Blick zum Bahnhof

Ein Erlebnis zu jeder Jahreszeit: Spaziergang über die Wolfenbütteler Wallanlagen

Die Idee: Einmal im Grünen und in der Natur rund um unsere historische Altstadt spazieren – seit vielen Jahren nehme ich mir das vor, bin aber irgendwie nie dazu gekommen… Na klar, ich war schon im Seeligerpark und am Stadtgraben, aber einen kompletten Rundgang habe ich noch nie in Angriff genommen. Jetzt habe ich mich endlich aufgerafft und mir einen Tag im Februar als Termin gesetzt. Ihr fragt sicherlich, warum ich mir diesen unwirtlichen Monat für meinen Gang über die Wallanlagen ausgesucht habe? Nach langer Überlegung habe ich einen Vorteil gefunden, den diese Jahreszeit dafür hat: Ich kriege den optimalen Durch- und Ausblick, da die meisten Bäume und Büsche noch kahl sind!

Wallanlagen: Durchblick zum Schloss
Wallanlagen: Durchblick vom Seeligerpark zum Schloss ©Donata Sengpiel-Schröder, Stadt Wolfenbüttel

Trotzdem habe ich nichts dagegen, wenn ihr euren Rundgang vielleicht doch erst in der warmen Jahreszeit macht; eine Menge lauschiger Plätze laden dann zu einer Rast oder einem kleinen Picknick ein 🙂 🙂 🙂 …

Picknick in den Wallanlagen
Idee für den Sommer: Picknick in den Wallanlagen ©Christian Bierwagen, Stadt Wolfenbüttel

Die Vorbereitung

Ich bin ein geselliger Mensch, also habe ich mich mal umgehört, wer mich auf diesem Rundgang vielleicht begleiten möchte. Und tatsächlich, zwei nette Männer haben zugesagt: Dieter K. (ü 60), der alles Geschichtliche über die Wallanlagen weiß und Torben G. (u 25), für den die Wallanlagen bisher ein weißes Blatt sind (na ja, er ist ja auch nicht aus Wolfenbüttel…). Aus beruflichen Gründen habe ich ein gewisses Basiswissen, freue mich aber darauf, von Dieter weitere interessante Informationen und Geschichten zu hören. Ich bin gespannt, was Torben und ich so alles erfahren…

Meine Begleiter: Torben und Dieter
Meine Begleiter: Torben und Dieter ©Donata Senpiel-Schröder, Stadt Wolfenbüttel

Der Rundgang

Wir starten mit unserer Tour an der Tourist-Info auf dem Stadtmarkt und wollen die Altstadt gegen den Uhrzeigersinn umrunden. Doch bevor es losgeht, erzählt uns Dieter erstmal etwas zur geschichtlichen Bedeutung der Wallanlagen, sogar eine ganze Menge und wir können ihn kaum stoppen. Für euch hier nur ganz kurz die wichtigsten Infos: Im 17. und 18. Jahrhundert war die Blütezeit der Stadt Wolfenbüttel. Die über 300 Jahre von hier regierenden Welfenherzöge hatten unter anderem dafür gesorgt, dass ihre Residenz mit den mächtigsten Befestigungsanlagen in ganz Norddeutschland gesichert wurde. Die Stadt war dadurch uneinnehmbar. Ende des 19. Jahrhunderts brauchte man diese Anlagen nicht mehr und sie wurden „geschleift“, das heißt abgetragen. Ein wichtiger Anlass für den Rückbau war auch, dass die Stadt weiter wuchs und dringend Bauland brauchte. Interessant: Die Fläche der Befestigungsanlagen war genauso groß wie die Fläche der gesamten Altstadt. Viele Bereiche sind deshalb heute bebaut; wir wollen heute den verbliebenen Wallanlagen: vom Seeligerpark über den Stadtgraben bis zum Rosenwall folgen.

Plan der Wallanlagen
Plan der Wallanlagen ©Aktionsgemeinschaft Altstadt e.V.

Der Seeligerpark

In knapp fünf Gehminuten erreichen wir den Seeligerpark. Das tolle an unserer Altstadt: Alles ist ganz nah und mit wenigen Schritten zu erreichen. Hier sind wir nun mitten in der Stadt, doch ganz im Grünen. Dieser Park hat eine ganze Menge zu bieten: An seiner Westseite teilen sich unser städtisches Jugendgästehaus und die Landesmusikakademie Niedersachsen einen modernen Gebäudekomplex (hier gibt es kostenfreie Parkplätze). Mein Tipp. Besucht mal ein Konzert in diesem Haus. Vom großen Musiksaal aus hat man durch die haushohen Fenster einen fantastischen Blick in diesen Park und auf die auf einem Hügel liegende Seeliger Villa. Sie ist heute Verwaltungssitz der Landesmusikakademie. Unter der Villa liegen die  „Mordgruben“ (Kasematten), Teil des ehemaligen Systems von Gewölbegängen innerhalb der mächtigen Befestigungsanlagen, die unsere Stadt rundum geschützt haben. Nehmt doch im Sommerhalbjahr mal an einer der öffentlichen Führungen durch die Kasematten teil, zum Beispiel mit meinem Begleiter Dieter.

Villa Seeliger
Villa Seeliger ©Donata Sengpiel-Schröder, Stadt Wolfenbüttel
Kasematte im Seeligerpark
Eine freigelegete Kasematte im Seeligerpark ©Aktionsgemeinschaft Altstadt e.V.

Wer nicht in den Untergrund will: Hier im Park kann man nicht nur spazieren gehen oder gemütlich auf einer Bank sitzen, sondern auch einen Trend-Sport betreiben: Discgolf. Wolfenbüttel ist dafür eine Hochburg in Deutschland mit zwei Parcouren. Einer davon ist in diesem Park: Neun Bahnen verteilen sich auf dem Gelände. Endpunkt jeder Bahn ist ein Korb, in den die Scheiben nach möglichst wenigen Würfen landen sollten… Das entsprechende Spielgerät dazu könnt ihr in der Tourist-Info ausleihen. Ach so, hier in Wolfenbüttel ist der amtierende Vizeweltmeister in dieser Sportart zu Hause. Vielleicht trefft ihr ihn mal bei einer seiner Trainingsrunden

Discgolf-Korb im Seeligerpark
Discgolf-Korb im Seeligerpark ©Donata Sengpiel-Schröder, Stadt Wolfenbüttel

Dann macht uns Dieter noch auf eine sonderbare Anordnung von drei Bäumen im Park aufmerksam; sie bilden den Grundriss einer der ehemaligen Bastionsspitzen nach! Na, wer hätte das gewusst???

Bäume markieren Umrisse der Bastionsspitze
Bäume markieren Umrisse der Bastionsspitze ©Donata Sengpiel-Schröder, Stadt Wolfenbüttel

Der Weg zum Stadtgraben

Jetzt verlassen wir aber endlich den Seeligerpark, obwohl – ich hätte  mir gern noch die teilweise exotischen Bäume etwas näher angeschaut, die hier wie in einem englischen Landschaftspark stehen, aber das mache ich mal in einer anderen Jahreszeit, wenn auch Blätter dran sind….

Über eine kleine Holzbrücke Richtung Osten erreichen wir den großzügigen Bahnhofsvorplatz, auf dem sich unser „Kulturbahnhof“ breit macht. Schaut doch mal auf seine Beschilderung; ihr werdet staunen: Dieser Bahnhof gehörte zur ersten Deutschen Staatseisenbahn-Strecke, die von Wolfenbüttel nach Braunschweig führte… Wer hier schon Durst und Hunger verspürt, für den gibt es ein kleines Wirtshaus direkt an der Oker, ein asiatisches Restaurant oder auch einen Imbiss. Das brauchen wir bei unserem heutigen Spaziergang nicht. Wir folgen brav der Grünfläche entlang der Oker. Hier entdecken wir ein besonderes „Denkmal“ zur Wiedervereinigung Deutschlands: Drei Bäume.  Nachdem uns eine Infotafel mitteilt, was sie zu bedeuten haben, gehen wir weiter und überqueren die Bahnhofstraße auf der „Blankenburg-Brücke“, benannt nach unserer jüngsten Partnerstadt Blankenburg am Harz in Sachsen-Anhalt.

Wir sind jetzt auf einem Verbindungsstück ohne „Natur“: Hier wurde nach den Rückbau der Wallanlagen eifrig gebaut. Aber schon wenige Meter hinter der Post (Ansichtskarten einwerfen!) sind wir wieder in der Natur, dem Areal des ehemaligen Harztorwalles. Hier handelt es sich um eine besonders bei Hundehaltern beliebte Grünfläche, also bitte Vorsicht beim Betreten des Rasens… Durch die kahlen Bäume nach Süden erkennen wir einen weißen mehrstöckigen Firmenbau: Deutschlands ersten privaten Busterminal  in einer Innenstadt. Wenn ihr mit dem Fernbus anreist, kommt ihr hier an. Ein Blick noch nach Norden und wir sehen die Spitze unserer mächtigen Hauptkirche. Die werden wir bei unserem Rundgang eigentlich nie aus den Augen verlieren…Und noch einen letzten Blick auf die großzügige Rasenfläche vor uns: Dieter macht uns hier noch einmal deutlich, dass alle Wallanlagen, die wir heute durchwandern, zur Abwehr von Angreifern mit Wasser gefüllt waren, natürlich aus der Oker. Im Bereich des Stadtgrabens, dem wir uns jetzt nähern, ist das auch heute noch so. Jetzt gehen wir  noch am FBZ, dem Jugendfreizeitzentrum der Stadt, vorbei und schon liegt er vor uns, der Stadtgraben, das Sahnestück unserer Wallanlagen.

Wallanlagen
Am Harztorwall nehmen wir den oberen Weg, unten stand ja früher das Wasser ©Donata Sengpiel-Schröder
Durchblick zum Busterminal
Durchblick zum Busterminal ©Donata Sengpiel-Schröder

Man soll ja immer aufhören, wenn es am Interessantesten wird… Ich hoffe, ihr freut euch schon auf meinen zweiten Teilbericht über unseren Rundgang durch die Wolfenbütteler Wallanlagen. Wir haben noch viele Sachen erlebt, die ich euch erzählen möchte….Hier schon mal ein „Appetitmacherbild“

Enten am Stadtgraben
Heute ist wieder was los am Stadtgraben ©Donata Sengpiel-Schröder, Stadt Wolfenbüttel

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Ein Gedanke zu “Ein Erlebnis zu jeder Jahreszeit: Spaziergang über die Wolfenbütteler Wallanlagen

  1. Toller Rundgang und toller Bericht.
    Ich muss bei meinem nächsten Besuch wohl doch mal die Laufschuhe einpacken.

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