Neueröffnung: Dokumentationszentrum der JVA Wolfenbüttel

Heute ist es soweit, das Dokumentationszentrum der Gedenkstätte der JVA Wolfenbüttel wird feierlich eröffnet. Wir haben das zum Anlass genommen und die Leiterin der Gedenkstätte, Martina Staats und ihr Team um ein paar Infos gebeten:

Sieben Jahre wurde geforscht, drei Jahre gebaut: Mit dem neuen Dokumentationszentrum der Gedenkstätte in der JVA (Justizvollzugsanstalt) Wolfenbüttel und seinem Herzstück, der Ausstellung Recht, Verbrechen, Folgen zur Geschichte des Strafgefängnisses Wolfenbüttel präsentiert die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten die zentrale Gedenkstätte zur Geschichte von Justiz und Strafvollzug im Nationalsozialismus.

Modell der JVA Wolfenbüttel von 1939
Modell der JVA Wolfenbüttel von 1939 ©Gedenkstätte der JVA Wolfenbüttel, Sarah Kunte

Ein Durchbruch durch die historische Gefängnismauer gibt den Weg frei in das neue Museumsgebäude. Obwohl es sich auf dem Gelände der JVA befindet, ist es für Besucher frei zugänglich – ein Meilenstein in der Entwicklung der Gedenkstätte. Denn die historischen Orte der Gedenkstätte liegen im Sicherheitsbereich der JVA und können aus diesem Grund auch in Zukunft nur von angemeldeten Gruppen besucht werden.

Ausstellung »Recht, Verbrechen, Folgen«

Inhaltlicher Kern des Neubaus ist die Ausstellung „Recht, Verbrechen, Folgen. Das Strafgefängnis Wolfenbüttel im Nationalsozialismus“. Auf 400 qm geben hunderte Dokumente, Fotografien und Exponate, die von den Historikerinnen und Historikern der Gedenkstätte akribisch aus aller Welt zusammengetragen wurden, einen umfassenden Einblick in die Geschichte von Justiz und Strafvollzug im Nationalsozialismus – samt Auswirkungen in der Bundesrepublik. Multimedia-Stationen und moderne digitale Hilfsmittel, wie etwa augmented-reality-Anwendungen, bieten Besuchern die Möglichkeit, selbstständig forschend die Vergangenheit zu erkunden.

Ausstellung Polititsche Gefangene
Mit Texten, Bildern und Videos wird die Geschichte erzählt ©Gedenkstätte der JVA Wolfenbüttel, Sarah Kunte

Anhand zahlreicher Quellen zeigt die Ausstellung, wie weitreichend Justiz und Strafvollzug in das nationalsozialistische Terror- und Verfolgungssystem eingebunden waren. Im Strafgefängnis Wolfenbüttel befand sich zwischen 1937 und 1945 eine der zentralen Hinrichtungsstätten in Norddeutschland. Mehr als 500 Menschen aus vielen Ländern Europas, darunter viele Widerstandskämpfer, verloren hier durch die Guillotine ihr Leben. Weitere 500 Gefangene starben an den Folgen von Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Auszehrung. Verantwortlich dafür waren Staatsanwälte, Richter und Strafvollzugsbeamte. Ihre Biographien werden in der Ausstellung ebenso präsentiert wie Selbstzeugnisse der Inhaftierten.

Schwerpunkt liegt auf der NS-Zeit

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Zeit des Nationalsozialismus. Doch dieser wird nicht isoliert betrachtet. Auch die Vor- und Nachgeschichte wird geschildert – der Reformstrafvollzug der Weimarer Republik etwa oder die Befreiung durch die US-Amerikaner im April 1945 und die folgende britische Besatzungszeit, in der erneut Todesurteile in Wolfenbüttel vollstreckt wurden. Einen breiten Blick wirft die Ausstellung auf die Frage nach Brüchen und Kontinuitäten in der frühen Bundesrepublik. Das Hauptaugenmerk gilt hier den personellen Kontinuitäten in der Justiz und im Strafvollzug sowie der Verfolgung von Kommunisten, Homosexuellen und „Sicherungsverwahrten“. Diese Themen werden erstmalig in einer Ausstellung in einer Gedenkstätte zur NS-Justiz präsentiert.

Den Abschluss der Ausstellung bildet ein Abschnitt zur Erinnerungskultur, insbesondere zur Geschichte der Gedenkstätte, deren Gründung im Jahr 1990 bürgerschaftlichem Engagement und den Bemühungen ehemaliger Gefangener zu verdanken ist. Ein eigenes Kapitel ist den Familienangehörigen der Menschen gewidmet, die während des Nationalsozialismus in Wolfenbüttel inhaftiert waren oder hingerichtet wurden.

Verbindung zwischen neuer Ausstellung und historischer Gedenkstätte

Die neue Dauerausstellung ist mit den historischen Baulichkeiten eng verschränkt. Ein sich über zwei Stockwerke erstreckendes großes Fenster gibt den Blick auf die für die NS-Geschichte des Ortes besonders relevanten historischen Baulichkeiten frei: auf Zellen des Hafthauses I, das ehemalige Hinrichtungsgebäude und das Hafthaus III.

Neben der Ausstellung befinden sich in dem Gebäude auch die Besucherinformation mit Buchshop, ein Raum für Veranstaltungen und pädagogische Arbeit, Büroräume und der Sammlungsraum.

Weitere Informationen für den Besuch der Gedenkstätte

Im Video erklärt Gedenkstättenleiterin Martina Staats kurz, warum es überhaupt eine Gedenkstätte in Wolfenbüttel gibt.

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Der Zugang zu den historischen Orten in der JVA ist nur für Gruppen und nur nach Voranmeldung mindestens 14 Tage vor dem Besuch möglich.

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