Was blüht denn da?

Ein Interview mit dem Stadtgärtner der Lessingstadt.

Als ich zu Hause erzählt habe, dass ich im Rahmen unserer blog-Recherche ein Interview mit dem Wolfenbütteler Stadtgärtner machen werde, wäre mein Mann am liebsten mitgekommen. Wir sind schon seit Jahren Fans der tollen Bepflanzung in Wolfenbüttel und sind jede Saison gespannt, was sich unsere Städtischen Betriebe wieder haben einfallen lassen.

Es ist Dienstag morgen. Laut Wettervorhersage soll es trüb und bedeckt sein. Doch als ich den Gärtnermeister der Stadt Wolfenbüttel Dirk Fellenberg treffe, erwartet uns herrliches Frühlingswetter mit strahlend blauem Himmel. In der schönen Frühlingssonne leuchten die Beete besonders prächtig.

Hochbeet am Paul-Raabe-Platz

Wir treffen uns am Paul-Raabe-Platz. Im Hintergrund die ehrwürdigen Gebäude der Herzog August Bibliothek und dem Lessinghaus, einst die Wirkungsstätten von Lessing. Ob sich Lessing auch schon an so einer schönen Bepflanzung erfreuen konnte? Wolfenbüttel hat ja eine 300-jährige Tradition als Gärtnerstadt und einen starken Bezug zu Blumen und Pflanzen. Sie vermitteln laut Fellenberg ein Gefühl von Herzlichkeit und Lebensqualität: in einer Stadt, wo viele Blumen sind, fühlt man sich doch gleich viel wohler.

Im Eingangsbereich der historischen Fläche steht ein Hochbeet, das schon von weitem gut sichtbar ist. Die gelben und azurblauen Stiefmütterchen zeichnen sich durch eine hohe Strahlkraft aus und haben eine tolle Fernwirkung. Da sich der Mensch laut Fellenberg besonders im Frühjahr  nach Farbe sehnt, wählt er bei der Gestaltung seiner Beete gerne leuchtende Farben.

Foto: Dagmar Steffenhagen
Hochbeet, im Hintergrund das Lessinghaus und Nathandenkmal. © Dagmar Steffenhagen, Stadt Wolfenbüttel

An dem Hochbeet zeigt mir Dirk Fellenberg auch gleich seine Lieblingsblume, das Stiefmütterchen. Die Farbvielheit und die unterschiedlichen Zeichnungen der Blüten begeistern ihn besonders. Wir knien uns vor das Beet und schauen uns die Stiefmütterchen mal genauer an. Die Vielfalt der Blüten lassen wir auf uns wirken und je länger man hinschaut, umso intensiver werden die Farben.

Stiefmütterchen © Dagmar Steffenhagen, Stadt Wolfenbüttel
Stiefmütterchen © Dagmar Steffenhagen, Stadt Wolfenbüttel

Dirk Fellenberg legt Wert darauf, die Beete immer wieder unterschiedlich zu gestalten. Er zeigt mir ein Foto aus dem Herbst 2015, wo dieses Beet mit einem roten Herzen bepflanzt wurde.

Rotes Herz am Lessingplatz © Dirk Fellenberg, Stadt Wolfenbüttel
Rotes Herz am Lessingplatz © Dirk Fellenberg, Stadt Wolfenbüttel

Auf der Suche nach neuen Anregungen besucht er regelmäßig verschiedene Messen und Gartenausstellungen.

Die Planung der Beete wird im Büro durchgeführt. Dirk Fellenberg wählt jedes Jahr eine andere Farbgebung und die Beete werden auch immer unterschiedlich gestaltet. Die Farben werden erst im Gewächshaus getestet und aufeinander abgestimmt. Vorher kommen diese nicht in die Öffentlichkeit. Die Blumen werden alle auf dem Betriebshof in der Lindener Straße selbst gezogen. Dann wird noch geprüft, ob die Pflanzen überlebensfähig und ob sie trockentolerant sind. Dirk Fellenberg ist alleine verantwortlich für die Planung und Gestaltung der Beete.

Im Grünflächenamt gibt es zwei Meister und 40 Mitarbeiter. Ebenfalls beschäftigt der Betrieb zwei Auszubildende. Fellenberg bildet diese aus und legt Wert darauf, eigene Fachkräfte heranzuziehen. Er hat selbst seine Ausbildung bei den Städtischen Betrieben gemacht und ist seit 1992 Gärtnermeister. Mittlerweile kann er auf 40 Berufsjahre zurückblicken.

Ausgestattet mit unseren Fahrrädern radeln wir zur nächsten Station. Am Kleinen Zimmerhof treffen wir Fellenbergs Innenstadtkolonne. Der Meister überprüft ob seine Planung im Beet umgesetzt wird. „Sieht gut aus“ – die Mitarbeiter bekommen das OK vom Chef und er lobt sein gutes Personal.

Die fleißigen Kollegen im Einsatz © Dagmar Steffenhagen, Stadt Wolfenbüttel
Die fleißigen Kollegen im Einsatz © Dagmar Steffenhagen, Stadt Wolfenbüttel

Klein Venedig

Angekommen an Klein Venedig strahlt uns hier bunte Farbvielfalt aus den Blumenkästen an der Brücke entgegen. Die Tulpen sind panachiert, wie ich hier lerne, das heißt die Blüten haben zwei Farben, außen weißer Rand und innen rot. Übrigens heißen diese wunderschönen Tulpen Pinocchio. Die kleinen gelben Narzissen stammen von der Sorte Tete-à-Tete.

Dirk Fellenberg in "Klein Venedig" © Dagmar Steffenhagen, Stadt Wolfenbüttel
Dirk Fellenberg in „Klein Venedig“ © Dagmar Steffenhagen, Stadt Wolfenbüttel
Tulpe "Pinocchio" © Dagmar Steffenhagen, Stadt Wolfenbüttel
Tulpe „Pinocchio“ © Dagmar Steffenhagen, Stadt Wolfenbüttel

Tulpen, Stiefmütterchen und Osterglocken sind die klassischen Frühjahrspflanzen. Die Tulpen brauchen noch ein bisschen Wärme und gehen später auf. Die Sommerbepflanzung wird in diesem Jahr nach Pfingsten ausgesetzt, also traditionell nach den Eisheiligen. Dann kann man sicher sein, dass die Blumen keinen Schaden durch Frost nehmen. Die Süßkartoffel, die Ipomea Batatas, wird wieder ein Hingucker für die Sommerbepflanzung. Die lemongrünen Blätter hängen dann aus den Blumenampeln und leuchten mit ihrem hellen Grün.

Kreisel Am Herzogtore

Unsere Erkundungstour führt uns nun zum Kreisel Am Herzogtore. Erstmalig hat der Gärtnermeister dort keine Stiefmütterchen gepflanzt und er wurde schon gefragt, ob hier denn gar nichts blühe. Heute ist das auf jeden Fall anders: der Hingucker sind die Vergissmeinnicht in blau, rosa und weiß. Dirk Fellenberg hat lange nach diesen Pflanzen gesucht, denn alle drei Sorten sollten die gleiche Wuchshöhe haben und gut zueinander passen. Dazu weiße Papageientulpen und cremefarbene Osterglocken. Eigentlich schade, dass man an dieser liebevollen Bepflanzung immer nur schnell vorbei fährt. Weitere Tulpen öffnen so langsam ihre Blütenkelche und begeistern die Vorbeifahrenden mit prächtigen rosa und lila Farben. Die Rasenfläche wird einmal pro Woche gemäht und soll laut Fellenberg auch immer wie geleckt aussehen.

Bepflanzung am Verkehrskreisel Herzogtor © Dagmar Steffenhagen, Stadt Wolfenbüttel
Bepflanzung am Verkehrskreisel Herzogtor © Dagmar Steffenhagen, Stadt Wolfenbüttel

Das Stadtwappen

Wir radeln weiter zum Stadtgraben: hier steht des Gärtnermeisters Meisterstück, das Stadtwappen. Angeregt durch den englischen Landschaftsbau bei dem Bilderpflanzungen üblich sind, hatte Fellenberg den Wunsch, das Stadtwappen gärtnerisch zu verewigen. Es wurden 3-4 verschiedene Standorte getestet bis Dirk Fellenberg endlich den perfekten Platz am Stadtgraben fand. Hier ist die Böschung steil genug, damit das Wappen auch von weitem gut sichtbar ist. So können sich die Besucher, die vom Süden in die Stadt kommen, gleich an dem blühenden Stadtwappen erfreuen. Für die Bildbepflanzung wurde das Hornveilchen ausgewählt.

Der absolute Höhepunkt: das Stadtwappen © H.-D. König, Stadt Wolfenbüttel
Der absolute Höhepunkt: das Stadtwappen © H.-D. König, Stadt Wolfenbüttel

Wie schafft man es, die Konturen des Stadtwappens so exakt zu pflanzen? Das wäre doch eine tolle Frage für die Tüftler der Sendung mit der Maus. Der Gärtnermeister verrät es mir: zuerst wurde eine 4 x 5m große Holzplatte bei den Städtischen Betrieben gebaut. Diese wurde an die Wand gehängt und darauf das Stadtwappen mit Hilfe eines Projektors drauf projeziert. Als nächstes wurden die Konturen aufgezeichnet und später ausgefräst. Da die große Platte so nicht transportierfähig war wurde sie in vier Teile zersägt, vor Ort auf die Fläche gelegt und dort mit Hilfe von Quarzsand die Konturen auf den Boden gezeichnet.

Bereits aus dem Ausland und sogar aus New York hat Dirk Fellenberg schon Anerkennung für dieses Meisterwerk erhalten und äußert den Wunsch, dass mit dem gepflanzten Stadtwappen noch viel Werbung für die Gärtnerstadt Wolfenbüttel gemacht wird.

Gärtnerdenkmal am Holzmarkt

Wieder aufs Rad und zu unserer letzten Station, dem Holzmarkt. Fellenberg ist der Meinung, dass der Platz durch die neue Gestaltung deutlich aufgewertet wurde und jetzt viel lebendiger wirkt. Die angepflanzten Zierbirnen finden ebenfalls Fellenbergs Anerkennung. Auch hier ein liebevoll gestaltetes Beet mit cremeweiß gefüllten Tulpen und dunkelblauen Stiefmütterchen. Das Gelb der Narzissen soll das Gärtnerdenkmal besonders hervorheben. Auch hier wurde mit Liebe gepflanzt und der Betrachter erhält ein harmonisches Bild.

Hier mache ich auch mein letztes Foto auf unserer Rundtour: Dirk Fellenberg eingerahmt von den Figuren des Gärtnerdenkmals. Dieses hat auf dem Holzmarkt einen würdigen Standort erhalten.

Das Gärtnerdenkmal vor der St. Trinitatiskirche © Dagmar Steffenhagen, Stadt Wolfenbüttel
Das Gärtnerdenkmal vor der St. Trinitatiskirche © Dagmar Steffenhagen, Stadt Wolfenbüttel

Vielleicht bekommt unser Stadtgärtner später mal sein eigenes Denkmal…Verdient hätte er es!!!

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2 Gedanken zu “Was blüht denn da?

  1. Liebe Dagi! Das ist ein sehr gelungener und interessanter Beitrag über unsere schöne Stadt Wolfenbüttel. Sicherlich werde ich nach dieser starken Abhandlung mit noch offeneren Augen durch die Stadt gehen.
    Danke und weiter so. Erika

    1. Liebe Erika,
      ganz herzlichen Dank! Wir werden auf unserem blog regelmäßig noch viele Geschichten und Erlebnisse aus unserem schönen Wolfenbüttel vorstellen. Ich freue mich sehr, dass Du begeistert mit dabei bist!

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