Bierbrauen bei denver’s

Es ist Sonntagmorgen um 8 Uhr – wir warten vor „Denvers Teestube“ auf ihren Inhaber. Mein Freund Max aus Berlin und ich* sind gespannt darauf, Denver Künzer heute einen Tag lang begleiten zu dürfen. Heute sind wir aber nicht zum Teetrinken bei Denver eingeladen, sondern wir wollen gemeinsam Bier brauen. Und das in einer Teestube? Richtig!

Denvers Teehaus
Denvers Teehaus © Catharina Jordan

Die Kunst der Bierbrauerei

Denver Künzer bietet nicht nur feinste Teesorten aus der ganzen Welt an, sondern er widmet sich auch leidenschaftlich der Bierbrauerei.

Mit dem Fahrrad kommt Denver am frühen Morgen zur Teestube. Dabei hat er eine Kühltasche, gefüllt mit eigen kreierten Bieren: Weizenbier, Festbier, Rauchbier und ein Stout. Der Verköstigung dieser Eigenkreationen werden wir uns im Laufe des Tages widmen. Aber zunächst geht es an die Arbeit. Die Bierbrauerei ist eine Kunst für sich: Einerseits handelt es sich um ein traditionsreiches Handwerk, andererseits gehört viel Kreativität und die Erstellung eines eigenen Rezepts dazu. Das besagte Rezept, welches die Grundlage eines jeden Bieres ist, hat sich Denver selbst ausgedacht. Selbstverständlich bleibt die Rezeptur geheim. Es wird uns lediglich verraten, dass wir heute mit Hilfe seiner Geheimrezeptur ein Weizenbier herstellen werden. Denver führt uns vom Bistro-Bereich der Teestube in seine kleine Brauküche. Dort finden wir einen großen Eimer mit Getreide vor, den es zunächst zu schroten gilt. Zu meinem Erstaunen erklärt mir Denver, dass die Braukunst in der Geschichte zunächst von Frauen durchgeführt wurde.

Ich stelle mich daher gedanklich darauf ein, Denver heute tatkräftig bei der Brauerei des Bieres zu unterstützen und scheue keine harte Arbeit.

Vorarbeiten im Vorgarten

Eine ausgewählte Getreidemischung ist die Basis und ihre Zusammensetzung ist ausschlaggebend für die Art und den Geschmack der jeweiligen Biersorte. Wir gehen in den kleinen Vorgarten der Teestube und geben das Getreide nach und nach in die selbstgebaute Schrotmaschine. Wir sind erstaunt darüber, wie gut das Getreide riecht und können uns zu diesem Moment noch nicht vorstellen, dass daraus einmal ein Getränk entstehen wird.

Der nächste Schritt bei der Herstellung des Bieres besteht im sogenannten „Einmaischen“ der Getreidemischung. Dazu wird das geschrotete Getreide mit Wasser vermischt und in einem langen Prozess schrittweise erwärmt.

Zunächst soll eine Temperatur von 55°C erreicht werden, danach eine Temperatur von 63°C und um den Prozess abzuschließen heiße 78°C.

Die verschiedenen Temperaturen begünstigen chemische Prozesse, die das Getreide zu einer Flüssigkeit werden lassen, die neben Hopfen und Hefe die Basis des Bieres bildet.

Wie wir merken, ist die Kunst des Bierbrauens von vielen chemischen Prozessen und absoluter Präzision abhängig, um ein optimales Geschmacksergebnis zu erzielen. Darüber hinaus erklärt uns Denver, ist Hygiene ein unumgängliches Thema beim Bierbrauen. Sind die Instrumente und Behälter nicht steril, bilden sich Keime und das Bier wird ungenießbar. Es ist also viel dabei zu beachten, wenn man das Ziel verfolgt, ein gelungenes Bier zu brauen. Um die Zeit zwischen den verschiedenen Phasen des Einmaischens zu überbrücken, widmen wir uns der Verköstigung der verschiedenen Biere. Wir fangen mit dem Weizenbier an, welches eine frisch-herbe Note besitzt und die perfekte Abkühlung ist, nachdem wir so tatkräftig das Getreide geschrotet und eingeweicht haben. Das zweite Bier, das wir probieren, ist ein Festbier. Dieses vollmundige Bier erinnert uns ans Oktoberfest und passend zum Hunger, den wir durch das Bier bekommen, bereitet Denver für uns Pizza zu.

Das Weizenbier
Das Weizenbier © Catharina Jordan

Kreative Kreationen in limitierter Auflage

Beim Essen erklärt er uns, dass jedes seiner Biere mit viel Leidenschaft gebraut wird und er den Zweck verfolgt, es im kleinen Rahmen herzustellen und an den Mann zu bringen. Er bietet nicht kontinuierlich dasselbe Bier an, sondern variiert beim Brauen zwischen den verschiedenen Sorten.

Sobald eine Biersorte vergriffen ist, kann es also sein, dass das nächste Bier eine völlig andere Sorte sein wird. Die geringe Anzahl an verschiedenen Biersorten ist ein Indikator für die hohe Qualität von Denvers Bieren. Es soll keine Massenproduktion einer Sorte entstehen, sondern die Kunden sollen mit kreativen Kreationen überrascht werden, die es in limitierter Anzahl in seiner Teestube zu erwerben gibt. Ein Bier kostet 2,90 €, zzgl. 1,00 € Flaschenpfand.

Liebevoll gestaltete Produktetiketten verleihen Denvers Bieren das gewisse Etwas und laden dazu ein, einmal ein selbstgebrautes Wolfenbütteler Bier zu genießen, anstelle eines industriell hergestellten Bieres aus dem Supermarkt. Nachhaltigkeit und regionale Produktion sind Themen, die Denver am Herzen liegen. „Es ist wichtig, der Massenproduktion von Lebensmitteln die Stirn zu bieten und einmal zu schauen, welche Produkte in der eigenen Region hergestellt werden“, so Denver. Die Liebe zur Eigenherstellung und zur Region entdecken wir auch in der Teestube. Neben regional hergestelltem Honig aus Ohrum, bietet Denver selbsthergestellte Waffeln aus glutenfreiem Teig an. Diese dürfen wir als Nachtisch probieren, und sind positiv überrascht vom tollen Geschmack der Allergiker freundlichen Waffel. In Denvers Teestube ist der Trend zur Rückkehr zu regionalen Produkten, den wir in Großstädten, wie Berlin und Hamburg bereits seit längerer Zeit beobachtet haben, angekommen. Für Liebhaber der Region, wie aber auch für Allergiker, die darauf angewiesen sind, Gluten zu meiden, ist Denvers Teestube ein lohnenswertes Ausflugsziel.

Die Teestube befindet sich in der Ringstraße, am Rande von Wolfenbüttel. Die gemütliche Stube lädt dazu ein, sich einmal vom hektischen Alltag zu erholen. Sei es auf dem Nachhauseweg von der Arbeit oder am Nachmittag, Denvers Teestube ist immer einen Ausflug wert.

Nach dem Mittagessen führt uns Denver in seinen „Reifekeller“. Hier wird das Bier bei einer angenehmen Temperatur gelagert und bekommt die Zeit, die es braucht, um den idealen Geschmack zu entwickeln. Wir verköstigen zwei weitere Biere und zwar das „Rauchbier“ und das „Stout“. Ein Rauchbier ist eine Köstlichkeit für Bierliebhaber, die den leichten Geschmack nach Rauch im Bier schätzen. Das Stout wiederum wird denjenigen schmecken, die eine Vorliebe für britisches Bier besitzen.

Im Reifekeller
Im Reifekeller ©Catharina Jordan

Die „Einmaisch Phase“ unseres Bieres ist nun vorbei und Denver beginnt mit dem sogenannten Abläutern. Das bedeutet, dass das Bier nun noch einmal vom Getreide getrennt und mit Hopfen versetzt wird. Für uns ist dies heute der letzte Schritt, bei dem wir Denver Künzer begleiten. Die weiteren Schritte bis zur Fertigstellung des Bieres unternimmt Denver alleine. Bierbrauen ist eine zeitintensive Aufgabe. Idealerweise dauert die Brauzeit insgesamt ungefähr 8 Stunden. Diese Zeit kann jedoch variieren. Wir sind begeistert von Denvers Gastfreundlichkeit und freuen uns darüber, diesen gelungenen Sonntag mit ihm verbracht haben zu dürfen.


Zwei Wochen später …

Es ist endlich so weit: Unser Bier wird in die Flaschen abgefüllt. Dafür verwendet Denver Künzer 0,5 Liter Flaschen und zwar die braunen, weil die weniger Licht durchlassen und sich das Bier somit länger hält. Selbstverständlich haben die Flaschen auch einen Bügelverschluss, damit es beim Öffnen auch so schön ploppt. Aber soweit sind wir heute noch nicht, jetzt geht es erst mal an das Waschen der Flaschen, damit nix ins Bier kommt, was da nicht rein soll.

Noch ohne den Bügelverschluss werden die Flaschen gespült © Denver Künzer

Wer jetzt denkt „… und nun geht es ab in die Flasche mit dem feinen Gebräu …“ hat den nächsten Schritt noch nicht gemacht. Jetzt müssen wir das Weizenbier in das Abfüllfass umfüllen.

Jeder Schritt ist hier Handarbeit © Denver Künzer

Aber jetzt ist es endlich so weit und wir können, nach dem wir die Bügelverschlüsse an die Flaschen gefrickelt haben, endlich mit dem Abfüllen beginnen. Auch wenn das Weizen noch nicht fertig ist, riecht es schon ziemlich gut.

So, geschafft. 120 fertige Flaschen wandern jetzt noch für rund zwei Wochen in die Kaltreife, was nichts anderes als ein gekühlter Lagerschrank ist, wo sich das Weizenbier in der Flasche ganz in Ruhe vervollkommnen kann, bevor es unsere durstigen Kehlen löschen darf.


Heute ist es endlich soweit

Mensch, was haben wir uns auf diesen Tag gefreut. Nach so vielen Schritten der Arbeit, des Wartens und vor allem auch des vielen Putzens und Reinigens dazwischen steht heute die Verkostung unseres ersten, eigenen Weizenbieres an. Wir (das sind Denver und Björn vom echt lessig-Blog) sind gespannt wie Bolle und es ist wirklich schade, dass Catherina und Max wieder zum Studium in Berlin sind und diesen Moment nicht miterleben können. Die erste Flaschenlieferung schicken wir ihnen natürlich hinterher, das ist Ehrensache. So machen wir uns also auf und holen die letzten zwei Flaschen aus der Kaltreife.

 

Doch bevor es an das Probieren geht, steht noch der letzte Arbeitsschritt an. Gemeinsam beschriften wir die Flaschen, natürlich von Hand, damit unser echt lessig-Weizenbier auch wirklich fertig ist.

Jetzt wird es aber wirklich spannend. Während Denver die Gläser einschenkt, plaudern wir noch ein wenig über das Bierbrauen. Durch die Temperatur beim Maischen kann er nämlich steuern, ob das Weizen eher „bananig“ oder „nelkig“ wird. Aha. Da er die leichte Bananennote im Weizen lieber mag, weiß ich schon mal, was uns gleich erwartet.

Was soll ich sagen: lecker. Na klar werdet Ihr jetzt sagen, dass ist wahrscheinlich genauso wie bei den Fernsehköchen, die auch immer voller Verzückung die Gesichter verziehen und man selber kann am TV außer der Optik nicht wirklich etwas beurteilen. Nein, es ist auch nicht so wie bei einem selbst gekochten Gericht, das einem ja irgendwie auch dann noch gut schmeckt, wenn andere schon etwas irritiert dreinschauen. Das hier ist etwas anderes. Es ist so vollmundig und irgendwie kräftiger im Aroma als andere Weizenbiere, dabei aber nicht bitter und ja, das ist wirklich etwas Banane, spannend. Ich durfte gerade ein Weizenbier probieren, dass es wirklich nur einmal gibt. Mit Hallertauer-Hopfen gebraut. Die Braugerste ist dabei von Hand durch meine Kollegin gerührt worden und nun steht es fertig abgefüllt und zum Trinken gut gekühlt da, unser echt lessig-Weizen. Das ist wirklich schön, weil soviel Handarbeit und Liebe drinsteckt! Jetzt wird mir auch bewusster, warum das Bier in der 0,5er Flasche preislich nicht mit den Industriebieren mithalten kann und will. Es ist etwas besonderes, und das lassen wir uns jetzt noch mal ganz in Ruhe schmecken.

Bei Lesen des Etiketts fallen mir zum Schluss noch ein paar Daten auf, die jeden Quartett-Freund wohl begeistern und jeden Craft-Bier-Fan stets interessieren. Es geht um die Stammwürze (°P also Grad Plato), die bei unserem Weizen 14 °P etwas höher liegt als bei den üblichen Weizen. Habe ich es also richtig geschmeckt, es soll wirklich vollmundiger sein. Dann steht da etwas von IBU (International Bitterness Unit). Dieser Wert gibt an, wie „süß“ oder „bitter“ ein Bier schmeckt. Mit 16 IBU wirkt sich der Hopfen hier nicht bitter aus. Und dann bleibt da noch die Frage nach dem Alkohol, der mit 5,9% Vol. auch ein wenig höher liegt, was durch die Stammwürze kommt. Mit einen Refraktometer wird der Zuckergehalt beim Brauen gemessen. Daraus kann dann die Stammwürze errechnet werden und der Brauer weiß genau, wie sein Bier wohl schmecken wird. Außerdem wird anhand der Stammwürze auch die Biersteuer festgestellt. Klingt kompliziert.

Mein Fazit: Catharina und Max haben ein wirkliches leckeres, süffiges Weizen gebraut. Ich bin gespannt, wie sie es selber finden werden. Und Denver, der ist ein total sympathischer Typ mit einer tollen Leidenschaft zum Bierbrauen und ganz viel Freude dabei, über den Brauprozess zu erzählen. Spaß hat es gemacht, danke!

Schade, unsere Verkostung ist fast schon vorbei
Schade, unsere Verkostung ist fast schon vorbei

Ihr möchtet auch mal probieren?!

Ihr wollt auch mal probieren, wie gut es schmeckt? Dann macht doch einfach bei unserem Gewinnspiel mit und postet hier auf dem Blog einen kurzen Kommentar, mit wem ihr das Weizen gern zusammen probieren wollt und warum. Das Gewinnspiel ist beendet.


*Wer ist eigentlich „ich“?
Hallo, ich bin Catharina und gebürtige Wolfenbüttelerin. Im Jahr 2010 verließ ich Wolfenbüttel mit einem lachenden und einem weinenden Auge, um die Welt zu entdecken und mich meinem Studium zu widmen. Zum Abschluss meiner Ausbildung habe ich beschlossen, in meine Heimatstadt zurückzukehren und ein Praktikum in der Tourist-Information zu absolvieren.

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4 Gedanken zu “Bierbrauen bei denver’s

  1. Ich muss dieses famose Bier unbedingt probieren! Und zwar mit meinen beiden lieblings Biertrinkern Stefan und Stefan! Und warum? Na weil Rina es so dufte lecker beschrieben hat!

  2. Vielen Dank für diesen schönen Artikel und danke an Catharina und Max für die tatkräftige Unterstützung beim Brauen. Ich freue mich, dass das Bier schmeckt und hoffe, dass sich die Gewinner über das Genusspaket freuen werden. Danke auch an alle Mitarbeiter hinter der Steckdose und besonders Björn, der sich getraut hat, die erste Verkostungsflasche zu öffnen… 😉

    1. Ich habe meinen ganzen Mut zusammengenommen Nee, das war quatsch. Es hat viel Spaß gemacht und ich habe eine Menge über das Brauen erfahren. Danke dafür, lieber Denver.

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