Weihnachtsmusik in Wolfenbüttel © Elisabeth Fischer, Stadt Wolfenbüttel

Wie ich mich in Wolfenbüttel auf Weihnachten einstimme

Das Weihnachtsfest steht kurz bevor und ich frage mich, wo die Zeit geblieben ist. Geht es euch auch so? Gerade habe ich noch die Weihnachtsdekoration aus diversen Kartons zusammengekramt und die Wohnung festlich geschmückt, da sind auf einmal fast alle Adventskalendertürchen geöffnet und es bleibt nicht mehr viel Zeit, die letzten Geschenke noch zu besorgen. Mit seiner besonderen Atmosphäre voller Lichter, lieb gewonnener Traditionen, positiver Emotionen und kleiner Überraschungen, ist der Advent eine sehr besondere Zeit im Jahr. Deshalb möchte ich sie nicht einfach an mir vorbei ziehen lassen, sondern versuche mir Momente zu schaffen, in denen ich zur Ruhe kommen und die Besonderheiten dieser Zeit bewusst aufnehmen kann.

Dabei spielt für mich Musik verschiedener Genres eine sehr große Rolle, denn Musik kann uns in die unterschiedlichsten Stimmungen versetzen. So ist es nicht verwunderlich, dass sie besonders in der Adventszeit eine große Bedeutung hat, was mir ein Blick in den Wolfenbütteler Veranstaltungskalender und das Weihnachtsmarktprogramm bestätigt. Ich höre Weihnachtsmusik sehr gerne live und habe deshalb wieder einige der zahlreichen Konzerte und Adventsmusiken in Wolfenbüttel besucht. Von den unglaublich lustigen, überraschenden und berührenden Momenten, die ich dabei erlebt habe, möchte ich Euch gerne erzählen. Hört in die Musikstücke rein, die ich verlinkt habe. Vielleicht könnt ihr die Stimmung nachempfinden :).

Musikalische Geschenke

Es ist das erste Adventswochenende und bevor ich dieses Jahr dazu komme mir etwas anzuhören, spiele und singe ich selbst in einem Adventskonzert mit. Auch wenn ich für das Konzert schon im September Weihnachtslieder probe, kommt die Stimmung erst durch die erwartungsvolle Spannung während des Konzertes, das gemeinsame Erleben sowie die besondere Lichtdekoration auf. So bin ich von überhaupt keiner direkt in absolute Adventsstimmung gekommen. Musik selbst zu machen ist für mich ein Weg, in der Adventszeit vielen Menschen etwas zu „schenken“ und auch etwas zurückzubekommen.

Weihnachtseuphorie in der Hauptkirche

Auf dieses schöne Konzert folgt am 2. Adventswochenende der nächste Höhepunkt – das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach in der Hauptkirche Beatae Mariae Virginis. Ausführende sind die Kantorei St. Marien sowie vier Solisten und das Barockorchester L’Arco aus Hannover. In 6 Kantaten (Teilen) wird die Weihnachtsgeschichte musikalisch erzählt, wobei die Kantaten 1 – 3 wohl am bekanntesten sind. Es gehört für mich absolut zur Weihnachtszeit und es fehlt etwas, wenn ich es mal Jahr nicht live hören kann.

Weihnachtsoratorium in der Hauptkirche Wolfenbüttel © Elisabeth Fischer, Stadt Wolfenbüttel
Weihnachtsoratorium in der Hauptkirche Wolfenbüttel © Elisabeth Fischer, Stadt Wolfenbüttel

Es ist ein feierliches Gefühl und für mich ein absoluter Gänsehautmoment, als ich in der bis auf den letzten Platz vollbesetzten Kirche stehe und nach einer langen, erwartungsvollen Stille die Paukenschläge, Trompetenläufe und das „Jauchzet, frohlocket erklingen.

Mein Freund und ich strahlen uns an und fühlen „Jetzt ist Weihnachten“. Ich kann das Gefühl nicht besser beschreiben, lasst euch selbst mal vom Weihnachtsoratorium in Weihnachtseuphorie versetzen. Die prunkvollen Elemente der Kirche, sowie die besondere Beleuchtung und die festliche Konzertkleidung der Sänger und des Orchesters unterstreichen die glanzvolle Stimmung. So lasse ich mich  am Ende vom Applaus im Stehen mitreisen und feiere die Sänger, Musiker und irgendwie auch den Beginn der Adventszeit. Beim Hinausgehen treffen wir Freunde und teilen unsere Euphorie bei einem Glühwein in einem nur wenige Schritte entfernten Adventshof des Weihnachtsmarktes. Echt lessig eben :)!

Kronleuchter Hauptkriche © Elisabeth Fischer, Stadt Wolfenbüttel
Kronleuchter der Hauptkirche in Wolfenbüttel © Elisabeth Fischer, Stadt Wolfenbüttel

Die in diesem Jahr zum Weihnachtsmarkt neu dazugekommenen, gemütlichen vier Adventshöfe (Klosterhof, Kinohof, Märchenhof im Standesamt und Kommisshof) finde ich großartig und da ich sie vielen Freunden aus der Region zeigen will, bin ich schon jetzt öfter auf dem Weihnachtsmarkt gewesen, als die letzten Jahre. Auch das vielfältige, musikalische Programm in den Höfen und auf der Bühne des Weihnachtsmarktes will ich mir nicht entgehen lassen.

Klosterhof Weihnachtsmarkt Wolfenbüttel © Elisabeth Fischer, Stadt Wolfenbüttel
Klosterhof des Wolfenbütteler Weihnachtsmarktes © Elisabeth Fischer, Stadt Wolfenbüttel

Strahlende Kinderaugen und ein starkes Gemeinschaftsgefühl

So kommt es, dass ich mich am 3. Adventswochenende trotz Sturm und Regen mit anfangs zugegebenermaßen wenig Motivation zur Verabredung mit einer befreundeten Familie zum Wolfenbütteler Weihnachtsmarkt aufmache. Heute spielt unter anderem ein Posaunenchor auf der Bühne des Weihnachtsmarktes, jedoch bin ich skeptisch ob die klassische Musik in Kombination mit dem schlechten Wetter Zuhörer anzieht. Und obwohl ich früher selbst in einem Posaunenchor gespielt habe, bin ich mir nicht sicher, ob mir die Musik stimmungstechnisch noch was gibt. Auf dem Weihnachtsmarkt angekommen, sitzen und stehen zu meiner Überraschung trotz Kälte und Regen unzählige Menschen mit Regencapes, die die gelegentlich vom Bühnendach fallenden Wassermassen mit viel Humor nehmen, und den traditionellen Weihnachtschorälen lauschen. Besonders fallen mir die vielen Kinder auf, die gebannt die Instrumente bestaunen und ihren Eltern sagen, sie wollen gerne Posaune spielen. Total süß!

Kinder staunen über die Instrumente © Elisabeth Fischer, Stadt Wolfenbüttel
Kinder staunen über die Instrumente © Elisabeth Fischer, Stadt Wolfenbüttel

Ich bin von der Situation sowie der Musik berührt. Die traditionelle Blechbläsermusik mit ihrem strahlenden, vertrauten Klang sowie die einfache, familiäre, bodenständige, gelöste Atmosphäre mit den vielen Familien, Kindern und älteren Menschen, die teilweise die Texte mitsingen, gibt mir ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl. Und wie ich es in Wolfenbüttel schon oft erlebt habe, bin ich spontan in einem super netten Gespräch mit einem Mitglied des Posaunenchores, der mir erzählt, dass er vor lauter Auftritten gar nicht dazu kommt sich ein Konzert anzuhören. Wir stellen fest, dass es für uns beide wichtig ist, im Advent selbst Musik zu machen. Eine herzliche Einladung zum Posaunenchor gab es obendrauf. Vielen Dank dafür :)! Nach einer kleinen Stärkung mit überbackenem Blumenkohl, Zipfeln (Wolfenbütteler Spezialität!) und Feuerzangenbowle mit Vanilleeis (sehr lecker!), locken uns fetzige Blechbläserklänge wieder zur Bühne, vor der es jetzt noch voller und ein bisschen ausgelassener ist. Das MTV Blasorchester spielt moderne Weihnachtslieder, die dem Großteil des Publikums und vor allem den Kindern bekannt sind. So singen wir gemeinsam „In der Weihnachtsbäckerei…“ und schunkeln im Takt. Eine sehr fröhliche Weihnachtsstimmung.

Posaunenchor Wolfenbüttel © Elisabeth Fischer, Stadt Wolfenbüttel
Posaunenchor Wolfenbüttel © Elisabeth Fischer, Stadt Wolfenbüttel

Unerwarteter Gänsehautmoment

Ich möchte euch kurz zu einem Moment mitnehmen, in dem mich weihnachtliche Musik überraschend tief berührt hat. Stellt euch vor, es ist ein klarer, kalter Vollmondabend. Ihr sitzt nach einem schönen, gelösten Weihnachtsmarktbummel mit euren Lieben etwas abseits des Weihnachtsmarktes auf gemütlichen Kissen, eingemummelt in Decken zwischen leuchtenden Weihnachtsbäumen. In der Hand habt ihr einen heißes, winterliches Mixgetränk. Obwohl ihr mitten in der Stadt seid und die klare kalte Winterluft euch das Gesicht einfriert und durch die Hosenbeine kriecht, fühlt ihr euch geborgen und fast wie zu Hause. Ihr seid glücklich. Dann hört ihr dieses Lied aus dem Film „Der Polarexpress“: 

Das habe ich im Kinohof in Wolfenbüttel erlebt! Es war toll!

Warme Mixgetränke im Kinohof © Elisabeth Fischer, Stadt Wolfenbüttel
Warme Mixgetränke im Kinohof © Elisabeth Fischer, Stadt Wolfenbüttel

Ausgelassener Weihnachtsjazz im Lessingtheater

Doch nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt und in der Kirche, auch im Lessingtheater gibt es Weihnachtsmusik. Da ich auch sehr gerne weihnachtliche Jazz-, Popp-, und Swingmusik höre, habe ich mir Karten für die Puppini Sisters gekauft, die in der Woche vor dem 4. Advent im Lessingtheater auftreten. Ich habe keine Ahnung was mich erwartet, als ich vom Parkplatz 5 Minuten vor Beginn ins Theater renne. Die Termine drängen sich in dieser Zeit. Bereits nach den ersten Takten habe ich Gänsehaut und bin begeistert von den großartigen „Star-Stimmen“. Die Puppini Sisters sind 3 Sängerinnen aus England, die von einer Band, bestehend aus einem Kontrabass, einer E-Gitarre sowie einem Schlagzeug begleitet werden. Sie singen bekannte englische Weihnachtslieder wie „Winterwonderland“ oder „Jingle Bells“ (hört rein und swingt mit) und andere Songs im Vintage-Swing-Stil.

Die Musik in Kombination mit der blau-violett und grün-rot beleuchteten Bühne weckt in mir Bilder von Weihnachten, wie ich es aus typisch amerikanischen Weihnachtsfilmen kenne. Ein schneebedecktes Haus mit unglaublich viel Lichtdekoration, in dem ein riesiger, bunt geschmückter Baum vor einem Kamin steht, an dem rot-grün geringelte Socken befestigt sind. Die roten, knielangen Kleider und glitzernden Stöckelschuhe der Sängerinnen tun ihr übriges dazu. Ein komplett anderes Genre als bisher, verbunden mit einem komplett anderen, eher glamourösen aber dennoch vertrauten Weihnachtsgefühl. Und wieder ist es das gemeinschaftliche Erleben, dass gemeinsame Mitklatschen und Mittanzen beim letzten Lied, das ich in der Adventszeit besonders intensiv wahrnehme.

Viele tolle, musikalische Adventsveranstaltungen in Wolfenbüttel haben mich die Adventszeit unterschiedlich fühlen lassen und waren kleine Oasen in der hektischen Zeit. Ich kann Euch sehr empfehlen bis oder an Weihnachten Weihnachtsmusik live anzuhören, um euch so richtig auf die Feiertage einzustimmen.

Zum Schluss habe ich euch mit Freunden den bekannten Satz des Stückes „Es ist ein Ros entsprungen“ für diesen Blog eingespielt. Er wurde von dem Wolfenbütteler Komponisten und Hofkapellmeister Michael Praetorius geschrieben!!

Wir, die Blogger der Lessingstadt Wolfenbüttel, wünschen Euch eine besinnliche, fröhliche Weihnachtszeit und ein wunderschönes neues Jahr mit viel Gesundheit und vielen tollen Erlebnissen in Wolfenbüttel.

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5 Gedanken zu “Wie ich mich in Wolfenbüttel auf Weihnachten einstimme

  1. Vielen Dank für den schönen und sehr interessanten Artikel. Er ist sehr gut geschrieben und macht Lust das auch alles mal zu erleben. Ich bin begeistert wie gut die Adventsstimmungen in diesem Artikel rübergebracht werden.

  2. Ganz herzlichen Dank für die Mitnahme dieser wunderbaren Erlebnisse.
    Es macht schon fast neidisch, nicht dabei gewesen zu sein…aber gute Vorsätze für das nächste Jahr braucht man ja auch.
    Bitte noch viele so schöner Berichte veröffentlichen.

  3. Hallo Elli vielen Dank für den schönen Artikel. Die Beschreibungen der vielen schönen Momente können wir in diesem Jahr besonders gut gebrauchen. Schön das Du uns zu allen diesen schönen Unternehmungen mitgenommen hast. Ich freue mich schon auf Deine nächsten Berichte!

  4. „Wie ich mich in Wolfenbüttel auf Weihnachten einstimme “ gefällt mir auch nach Weihnachten sehr gut. Der Artikel lädt ein, Wolfenbüttel unbedingt einmal zu besuchen.
    Ruth Becker

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