Inschrift über dem Eingang zum Lessinghaus

10 gute Gründe, um Lessing zu erleben

„Nenn uns doch mal 10 Gründe, warum Wolfenbüttel die Lessingstadt ist!“. Das fragen mich öfter mal Freunde und Bekannte. Gute Gründe, Wolfenbüttel zu besuchen gibt es ja bekanntlich ganz viele. Angefangen bei den Welfen, dem Schloss, der Altstadt mit den mehr als 600 Fachwerkhäusern, und so weiter und so fort. Aber darum soll es an dieser Stelle ja ausnahmsweise nicht gehen (oder nur am Rand).

Hier kommt sie also, meine ganz persönliche Liste mit den 10 ultimativen Gründen, wie Ihr Lessing in Wolfenbüttel erleben könnt:

#1 – Das Lessinghaus

Das Lessinghaus und der Eingang zum Museum
Foto: Stadt WF / Christian Bierwagen

Das Haus darf in keiner Aufzählung fehlen. Lessing wohnte und arbeitete hier von 1777 bis 1781. Heute ist das Lessinghaus ein Teil der berühmten Herzog August Bibliothek und Ihr findet im öffentlichen Bereich ein Museum. Das ist an sich alles schon sehr beeindruckend. Was mich an dem Haus aber stets fasziniert ist die Tatsache, dass Lessing hier seine schwersten Stunden erleben musste. Frau und Kind starben und die Zensur wurde über ihn verhängt. Dennoch schaffte er es, nicht in Depressionen zu versinken sondern schrieb sein wohl wichtigstes Werk: Nathan der Weise. Geht mal mit der Geschichte im Hinterkopf durch das Lessinghaus, mir macht es immer eine Gänsehaut.

#2 – Schloss Wolfenbüttel

Schlossdurchgang zum Hof
Foto: Stadt WF / Christian Bierwagen

Lessings erster Wohnsitz. Heute sind hier das größte Gymnasium der Stadt, die Bundesakademie für kulturelle Bildung sowie das schöne und einzigartige, barocke Schlossmuseums ansässig. Zu Lessings Zeit war das Welfenschloss wohl „nur“ ein leerer Kasten. Der Hof war bereits 16 Jahre vorher nach Braunschweig umgezogen und vermutlich war Lessing mit seinem Diener mehr als verloren in den hunderten Räumen. Seine Wohnung im höchsten Geschoss mit Blick auf den Schlossplatz wäre heute eine bevorzugte Wohnlage, damals blickte er ganz sicher nicht auf eine so lebendige Stadt wie heute. Mein Tipp: Über das Jahr gibt es zahlreiche Veranstaltungen wie den KulturSommer oder den Adventsmarkt am 1. Advent. So könnt Ihr das Schloss noch auf eine ganz andere Art erleben. Oder Ihr bucht Euch den Renaissancesaal und feiert dort Eure Hochzeit. Schlossbesitzer für einen Abend, ganz allein mit Gästen, wie Lessing damals. Klingt doch toll!

#3 – Bibliotheca Augusta

Mit Blick über den Löwen an der Tür der Bibliothek sieht man im Hintergrund das Schloss
Foto: Stadt WF / Christian Bierwagen

Hinter den schweren Eichentüren der Herzog August Bibliothek wartet sie, die Augusteerhalle. Schatzkammer und kultureller Mittelpunkt der Lessingstadt. Der Vorgängerbau – die Rotunde und Lessings Arbeitsstätte – stand zu jener Zeit auf der Grünfläche davor und wurde Ende des 19 Jahrhunderts durch das heutige Gebäude abgelöst. Das besondere Flair nimmt mich jedes Mal wieder in seinen Bann und auch die Schatzkammer und das Globenkabinett sind für mich Orte des Geistes und der Stille. Mein besonderer Tipp ist an dieser Stelle das Malerbuchkabinett. Picasso habt Ihr hier vielleicht nicht erwartet, oder?

#4 – Geocaching auf Lessing Spuren

Geocaching auf Lessings Spuren

Wenn Ihr schon mal da seid, dann entdeckt doch vielleicht Lessings Spuren auf eigene Faust. Bereits im Jahr 2003 habe ich eine Geocache angelegt, den es bis heute gibt. So könnt Ihr die Stadt, Lessings Geschichte und viele Orte aus dieser Liste noch einmal auf andere Art kennen lernen. Wenn Ihr echte Geocacher seid, werdet Ihr bestimmt auch das besondere Symbol (das kleine Gespenst) gern in Eurer Sammlung haben wollen!? Geocaching macht vor allem auch mit Kindern viel Spaß, ist es doch eine spannende Schnitzeljagd mit Satellitenkoordinaten quer durch die Stadt.

#5 – Lessings „alter Ego“ treffen

Lessing stolziert durch den Schlosshof Wolfenbüttel
Foto: Stadt WF / Björn Reckewell

Von unserem neuen, stummen Kollegen haben wir Euch hier schon berichtet. Wir können aber auch sprechend. Lasst Euch doch von einem der beiden „alter Ego“ des großen Dichters führen und unterhalten. Ganz gleich, ob Ihr lieber beim einer Familienfeier einen unterhaltsamen und niveauvollen Programmpunkt sucht, oder lieber gleich mit einer Gruppe die Stadt erkunden wollt. Beides kann ich Euch empfehlen, denn beide Schauspieler aus den Reihen der Tourist-Informationen füllen ihre Rollen toll aus. Dafür ist der Spaß nicht ganz billig, aber wer von Euch würde an dieser Stelle auch Klamauk haben wollen ;-)?

#6 – Lessings „alte Kanzel“

DAs lessingtheater in Wolfenbüttel
Foto: Stadt WF / Christian Bierwagen

Erbaut wurde das Lessingtheater zwar erst 1909, weit nach Lessings Tod, aber dafür zu seinen Ehren benannt. Der Aufklärer Lessing sah sich selbst Zeitlebens auch als Dichter von Bühnenstücken und empfand die Theaterbühne als seine „alte Kanzel“, auf der er bis zuletzt mit dem Nathan „predigen“ wollte. Umso schöner ist es, dass das Lessingtheater nach jahrelanger Restaurierung optisch in vollem Glanz erstrahlt und ein unglaublich vielfältiges Programm bietet, das seinen ganz eigenen Glanz ausstrahlt. Auch wenn Ihr keine Zeit habt oder nicht das richtige für Euren Geschmack auf dem Programm steht, solltet Ihr Euch das Haus möglichst auch von innen anschauen. Es ist eine Perle des Jugendstils an den Übergängen zum Bauhaus, von denen es nicht mehr allzu viele dieser Art gibt.

#7 – Nathan aus Bronze

Zwei Kinder mit dem Denkmal von Nathan dem Weisen
Foto: Stadt WF / Christian Bierwagen

Zugegeben, sich nur mal eine Bronzeskulptur anzusehen ist jetzt nicht unbedingt für jedermann/-frau der Höhepunkt eines Besuchs in unserer Stadt. Aber vielleicht ist die Abbildung von „Nathan der Weise“ auf der Wiese am Lessinghaus ja ein prima Ausgangspunkt für eine ganz andere Entdeckungstour durch die Stadt? Holt Euch einfach die Wolfenbüttel App (oder in gedruckter Form den Rundgang aus der Tourist-Info) und macht eine Runde zu den modernen Kunstwerken in der Stadt. Dafür empfehle ich Euch das Rad, obwohl es mir richtig viel Spaß mit einem der Elektro-Räder aus der Tourist-Info gemacht hat. So habe ich es sogar vorbei am „Transformat“ bis zum „Turm der Technik“ geschafft? Wer oder was das beides ist? Sage ich nicht, das müsst Ihr schon selber entdecken.

#8 – Lessings große Liebe

GEdenkstein für Eva König in Wolfenbüttel
Foto: Stadt WF / Matthias Langer

Von der Geschichte hatte ich Euch kurz berichtet. Lessing fand zu seiner großen Liebe Eva König, konnte sein Glück kaum fassen und verlor sie und den neugeborenen Sohn Traugott dennoch kurz darauf für immer. Eva wurde in Wolfenbüttel beigesetzt, Lessings Grab findet Ihr auf dem Magnikirchfriedhof direkt neben der Stadthalle in Braunschweig. Den Gedenkstein Evas findet Ihr auf einem der alten Bürgerfriedhöfe in den Wallanlage, direkt hinter der St. Trinitatiskirche. Verbindet den Besuch doch einfach mit einem Spaziergang um den Stadtgraben, dabei könnt ihr die traurigen Gedanken wieder loslassen.

#9 – Lessing liebte Wein

Der gewölbereich in einem Wolfenbütteler Restaurant
Foto: ZeitOrte / Petersen

Ich finde ja, dass Weintrinker an sich schon mal keine schlechten Menschen sind. Das Lessing dem Wein zugesprochen hat, ist eine Tatsache. Das er bei seinem Tod noch eine mehr als stattliche Weinrechnung offen gehabt haben sollte, lassen wir mal so im Raum stehen. Auf jeden Fall ging der gute Gotthold immer in die Kommissstraße, genauer gesagt in die „Kron‘ von Spanien“, wenn der Hals mal wieder trocken war. Heute ist dort leider kein Lokal mehr. Aber wer dennoch einem guten Tropfen nicht abgeneigt ist, findet bei Alfio (Vinum Italicum), Giovanni (Da Giovanni) und Francesco (La Domenica) eine gute Aufnahme. Ob Lessing wohl auch spanischen Wein mochte? Dann wäre er wohl in La Bodega gepilgert, oder er hätte sich gleich selber einen Vorrat bei Jörn Zeisbrich angelegt. Ich mach das jedenfalls so und habe jetzt gerade auch keine Lust mehr am Weiterschreiben. Komisch …?

#10 – Gute Nacht, Lessing wacht

Eine Familie liegt in einem Hotelbett unter einem modernen Lessingbild
Foto Stadt WF / Christian Bierwagen

Ich habe Euch 10 Tipps versprochen, da muss der Wein noch einen Moment warten. Mein aller letzter Tipp auf dieser Liste ist für Gäste von weiter weg. Wolfenbüttel hat eine Menge zu bieten, bleibt einfach über Nacht (besser mindestens zwei). Natürlich könnte ich Euch über mehr als ein Hotel berichten, aber hier geht es ja um Lessing. Das moderne Rilano 24/7 am Kulturbahnhof, nur 6-7 Gehminuten vom Schlossplatz entfernt, lässt Euch jede Nacht gut behütet durch Lessings Konterfei an der Wand in den Schlaf finden. Wenn das nichts ist :-).

Ich hoffe, meine Liste hat Euch gefallen. Natürlich könnte ich jetzt noch die Veranstaltungen z. B. seitens der Lessing-Akademie ergänzen. Aber warum soll ich alles selber machen`? Lieber freue ich mich auf Eure Tipps und Ergänzungen, gern als direkten Kommentar, dann können es alle lesen. Mal sehen, ob die Liste dadurch wächst …

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