Kulturbeutel, bluenote und jede Menge Herzblut

Was ein wenig verrückt klingt, ist es tatsächlich auch. Wie ist es möglich, einen erfolgreichen Kulturverein neben dem eigentlichen Beruf aufzubauen und über 17 Jahre lang zu etablieren? Dazu muss man schon ein wenig verrückt sein, verrät mir Horst Krups mit einem Lächeln.

Aber mal von Anfang an. Ich habe den Macher von Wolfenbüttels Verein bluenote Horst Krups getroffen, den ich schon von zahlreichen Veranstaltungen her kenne und er hat mir viel Spannendes über seinen Verein berichtet. Bluenote ist ein Kulturverein, der es sich zum Ziel gemacht hat, die Musikkultur in Wolfenbüttel zu fördern. Zum einen durch die Unterstützung von Newcomern, aber auch durch die Organisation von qualitativ hochwertigen Konzerten (Blues, Folk, Singer-Songwriter).

Wie fing es an?

Für viele Wolfenbütteler ist bluenote natürlich ein Begriff, aber wie fing es denn an mit dem Verein? Wie kommt jemand, der bei Volkswagen im Maschinenmanagement arbeitet dazu einen Verein mit Schwerpunkt irischer Musik zu gründen? Horst Krups berichtet mir von seiner ersten Begegnung mit Dave, Ende der 90er Jahre, der einen Pub in der Mühlenstraße eröffnet hatte. Im Kellys Irish Pub fingen Horst und sein Bruder Norbert an, sich bei den Konzerten um die Technik zu kümmern. Nach zwei Jahren wurden dem Wirt die Konzerte allerdings zu teuer und Horst und Norbert gründeten den Verein bluenote im Kellys. Am 11.1.2001 gegründet, wird der Verein 2019 übrigens volljährig! Horst und Norbert und 11 weitere Verrückte gehörten zu den Gründungsmitgliedern. Anfangs machten sie noch Konzerte im Kellys, dann im Schloss Wolfenbüttel, im Foyer der Lindenhalle und seit 15 Jahren haben sie ihr Zuhause in der Wolfenbütteler Kommisse gefunden. Die Anfangsjahre waren schwierig, erzählt mir Horst Krups, vor allem finanziell. In der Kommisse hat der Verein mit ruhigen Konzerten angefangen, Acustic Stage genannt, erklärt mir Horst. Nach den vielen Jahren ist bluenote in der Kommisse nun wie zu Hause. Und hat seit kurzem ein neues Konzept, bluenotes Gute Stube: es gibt so wenig Technik wie möglich, die Musiker machen ganz zwanglos Musik und das Publikum ist nah an den Musikern. Zur Gemütlichkeit trägt auch die Kulisse bei, das sind tapezierte Rückwände mit Bildern und kleinen Musikinstrumenten geschmückt und auch ein Ohrensessel steht auf der Bühne.

Horst sagt mir, dass er fantastische Unterstützung in Wolfenbüttel bekommen hat und ihm im Laufe der Jahre keine Steine in den Weg gelegt worden sind. Von den ursprünglichen 11 sind heute noch 8 der Gründungsmitglieder dabei. Mittlerweile zählt der Verein stolze 110 Mitglieder, das sind Wolfenbütteler, Musiker und viele begeisterte Gäste, die beim Konzert dabei waren und jetzt den Verein unterstützen.

Wer sind die Macher bei bluenote?

Horst ist der Chef und der eigentliche Motor des Vereins. Er wollte ursprünglich Tontechnik in Würzburg studieren, aber durch seine frühe Heirat und die Geburt seines Sohnes musste Geld verdient werden und er begann bei VW zu arbeiten. 2019 ist er bereits 40 Jahre dort und plant, dann in den Vorruhestand zu gehen, pünktlich zur Volljährigkeit seines Herzstücks, seinem Verein bluenote.

Norbert, drei Jahre jünger, ist sein Bruder und sein Stellvertreter. Die beiden waren schon immer eine Einheit, verrät mir Horst Krups, das klappt gut unter Brüdern. Der eine weiß was der andere will.

Christian, Techniker und Schriftführer, gehört schon zur Familie Krups. Und auch Horsts Frau ist im Verein aktiv. Überhaupt macht die ganze Familie mit: sein Sohn, und jetzt ist die Begeisterung auch auf Horsts Enkel übergesprungen, der beim Konzertaufbau schon fleißig mithilft.

Höhepunkte, Pleiten, Anekdoten

Horst erzählt mit seiner sonoren Stimme und es macht mir viel Spaß, seine Geschichten zu hören. Seine Begeisterung ist spürbar und seine Augen strahlen, wenn er mir von seinem Verein erzählt. Besonders spannend fand ich seine Geschichte über eine irische Band, Them. Eric und John sollten ein Konzert, damals noch im Kellys, geben. Die Rhythmusgruppe war schon anwesend, doch gab es von den beiden Musikern keine Spur. Die beiden hatten in Paris ihren Anschlussflug nach Hannover verpasst und sich spontan ein Auto gemietet um nach Wolfenbüttel zu fahren. Das Publikum war um 20.30 Uhr schon verstimmt und wurde unruhig, als ein Auto mit quietschenden Reifen vor dem Kellys hielt und die beiden Musiker schnurstracks auf die Bühne stürmten. Dann gab es kein Halten mehr. Im rappelvollen Kellys war die Stimmung bombastisch. In der Pause der nächste Schock, Eric war verschwunden. Durch Zufall hatte Horst ihn dann im Kühlraum entdeckt, wo er sich eine ruhige Ecke zum Schlafen gesucht hatte – der ganze Stress des Tages war doch einfach zu viel. Kurzes Wecken und wieder zurück auf die Bühne und alles gegeben. Für das Team um Horst enorme Anspannung, das Publikum hatte wenig von der ganzen Aufregung mitbekommen.

Wenn ich Horst nach seinem persönlichen Höhepunkt frage, erinnert er sich gerne an das Konzert von Andreas Kümmert in der Kommisse. Der Musiker gab Anfang 2015 ein Konzert, das war noch vor dem Vorentscheid zum Eurovision Songcontest, den er gewann und dann der Zweitplatzierten Ann Sophie den Vortritt ließ. Für Horst ein besonderes Erlebnis und er schwärmt von dem fantastischen Musiker.

Dann aber noch ein weiterer Höhepunkt: Fritz Rau, der die Stones nach Deutschland geholt hat, hatte Episoden aus seinem Buch vorgelesen. Auch ein bleibendes und prägendes Erlebnis für Horst.

Er holt noch weiter aus: eigentlich ist jedes Konzert für ihn ein Höhepunkt. Er liebt das Concert for Chris Jones, ein zweitägiges Festival, bei dem etwa 20 Musiker erst das eigene Programm spielen und später in unterschiedlichen Sets zusammenkommen, ganz spontan. Oft bis zum frühen Morgen werden dann noch die Gassenhauer rausgehauen, die Stimmung ist klasse und das Publikum bleibt einfach da.

Und da ist noch die Irische Sommernacht und Celtic Christmas, und…

Gab es auch Pannen, möchte ich gerne wissen. Horst erinnert sich an ein Konzert in der Kommisse. Der Musiker machte Partymusik statt wie erwartet irische Musik. Ein paar Gäste sind in der Pause gegangen. Es war das einzige Mal, dass er danebengelegen hat, erzählt mir Horst schmunzelnd.

Und jetzt im Januar 2018 musste er zum ersten Mal ein Konzert absagen, in all den 17 Jahren, ausgerechnet die Geburtstagsfeier von bluenote, da der Musiker krank geworden ist. Glücklicherweise wurde gleich ein Ersatztermin gefunden.

Was den Verein so besonders macht

Was treibt Horst an? Live Musik zu veranstalten ist mein Ding, das ist die klare Antwort auf meine Frage. Und da höre ich auch seine Begeisterung raus. Unbezahlbar. Es ist Teil von seinem Leben, Konzerte zu planen und diese zu veranstalten.

Horst Krups ist immer da. Er begrüßt sein Publikum und kündigt die Musiker an und das seit langen 17 Jahren. Im Vorfeld führt er erst einmal 4-5 Telefonate mit neuen Musikern, um sich zu beschnuppern, wie er sagt. Und er recherchiert intensiv über die Musiker im Vorfeld. Über die Gage wird viel später erst gesprochen. Die Musiker sollen sich in Wolfenbüttel wie zu Hause fühlen, werden im besten Hotel Wolfenbüttels untergebracht, wo es auch gutes Essen gibt. Wenn sich die Musiker wohlfühlen, springt dies auch aufs Publikum über. Und überhaupt werden die Musiker wie Familienmitglieder behandelt. Dieser herzliche Umgang ist das Geheimrezept von bluenote. Sonst wäre es kaum möglich, bekannte Musikergrößen nach Wolfenbüttel zu holen, manchmal auch gegen den Willen ihres Managements.

Jetzt verrate ich euch noch, was es mit dem Kulturbeutel auf sich hat. Das war eine der ersten Ideen für die Namensfindung des Vereins. Die Mitglieder hatten sich dann allerdings für den Vorschlag von Mario Franke entschieden, für bluenote. Bluenote das sind im Blues und Jazz die Zwischentöne, die nicht auf dem Notenpapier stehen und das passt wunderbar zu den Idealen des Vereins.

Wenn ich Horst Krups nach seinem Traum frage, beginnt er zu strahlen und sagt, er würde gerne Stefan Gwildis nach Wolfenbüttel holen. Dazu benötigt er allerdings noch ein paar Sponsoren, aber mal schauen. Der Enthusiasmus von Horst ist spürbar und wenn er nächstes Jahr in den Vorruhestand geht, wird er den Verein natürlich mit noch mehr Herzblut und Energie führen als bislang und noch viele wunderbare und stimmungsvolle Konzerte organisieren.

Seinen Geheimtipp für 2018 verrät er mir schon: Samstag, 30. Juni. Da gibt es die Irische Sommernacht im Schlossinnenhof. Tears for Beers aus Eckernförde kommen (waren mal Eröffnungsband der Kieler Woche und mehrfach in Wacken auf der Folkbühne). Das solltet ihr euch auf jeden Fall schon mal im Kalender vormerken, vielleicht treffen wir uns ja bei dem Konzert?

Wenn ihr mehr über bluenote erfahren möchtet, schaut mal auf die Homepage des Vereins www.bluenote-wf.de.