Bürgermuseum

Ein Regentag in Wolfenbüttel: Auf ins Museum

Ich bin heute für euch in den drei großen Museen Wolfenbüttels auf historischen Wegen unterwegs. Dabei beginne ich meinen Rundgang in vergangene Zeiten im Schloss Wolfenbüttel, besuche die Herzog August Bibliothek und das 2017 eröffnete Bürgermuseum.

Aber nun – bevor wir beginnen, möchte ich mich vorstellen: Mein Name ist Catharina und ich bin gebürtige Wolfenbüttelerin. Im Jahr 2010 verließ ich Wolfenbüttel mit einem lachenden und einem weinenden Auge, um die Welt zu entdecken und mich meinem Studium zu widmen. Zum Abschluss meiner Ausbildung habe ich beschlossen, in meine Heimatstadt zurückzukehren und ein Praktikum in der Tourist-Information zu absolvieren.

Ein verregneter oder kalter Wintertag eignet sich perfekt für einen Ausflug ins Museum. Die zwei großen Museen der Lessingstadt und die Herzog August Bibliothek laden zur Besichtigung ein. Das Beste daran ist, dass sich diese unmittelbar in der Nähe des Schlosses befinden und somit fußläufig zu erreichen sind. Dies ist auch der Ausgangspunkt, von dem ich meine Museumstour beginne.

Das Schloss Wolfenbüttel – Gymnasium, Theater und Museum unter einem Dach

Das prunkvolle Gebäude, welches für 400 Jahre als Residenz der welfischen Herzöge von Braunschweig und Lüneburg diente, beeindruckt mich immer wieder mit seiner majestätischen Eleganz und seinem zeitlosen Charme. Ich gehe durch den, mich an meine Schulzeiten erinnernden Schlosshof, und werde beim Betreten des Museums freundlich empfangen.

Schlossdurchgang zum Hof
Schlossdurchgang zum Hof ©Christian Bierwagen, Stadt Wolfenbüttel

Um noch mehr über die Geschichte des Schlosses zu erfahren, entscheide ich mich dafür, eine Besichtigung mit Hilfe eines Audioguides zu tätigen. Das handliche Gerät erklärt den Besuchern ausführlich die einzelnen Stationen des  Museums. Deutsch, wie auch Englisch können optional als Sprachen für die Führung eingestellt werden. Für Besucher, die es jedoch bevorzugen eine persönliche Führung  durch die Gemächer des Schlosses zu unternehmen, stehen die Mitarbeiter des Schloss Museums zur Verfügung.

Die Tour beginnt im edlen herzoglichen Wartezimmer, bekannt als „antichambre“. Zu Hofe wurde Französisch gesprochen. Dies galt als „chic“ und verlieh dem Wolfenbütteler Hof ein kosmopolitisches Flair.

Antichambre Schloss Wolfenbüttel
Antichambre Schloss Wolfenbüttel © Jutta Brüdern, Museum Schloss Wolfenbüttel

Das edle Zimmer diente der Machtdemonstration und verdeutlichte jedem Besucher, dass in diesem Saal die herzogliche Macht regierte und es sich dieser zu unterwerfen galt.  Geladene Gäste traten daraufhin weiter vor in das Audienzzimmer des Herzoges, welches durch seine rot/goldene Farbgebung, imposante Holzfiguren in Form von Dienern und einer Decke aus plastischem Stuck beeindruckt.

Wusstet ihr, dass die Dienerfiguren ein Geschenk des Zaren Peters des Großen aus dem Jahr 1713 sind? Wie man deutlich erkennen kann, der Hof von Wolfenbüttel schmückte sich mit internationalen Gästen und deren großzügigen Geschenken! Das nächste Zimmer, das ich betrete, ist das gold-gelbe Paradeschlafzimmer des Herzogs. Doch wer glaubt, dass der Herzog hier tatsächlich geschlafen hat, irrt sich. Das Zimmer diente als weiteres Empfangszimmer. In diesem Zimmer nahm der Herzog seine Gäste liegend, auf seinem königlichen Kanapee, in Empfang.

Die Korridore des Schlosses sind geschmückt von beeindruckenden Gemälden, die nicht nur Kunstliebhaber zum Staunen bringen. Ich wandele durch die Gänge, von einem Zimmer zum nächsten und stelle mir vor, wie das Leben zu Hofe zwischen den Jahren 1283 und 1754 in vollem Glanz blühte. Ein weiterer Höhepunkt meines Besuchs im Wolfenbütteler Schlossmuseum ist das fürstliche Essgemach. Der reichlich gedeckte Tisch gibt den Besuchern einen Eindruck davon, wie zu Hofe gespeist wurde.

Venussaal Schloss von Wolfenbüttel
Venussaal Schloss von Wolfenbüttel

Edles Silberbesteck, exotische Köstlichkeiten und aus dem Orient stammende Delikatessen, wie Marzipan vergnügten die Gaumen der Schlossbewohner. Dabei ist zu bedenken, dass diese von rund  35 Dienern serviert wurden.

Ich beende meinen Rundgang mit einem Einblick in das Schlafgemach der Herzogin Philppine Charlotte, die Mutter der berühmten Anna Amalia. Neben der permanenten Ausstellung rund um das welfische Leben in Wolfenbüttel, bietet das Schlossmuseum wechselnde Ausstellungen zu verschiedenen Themenbereichen an.

Die Herzog August Bibliothek – mehr als eine Sammlung teurer Bücher

„… so etwas wie ein Wunder, Herzog August und seine Bibliothek“. Das ist der Titel der Ausstellung als ich die Herzog August Bibliothek besuche. Ich stehe vor dem imposanten Gebäude der Bibliothek und empfinde bereits die gewaltige Aura der Bibliotheca Augusta als etwas Magisches. Vom Schloss ist die Bibliothek schnell zu erreichen, da die Gebäude nur durch eine Straße voneinander getrennt sind.

Herzog August Bibliothek
Herzog August Bibliothek © Christian Bierwagen, Stadt Wolfenbüttel

Ich stehe direkt vor der Bibliothek und zu meiner Linken befindet sich das „Lessinghaus“. In diesem Haus lebte Gotthold Ephraim Lessing in den Jahren 1777-1781. Fasziniert vom liebevoll gestalteten Vorgarten der Bibliothek, mache ich mich auf den Weg in das Innere der berühmten Bibliothek, die ihren legendären Ruf Herzog August dem Jüngeren von Braunschweig-Lüneburg zu verdanken hat. Ich entscheide mich dazu, auf eigene Faust  die gigantische Büchersammlung des gebildeten und weltgewandten Herzog August zu bestaunen. Bei Bedarf und Interesse können Besucher jedoch auch eine Führung durch die Hallen der Bibliothek buchen. Bei Erwerb einer Eintrittskarte für die Bibliothek kann auch das Lessinghaus kostenlos besucht werden.

Die Augusteerhalle
Die Augusteerhalle

Bevor ich mich der eigentlichen Materie widme, bestaune ich die beeindruckenden Räumlichkeiten, der in der Frühen Neuzeit errichteten Bibliothek. Die hohen Wände, gefüllt mit dicken Büchern und die kunstvoll verzierte Decke, faszinieren mich.  Allein dieser ästhetische Genussmoment ist es bereits wert, die Herzog August Bibliothek einmal von Innen zu betrachten. Herzog August besaß eine Sammelleidenschaft für Bücher aus der ganzen Welt und  katalogisierte diese. Dadurch entstand ein kultureller Schatz, der von italienischen Epen bis zu den Grundlagen der Zeichenkunst reicht. Die Sammelleidenschaft des Herzogs und sein Streben nach Wissen machte die Herzog August Bibliothek zu einem Studienort, der immer wieder Intellektuelle aus ganz Europa nach Wolfenbüttel führte und dem Hof neuen Glanz verlieh.

Alte Bücher wohin das Auge reicht
Alte Bücher wohin das Auge reicht

Mich zieht es in den sogenannten „Tresor“, einen kleinen Raum, indem sich die Abschrift aller vier Evangelien befindet. Diese Abschrift ließ Heinrich der Löwe erstellen. Das Evangelia gilt als das Hauptwerk der romanischen Buchmalerei des 12. Jahrhunderts in Norddeutschland. Neben kostbaren Büchern, entdecke ich eine Sammlung von Globen. Diese zeigen Weltkarten und die Rezeption der Welt, vom späten Mittelalter bis in die frühe Neuzeit.  Es ist sehr interessant zu sehen, wie sich die Menschen die Anordnung der verschiedenen Kontinente vorstellten, und wie sich ihr Weltbild im Laufe der Zeit wandelte.

Ich beende meinen Rundgang mit einem  Abstecher in die aktuelle, temporäre Ausstellung zum Thema „Neue Seiten. Zugänge zur Künstlerbuchsammlung“. Die Ausstellung widmet sich der Künstlerbuchsammlung der Herzog August Bibliothek. Sie präsentiert eine Auswahl an Neuerwerbungen aus den letzten zwei Jahren, die Eigenwilligkeit künstlerischer Ausdrucksform abseits des Kunstmarktes vertreten. Beflügelt vom kulturellen Reichtum meiner Heimatstadt, mache ich mich auf den Weg zur letzten Station meiner Museumstour: Das Bürger Museum.

Das Bürger Museum – Geschichte und Geschichten erleben

Am 11. Mai 2017 wurde das Bürger Museum Wolfenbüttel eröffnet. Vielen Mitbürgern ist dieses Gebäude als „Jahnturnhalle“ bekannt, in dem der ein oder andere Wolfenbütteler den schulischen Sportunterricht verbrachte.

Anders als im Schlossmuseum gibt es hier keine Audioguides und das Museum ist kostenfrei bis zum Ende des Jahres für all diejenigen, die eigenständig das chronologisch aufgebaute Museum erkunden möchten. Führungen sind auf Bedarf gegen Entgelt buchbar. Der chronologische Aufbau ermöglicht es mir, mich schnell zurechtzufinden. „Interaktive Hörstationen“ ersetzen auf eine gelungene Art und Weise den Audioguide.

Bürgermuseum
Das neue Bürger Museum in der ehemaligen Jahrturnhalle – © Björn Reckewell

Das Museum widmet sich der Stadtgeschichte Wolfenbüttels, beginnend im elften  Jahrhundert. Berühmte Wolfenbütteler Persönlichkeiten, wie Anna Vorwerk und Dr. Siegfried Kirchheimer erzählen ihre persönlichen Geschichten. Ein chronologisch aufgebauter Pfad führt mich durch das Wolfenbüttel des Mittelalters, der frühen Neuzeit, der NS-Zeit, der Nachkriegszeit und das uns bekannte Wolfenbüttel der Gegenwart.

Jahnturnhalle in Wolfenbüttel
Die ehemalige Jahnturnhalle © Stephanie Angel, Stadt Wolfenbüttel

Die facettenreichen Gesichter Wolfenbüttels als Garnisonsstadt, Residenzstadt, Gärtnerstadt und als beliebter Anlaufpunkt für Intellektuelle aus ganz Europa begeistern mich. Meine Heimatstadt – so vielfältig? Faszinierend! Ich beende meinen historischen Rundgang im Bürger Museum und bin erneut erstaunt darüber, wie reich meine Heimatstadt an Kultur ist. Ich habe altes Wissen aufgefrischt und viel Neues dazu gelernt.

An einem verregneten Tag ist ein Ausflug in die mannigfaltige  Museumswelt Wolfenbüttels eine gute Idee. Groß und Klein kommen auf ihre Kosten und lernen die Stadt und ihre vielen Gesichter auf spannende Art und Weise kennen. Ich empfehle für einen Besuch der Wolfenbütteler Museen viel Zeit mitzubringen (circa ein bis eineinhalb Stunden pro Museum), denn es gibt viel zu entdecken und mit etwas Gelassenheit macht ein Ausflug ins Museum gleich noch mehr Freude.

Eure Catharina