

»Wolfenbütteler Tortenkultur« in der Innenstadt genießen

Seit gut zwei Jahren hat sich mit der »Wolfenbütteler Tortenkultur« eine kleine Konditorei der Familie Mücke in der Wolfenbütteler Innenstadt etabliert, die zum Verweilen und Genießen einlädt.

Es ist ein sonniger Montagnachmittag. Ich mache mich auf den Weg zu meinem heutigen Termin. Vom Schlossplatz aus gehe ich über die Löwenstraße in die Wolfenbütteler Innenstadt. Dabei schlendere ich an Bauzäunen vorbei und betrachtete beim Vorbeigehen erstaunt den Abriss des alten Hertie-Gebäudes. Der Abriss macht Hoffnung. Auf der Löwenstraße mache ich mir so meine Gedanken über die Zukunft der Stadt. Gerade in dieser Übergangsphase wirkt die Baustelle trotzdem trostlos auf mich. Viele Menschen rund um diesen zentralen »Bauplatz« haben bisher bereits große Geduld bewiesen. »Unter den Krambuden« entdecke ich mein heutiges Ziel: die Konditorei mit dem vielversprechenden Namen »Wolfenbütteler Tortenkultur«. Dort bin ich mit Jens Mücke verabredet, der im Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Vater Erhard und seinem Bruder Daniel das Café betreibt. Schon bei meinem ersten Telefonat mit ihm hat er mich neugierig gemacht: »Seit dem Abriss kommt es mir wie ein Aufbruch vor. Es hat sich vor unserer Tür unheimlich viel verändert. Dieser Platz ist wie ein kleiner Kohlmarkt in Braunschweig«, erzählt er mir schon am Telefon mit Begeisterung. Ich freue mich schon darauf, ihn und seinen Bruder heute persönlich kennen zu lernen.

Im Schaufenster des kleinen Cafés steht der Name "Wolfenbütteler Tortenkultur".
Ein Platz für Tortenkultur in Wolfenbüttel. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Krambuden: Eine Genussmeile

Als ich bei Sauberland um die Ecke biege, fällt mir sofort auf wie sich der Platz verändert hat. Mein letzter Besuch ist noch gar nicht lange her, aber es seitdem ist eine neue Atmosphäre in den Krambuden zu spüren: Die Wasserspiele laden zum Abkühlen ein und es gibt ein großes Sitzelement aus Holz zum Verweilen. Die Sitzgelegenheiten ziehen sich mittlerweile wie eine Perlenschnur um den ganzen Platz: Angefangen vom »Tabakhaus« und »Alt Wolfenbüttel – Theo« auf der einen Seite der Krambuden, geht es gegenüber mit den nahtlos nebeneinander gestellten Tischen und Stühlen von dem neuen »Café & Bar Lavi«, dem neuen Mittagsrestaurant »City Brunch«, der »Wolfenbütteler Tortenkultur« und der »Pizzeria Verona« weiter. Die begehrten Sitzplätze bieten einen guten Blick auf die »Großbaustelle Löwentor« und sind begehrt. Weiter in Richtung Lange Herzogstraße hat die modernisierte Filiale vom »Richter Altstadtbäcker« mit Holzbänken und kleinen Tischen einen »Akzent vor die Tür« gesetzt. Und auch »Tires Grill & Feinkost« und »Le Bosphore« an der Ecke zum Stadtmarkt sorgen dafür, dass die Krambuden zu einer echten Genussmeile in der Wolfenbütteler Innenstadt geworden sind. »Wir freuen uns sehr, dass sich hier jetzt alles so belebt hat«, begrüßt mich Jens Mücke mit einem Lachen, als ich durch die Tür den kleinen, liebevoll eingerichteten Theken- und Verkaufsraum seines Cafés betrete.

Zur Dekoration steht eine alte Kasse im Café.
Das Café ist mit Liebe zum Detail eingerichtet. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Gute Aufgabenteilung

Damit wir uns ungestört unterhalten können, gehen wir »eine Haustür weiter« durch ein altes Treppenhaus nach oben in die gemütlich eingerichtete „Kaffeestube“ im ersten Stock. Hier unterhalte ich mich mit den Brüdern Jens und Daniel Mücke über die Entwicklungen in der Stadt. Als Konkurrenz sehen die beiden die neuen und alten Mitbewerber in den Krambuden nicht. »Da gibt es zum Beispiel das neue Eiscafé. Wir bieten kein italienisches Eis an, sondern haben eine Softeis-Maschine. So bekommt jeder Kunde das, was er mag«, erzählt mir Jens Mücke. Als er mit seinem Bruder Daniel und der langjährigen Mitarbeiterin Jennifer Tasch das Projekt »Wolfenbütteler Tortenkultur« vor fast zwei Jahren gestartet hat, sah es in den Krambuden noch ganz anders aus. Die Familie Mücke hat in Salzgitter Lebenstedt eine gut gehende Bäckerei und Konditorei. In der fünften Generation wird bei den Mückes gebacken und es werden süße Köstlichkeiten hergestellt. Sein Vater Erhard Mücke ist selbst im Stammhaus noch aktiv und der Inhaber des Familienunternehmens. Auf der Suche nach einer neuen Aufgabe und Herausforderung kamen die beiden Brüder auf Wolfenbüttel. Früher wurden hier Konditoren in einer Schule ausgebildet. Was lag da näher, als einen Betrieb, der sich diesem Handwerk verpflichtet fühlt, hier zu eröffnen?

Im Cafße gibt es auch leckeres Softeis aus der Maschine.
Alle Softeisfreunde in Wolfenbüttel und Umgebung können sich freuen. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Unendlich viele Möglichkeiten

Dabei haben die Brüder sich die Aufgaben gute aufgeteilt. Gemeinsam mit ihrem Vater führen sie die Geschäfte in beiden Städten. Für den Erfolg des Cafés in Wolfenbüttel sind die beiden Brüder in ihren unterschiedlichen Rollen federführend verantwortlich: Jens Mücke ist Betriebswirtschaftler und kümmert sich mit Jennifer Tasch um die wirtschaftlichen Belange des Betriebs sowie um die Vermarktung. Daniel Mücke ist der Bäcker- und Konditormeister und sorgt für den Genuss bei der Tortenkultur. Er ist Konditormeister aus Leidenschaft und probiert gern neue und alte Rezepte aus. »Mich interessieren auch vergessene Tortenspezialitäten, die vielleicht nicht mehr so geläufig sind«, erklärt mir Daniel Mücke. Schon allein deshalb kann und möchte er nicht auf fertige Mischungen zurückgreifen. »Die Tortenmassen werden von Hand aufgeschlagen und kommen aus dem eigenen Haus«, so Daniel Mücke. Wichtig ist es ihm dabei auch, regionale Produkte zu verwenden. Vor allem aber muss das, was in die Torte kommt, von guter Qualität sein, versichert mir der Konditor. Die Frage, ob er lieber Konditor oder Bäcker ist, möchte er mir nicht pauschal beantworten, denn beide Berufe haben schließlich ihren Reiz: Der Bäcker verwendet wenige Zutaten und kann daraus unendlich viele Produkte herstellen. Beim dem Konditor ist es dagegen genau umgekehrt.

Im Café gibt es gemütliche Sitzecken aus Holz.
Gemütliche Ecken im Café … © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Gemütliches Café

Im Sommer können es sich die Gäste der »Wolfenbütteler Tortenkultur« vor allem draußen bequem machen. Von den Plätzen der Konditorei gucken die Kundendirekt auf das Wasserspiel. Neben dem Tortenangebot, so Jens Mücke, hat sich inzwischen auch das Frühstücksangebot etabliert. Bei schlechterem Wetter machen es sich die Gäste gerne in dem verwinkelten Café gemütlich. Hier erzählen die schiefen Wände von der Geschichte des Haues. Jennifer Tasch hat sich mit Liebe zum Detail um die Inneneinrichtung gekümmert. Ihr war es wichtig, die Geschichte der Stadt dabei aufzugreifen. Die ornamentale Tapete in der Kaffeestube erinnert daran, dass früher nur ein paar Meter weiter die Braunschweiger Herzöge im Schloss Wolfenbüttel gelebt haben und hier in Wolfenbüttel ihrem höfischen Lebensstil nachgegangen sind. Vor allem gemütlich ist das Café eingerichtet. Die Möbel erinnern mich an eine Puppenstube meiner Urgroßeltern. Trotzdem bekomme ich in diesem historischen Ambiente als Kunde die neuesten Kaffeespezialitäten und viele besondere Leckereien.

Die ornamentale Tapete erinnert an die alte Kultur am Wolfenbütteler Hof.
Die ornamentale Tapete erinnert an die alte Kultur am Wolfenbütteler Hof. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

In Wolfenbüttel angekommen

Als Salzgitteraner fühlen sich die Mückes und Jennifer Tasch in der Lessingstadt inzwischen richtig wohl. »Wir arbeiten gut mit der Stadt zusammen und sehen sie als Partner in dieser schwierigen Situation«, meint Jens Mücke. Stolz wird mir erzählt, dass sie mit einer ihrer Spezialitäten bereits in der Wolfenbütteler Genussbox vertreten sind, die von der Stadt an Neubürger verschenkt wird. »Auch bei der Museumskarte sind wir dabei«, ergänzt er fröhlich. Jetzt zum Sommer hin sind die Tortenspezialitäten leichter und frischer, macht mir Daniel Mücke Appetit. Aber einen Klassiker wie den Frankfurter Kranz hat er selbstverständlich trotzdem im Programm. Auf jeden Fall lohnt es sich, immer mal wieder reinzuschauen, denn saisonal verändert sich natürlich auch das Angebot. Regionalität ist für die »Wolfenbütteler Tortenkultur« wichtig. »Was wir aus der Region bekommen können, kommt in unsere Produkte«, verspricht Daniel Mücke.

Aus der Karte kann ich mir viele Leckereien bestellen.
Alles, was das Herz begehrt. © Andreas Molau, Stadt Wolfenbüttel

Neue Pläne

In der Adventszeit wird es dann noch eine kleine Premiere geben. Die »Wolfenbütteler Tortenkultur« wird dann mit »Omis Backstube« den altbewährten Plätzchenstand betreuen. »Zuerst machen wir das noch zusammen mit Bärbel Niebuhr und nutzen die Erfahrung unserer Vorgängerin, bevor wir es dann zukünftig alleine übernehmen«, erklärt mir Jens Mücke. Auf diesen neuen Bereich freuen sich die beiden Brüder. Eine richtige Konditorei in der Innenstadt, mit einem breiten Angebot an süßen Verführungen: Jens und Daniel Mücke haben eine neue Kultur rund um die Torte in die Lessingstadt gebracht und damit für mehr Abwechslung gesorgt. Ein Grund mehr, den Einkaufsbummel in der Fußgängerzone bei einer Tasse Kaffee und eine Stück Torte genüsslich und gemütlich ausklingen zu lassen.

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